Samstag, 22. Juli 2017

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Wirtschaftsboom Wirtschaftsweise heben Prognose an - und weisen US-Kritik zurück

Es läuft rund: Die Wirtschaftsweisen rechnen mit 1,4 Prozent Wachstum 2017

Die Konjunktur in Deutschland läuft: Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ("Wirtschaftsweise") hat seine Konjunkturprognose für 2017 angehoben. Die fünf Weisen rechnen damit, dass das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland im laufenden Jahr um 1,4 Prozent steigen wird, wie sie am Montag mitteilten. Das sind 0,1 Prozentpunkte mehr als beim bisherigen Gutachten vom November.

Die Wirtschaftsweisen haben außerdem die auch von den USA verstärkt geäußerte Kritik am deutschen Leistungsbilanzüberschuss zurückgewiesen. Der sei zwar hoch, doch signalisiere er kein gesamtwirtschaftliches "Ungleichgewicht", sagt der Vorsitzende des Expertengremiums, Christoph Schmidt, am Montag bei der Vorstellung einer aktualisierten Konjunkturprognose.

Zugleich forderte Schmidt die Bundesregierung auf, Investitionen in Deutschland zu fördern und so dazu beizutragen, dass sich der Differenzbetrag zurückbildet. In die Leistungsbilanz fließen neben dem Warenhandel auch alle anderen Transfers mit dem Ausland ein - von Dienstleistungen bis zur Entwicklungshilfe.

Kritik am Leistungsbilanzüberschuss "nicht stichhaltig" - kein Einfluss auf Euro

Die in jüngster Zeit verstärkt geäußerte Kritik am hohen deutschen Leistungsbilanzüberschuss hält der Sachverständigenrat für "nicht stichhaltig". Der Vorwurf der US-Regierung lautet, dass Deutschland etwa den niedrigen Euro-Kurs ausnutzt und dadurch mehr Waren in den USA absetzen kann als die USA etwa in Deutschland. Die Bundesregierung verweist dagegen auf die Zuständigkeit der EU für den Handel und der EZB für den Wechselkurs.

Der Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump, Peter Navarro, bezeichnete den deutschen Handelsüberschuss jüngst als "ernste Sache". Er sei eines der schwierigsten Probleme im Handel, mit denen sein Land konfrontiert sei. Es gelte, mit Deutschland über Wege zu sprechen, wie diese Überschüsse reduziert werden könnten. Die deutschen Exporte in die USA übertrafen 2016 die Importe von dort um 49 Milliarden Euro.

la/dpa/reuters

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