Donnerstag, 24. August 2017

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Unterstützung für Dax, EuroStoxx und Co 3 Gründe, warum jetzt Geld nach Europa fließt

"Charging Bull" und "Fearless Girl" in New York: Wall-Street-Investoren könnten ihre Blicke jetzt verstärkt auf die Dame Europa lenken
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"Charging Bull" und "Fearless Girl" in New York: Wall-Street-Investoren könnten ihre Blicke jetzt verstärkt auf die Dame Europa lenken

Mit dem Wahlsieg Macrons in Frankreich ist ein politisches Risiko in Europa vorerst abgehakt. Doch es gibt noch mehr Gründe, warum US-Anleger jetzt verstärkt Geld in europäische Aktien investieren könnten.

Nach dem Wahlsieg von Emmanuel Macron in Frankreich markierte der Dax Börsen-Chart zeigen im frühen Handel ein neues Rekordhoch - anschließend nahmen Anleger erst einmal Geld vom Tisch. Ein solches Verhalten ist nicht ungewöhnlich: Investoren hatten bereits im Vorfeld auf einen Sieg des Europafreundes Macron gewettet, und die Leitindizes in Deutschland und Frankreich waren in den vergangenen Woche kräftig gestiegen. Dass nach dem Motto "Buy the rumour, sell the fact" nun aber erst einmal Gewinne mitgenommen werden, muss nicht bedeuten, dass die jüngste Kursrally im Dax (plus 10 Prozent seit Jahresbeginn) bereits beendet ist.

Im Gegenteil. Die Erholung an Europas Börsen könnte nun ein breiteres Fundament bekommen. Ausländische Investoren aus den USA oder aus Asien haben nun mehrere Gründe, einen Teil ihres Geldes nach Europa zu lenken.

1) Die politischen Risiken sind durch die Wahlen in Frankreich deutlich gesunken. Zwar hat Macron nun mühevolle Monate vor sich, um seine Reformen in Gang zu bringen. Doch die Furcht, mit Frankreich könnte sich ein Kernland der EU in Kürze aus der Euro-Zone verabschieden, ist mit der Wahlniederlage der rechtspopulistischen Euro-Gegnerin Marine Le Pen vorerst gebannt.

2) Aktien in den USA sind deutlich höher bewertet als in Europa. Die politischen Risiken, die einen Teil dieses Abschlags rechtfertigten, sind nun gesunken: Europäische Aktien sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13-14 noch vergleichsweise moderat bewertet, jene in den USA sind mit einem KGV von 17-18 bereits deutlich teurer. US-Großanleger, die der Börsenrally in den USA und dem "Trump-Trade" nicht mehr allzu viel zutrauen, könnten nun geneigt sein, einen Teil ihrer Investitionen in die günstigeren europäischen Aktien zu lenken.

3) Dritter und wichtigster Grund: Das Gewinnwachstum der Unternehmen in Europa ist derzeit dynamischer als das Gewinnwachstum der US-Konzerne. Das belegen Zahlen der Beratungsgesellschaft Ernst and Young (EY) für die derzeit laufende Berichtsaison: Danach ist der operative Gewinn (Ebit) von mehr als der Hälfte der 30 Dax -Konzerne, die bisher Zahlen für das erste Vierteljahr vorgelegt haben, um 27 Prozent auf zusammengerechnet 27,5 Milliarden Euro gestiegen. Im amerikanischen S&P 500 Index beträgt das durchschnittliche Gewinnwachstum während der laufenden Berichtsaison dagegen nur 10 Prozent.

Macron als "Türöffner für Kapitalstrom nach Europa"

Die europäischen Konzerne profitierten EY zufolge von der wirtschaftlichen Erholung in Europa und der guten Entwicklung in China. "Der Dax Börsen-Chart zeigen benötigt jetzt weiterhin starke Quartalszahlen, die diesen Trend bekräftigen", sagt Jochen Stanzl, Analyst bei CMC Markets. Macron könne ein "Türöffner für frisches Kapital nach Europa" sein: Wegen der günstigeren Bewertung könnte sich also der Kapitalstrom aus den US-Börsen zurück an die europäischen Märkte umkehren. Ein solcher Trend werde sich nicht binnen eines Tages, sondern könnte sich über die kommenden Wochen in stetig weiter steigenden Kursen äußern könnte, wenn globale Fonds sukzessive in Euro-Aktien einsteigen.

Auch Umsätze steigen in Europa derzeit stärker als in den USA

Auch die Umsatzentwicklung der europäischen Konzerne spricht derzeit für Investitionen in Europa und in Deutschland. Der Umsatz von 17 Dax-Konzernen - ohne Banken - verbesserte sich den Angaben von EY zufolge um 10 Prozent auf 251,61 Milliarden Euro, die Zahl der Mitarbeiter stieg insgesamt um 3 Prozent (Stand 31. März). In Asien kletterte der Umsatz um 15 Prozent, in Europa ging es um 11 Prozent aufwärts. Die auf dem nordamerikanischen Markt erwirtschafteten Erlöse legten dagegen lediglich um 8 Prozent zu. Dabei spielen allerdings auch Währungseffekte eine Rolle.

"Etliche Konzerne konnten ihre Profitabilität und damit ihre eigene Schlagkraft und Widerstandsfähigkeit gegen mögliche Krisen erhöhen. Das Jahr hat also sehr gut angefangen", sagte Mathieu Meyer, Mitglied der EY-Geschäftsführung. Die gewinnstärksten Unternehmen waren der Auswertung zufolge Volkswagen Börsen-Chart zeigen , Daimler Börsen-Chart zeigen und Bayer Börsen-Chart zeigen. Die stärksten Umsatzzuwächse hätten die Fresenius SE , Adidas und BASF erzielt.

Meyer mahnte zugleich aber zur Vorsicht. "Die politischen Risiken bleiben hoch." Gerade in Europa könnte es in diesem Jahr zu Turbulenzen kommen, sagte er mit Blick auf die Brexit-Verhandlungen. Auch sei die europäische Schuldenkrise noch längst nicht gelöst.

Euro auf Sechsmonatshoch: Aufwertung ist Risiko für Europas Konzerne

Ein Dämpfer für europäische Aktien könnte in den kommenden Wochen jedoch eine weitere rasche Aufwertung des Euro Börsen-Chart zeigen gegenüber dem Dollar sein. Anfang des Jahres hatten viele europäische Global Player noch von der Euro-Schwäche profitiert, als der Euro zeitweise bis auf 1,05 US-Dollar absackte und viele Beobachter am Devisenmarkt bereits von einer nahenden Euro-Dollar-Parität sprachen. Inzwischen hat der Euro unmittelbar nach dem Wahlsieg Macrons mit 1,10 US-Dollar wieder den höchsten Stand seit 6 Monaten erreicht, bevor er am Montag im Handelsverlauf wieder etwas nachgab.

Sollte die Euro-Aufwertung in diesem Tempo weitergehen, dürfte sich das Umsatz- und Gewinnwachstum der Konzerne in Europa im zweiten Quartal kaum auf diesem hohen Niveau halten lassen. Einige Faktoren sprechen jedoch dafür, dass sich der Dollar von seinem jüngsten Schwächeanfall wieder erholen wird. Spätestens im Juni wird mit einer weiteren Zinserhöhung der US-Notenbank Fed gerechnet.

la/mmo

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