Donnerstag, 25. August 2016

Was der Anleger jetzt tun sollte Qualitätstitel halten, Turbulenzen aushalten

Der Blick auf die Dax-Tafel zehrt immer wieder an den Nerven der Anleger. China-Turbulzenzen, Ölpreisverfall, US-Zinswende - es gibt trotzdem Gründe dabei zu bleiben und nicht zu verkaufen

Steigende Zinsen in den USA, der fallende Ölpreises, die Turbulenzen in China - Pessimisten kennen viele Gründe für die Börsenschwäche und warum es weiter abwärts gehen soll. Doch Vorsicht: Für alle drei Argumente liefert die Geschichte beste Gegenbeispiele. Was jetzt tun?

Die ersten Wochen des Börsenjahres 2016 haben in der Zeit zwischen 2. und 20. Januar Verluste an den Aktienmärkten weltweit von ungefähr 10 Prozent gesehen. Eine alte Börsenregel lautet, wie sich der Januar entwickelt, so geht das ganze Jahr.

Mancher wird daran denken, dass sowohl im Jahr 2001 als auch im Jahr 2008 auf einen schwachen Jahresbeginn ein noch wesentlich schwächeres Gesamtjahr mit hohen Verlusten folgte. Wer dann im Februar 2001 oder im Februar 2008 den Mut hatte, Aktien trotz Verlusten zu verkaufen, hat sich hohe weitere Verluste erspart und konnte dann 18 Monate später im Oktober 2002 beziehungswiese 11 Monate später im März 2009 wesentlich günstiger einsteigen.

Soll man also jetzt alles verkaufen und auf dem Geld sitzen bleiben, um später tiefer einzusteigen?

Vorsicht! Es gibt nämlich auch das Jahr 1991. Dort folgte einem schwachen Januar im Zusammenhang mit dem damals beginnenden 1. Golfkrieg ein sehr gutes Börsenjahr mit kräftigen Gewinnen. Es gibt auch noch einige andere Jahre mit schlechtem Beginn und gutem Ende an den Aktienmärkten. Ganz eindeutig ist die Januar-Regel damit nicht.

Als Gründe für die Börsenschwäche werden oft die Zinserhöhungen in Amerika, der starke Rückgang des Ölpreises, und die unübersichtliche Situation in China genannt.

Zur Person
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    Georg Thilenius ist geschäftsführender Gesellschafter der bankunabhängigen Vermögensverwal-tungsgesellschaft Dr. Thilenius Management GmbH in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der BaFin.
Zinserhöhungen in den USA müssen nicht das Ende einer Aufwärtsbewegung an der Börse bedeuten. Im Zinserhöhungszyklus von 2004 sind die kurzfristigen Zinsen über anderthalb Jahre von 1 Prozent bis auf 4,25 Prozent gestiegen. Der S&P 500 Index hat in dieser Zeit um etwa 15 Prozent zugelegt.

Im Zyklus von 1994 sind die Zinsen über ein Jahr von 3 Prozent auf 6 Prozent gestiegen. 1994 stagnierte der Markt per Saldo und legte 1995 trotz der hohen Zinsen um fast 30 Prozent zu. Die Erhöhung der kurzfristigen Zinsen schadet den Aktienmärkten nicht, so lange die Erhöhungen bis in die Gegend von etwa 3 bis 4 Prozent, bei starker Wirtschaft wie 1995 noch bis 6 Prozent gehen.

Fallender Ölpreis signalisiert nicht per se eine schwache Wirtschaft

Die Schwäche des Ölpreises muss auch nicht eine schwache Weltwirtschaft signalisieren. Von 1980 ist der Ölpreis von einem Niveau bei 40 Dollar über 18 Jahre bis 1998 bis auf ein Niveau von ungefähr 10 Dollar gefallen. Trotzdem hat sich die Weltwirtschaft in dieser Zeit sehr positiv entwickelt. Die Schwäche des Ölpreises hat auch eher mit den kurzfristigen Einflüssen der Überproduktion am Ölmarkt, vor allem in den USA, und dem erwarteten Eintritt des Iran in den Ölmarkt zu tun. Die uns vorliegenden Importdaten des größten Ölimporteurs China zeigen jedoch eine konstante und langsam ansteigende Entwicklung der Ölimporte des Landes, obwohl sich die Wirtschaft dort abschwächt.

Der niedrige Ölpreis wird auf die Dauer der Zeit für die Verbrauchsländer günstig sein und mehr Wachstum anregen. Dies sehen wir jedoch jetzt noch nicht. Die meisten Volkswirtschaften rings um die Welt entwickeln sich auch im Jahr 2016 positiv. Anders als in den Jahren 2001 und 2008 sehen wir nirgends die Exzesse, die typischerweise das Risiko einer Rezession anzeigen. Rezessionen hat es auch auf Grund niedriger Öl- und Rohstoffpreise nie gegeben. Normalerweise ist es genau anders herum. Die meisten Konsumenten und Produzenten rings um die Welt profitieren von niederen Öl- und anderen Rohstoffpreisen.

Wir müssen auch keine Finanzkrise fürchten

Anders als 2008 müssen wir auch keiner Finanzkrise ins Auge sehen. Das Bankensystem hat Risiken aus möglichen Schieflagen von Ölproduzenten und durch den Rückgang des Wachstums in China, aber nicht annähernd in den Größenordnungen, die wir im Jahr 2008 im amerikanischen Hypothekenmarkt und bei den Banken in Europa gesehen haben.

Der Nebel über der jetzigen Börsenlage wird sich in einigen Wochen verzogen haben. Bis dahin kann immer noch Angst hinsichtlich verschiedener negativer Entwicklungen über den Märkten liegen. Insbesondere der Rückgang des Wirtschaftswachstums in China lässt sich bisher kaum in Zahlen fassen. Bislang haben jedoch die chinesischen Kommunisten mit ihrer Ein-Parteienherrschaft die wirtschaftlichen Herausforderungen der verschiedenen Krisen der vergangenen 15 Jahre erstaunlich gut gemeistert.

Anleger sind daher nach unserer Meinung am besten beraten, bestehende Positionen in Qualitätstiteln zu halten und die Schwankungen der nächsten Zeit auszusitzen.

Zur Zeit sieht es so aus, dass die Kurse sowohl in Europa als in den USA auf dem Niveau der Tiefpunkte des letzten August und Oktober einen Halt finden und damit einen tragfähigen Boden bilden, von dem aus dann nach klarer Sicht auf die Lage in China ein neuer Anstieg beginnen kann. Wer zurzeit liquide ist, sollte nicht versuchen den tiefsten Punkt für neue Engagements zu finden, sondern lieber abwarten bis sich ein neuer tragfähiger Aufschwung entwickelt hat.

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