Donnerstag, 18. Oktober 2018

Schwacher IPO des Sportwagenherstellers Aston Martin gerät bei Börsendebüt ins Schleudern

Aston Martin DBS: Das Börsendebüt des britischen Sportwagenspezialisten war nicht gerade fulminant
Aston Martin
Aston Martin DBS: Das Börsendebüt des britischen Sportwagenspezialisten war nicht gerade fulminant

Aston Martin ist für rasante Fahrzeuge bekannt. Bei seinem Börsendebüt geriet der britische Sportwagen-Spezialist allerdings ins Schleudern: An seinem ersten Handelstag an der Londoner Börse fielen die Aktien am Mittwoch um bis zu 6,5 Prozent unter den Ausgabepreis von 19 Pfund. Der Hersteller der legendären Fahrzeuge des 007-Film-Geheimagenten James Bond war schon in der Preisfindungsphase nicht auf die erhoffte Begeisterung gestoßen: Der Ausgabepreis, der Aston Martin mit 4,3 Milliarden Pfund bewertet, hatte in der unteren Hälfte der Angebotsspanne gelegen.

Ursprünglich hatte Aston Martin eine Preisspanne von 1750 bis 2250 Pence angepeilt, woraus sich nach Angaben des Unternehmens eine maximale Bewertung von 5,07 Milliarden Pfund ergeben hätte.

Laut dem Marktbeobachter Neil Wilson von Markets.com ist der Sportwagenbauer bei der Emission im Vergleich mit dem Wettbewerber Ferrari fair bewertet worden. Seiner Einschätzung nach sieht es nun so aus, als ob es Aston Martin damit aber nicht in den britischen Leitindex FTSE 100 schaffen wird. Langfristig sieht er angesichts der Wachstumsziele des Konzerns jedoch Luft nach oben für die Aktie.

Experten sehen vor allem die ehrgeizigen Wachstumspläne der Kultmarke skeptisch. Aston Martin will jedes Jahr ein neues Modell auf den Markt bringen und die Produktion deutlich steigern. 2019 sollen bis zu 7300 Fahrzeuge gebaut werden, mittelfristig soll sich die Zahl verdoppeln. Um das möglich zu machen, braucht der Börsenneuling seine kompletten Einnahmen aus dem laufenden Geschäft, für Dividenden oder Schuldenabbau bleibt nichts übrig.

"Wir minimieren Risiken" - auch Brexit schreckt Aston Martin nicht

"Das sind sehr aggressive Wachstumspläne. Die Umsetzung muss reibungslos funktionieren - nichts frisst Geld schneller als ein Autobauer, wenn der Zyklus runtergeht", sagte James Congdon vom Beratungshaus Canaccord.

Aston-Martin-Chef Andy Palmer sieht darin keine Gefahr: "Ich bin Ingenieur - wir minimieren Risiken", sagte er Reuters. "Das habe ich schon mein ganzes Berufsleben lang gemacht." Auch ein harter Brexit, der Zölle für die Autobranche bedeuten würde, schreckt Palmer nicht. "Natürlich bevorzugen wir alle keine Zölle, kein Zweifel, aber die Branche muss lernen, sich anzupassen und hat sich immer an Veränderungen angepasst."

Nach sechs verlustreichen Jahren hatte Aston Martin 2017 wieder Gewinne verbucht. Der Autobauer war in seiner mehr als 100-jährigen Geschichte sieben Mal insolvent und gehörte bis 2007 zum US-Konzern Ford. Zuletzt war das Unternehmen in der Hand von Investoren aus Kuwait und Italien. Der Stuttgarter Autobauer Daimler hielt 4,9 Prozent und wollte davon beim Börsengang nichts verkaufen. Nach dem Ausverkauf von Jaguar, Bentley und Rolls-Royce ist Aston Martin nach Jahren wieder der erste britische Autobauer an der Londoner Börse.

wed/Reuters/dpa

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