Sonntag, 24. Juli 2016

Nach Kursstürzen China entlässt obersten Börsenaufseher

Erfinder des Stopp-Mechanismus: Der oberste Börsenaufseher Xiao Gang muss gehen

Die Turbulenzen an den Aktienmärkten kosten den Chef der chinesischen Börsenaufsicht den Job. Xiao Gang, der als Erfinder des Stopp-Mechanismus gilt, konnte die jüngsten Kursstürze nicht stoppen - und wurde entlassen.

China hat den Chef der Börsenaufsicht, Xiao Gang, entlassen. Der frühere Verwaltungsratsvorsitzende der Agricultural Bank of China und Vize-Gouverneur der Notenbank, Liu Shiyu, werde Nachfolger von Xiao an der Spitze der China Securities Regulatory Commission (CSRC), teilte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag mit.

Der 57-jährige Xiao gilt als Erfinder des Stopp-Mechanismus, bei dem der Börsenhandel nach größeren Verlusten eingestellt wird. Dieses System war erst zu Jahresbeginn in der Volksrepublik eingeführt, aber wegen massiver Turbulenzen schon am 7. Januar wieder beendet worden. Kritikern zufolge hat dieser Mechanismus zur Panik an den Märkten beigetragen.

Xiao leitete die Börsenaufsicht seit März 2013 und war zunächst dafür gelobt worden, dass er Geld aus dem überhitzten Immobilienmarkt in Aktien gelenkt hatte. Zudem war er massiv gegen Insiderhandel vorgegangen.

Allerdings konnte Xiao nicht verhindern, dass im Sommer 2015 binnen wenigen Monaten die Aktienkurse um 40 Prozent einbrachen und weltweit Sorgen um die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft auslösten. Im Januar spitzte sich die Lage durch den Stopp-Mechanismus zu. Dabei wurde der Handel an der gesamten Börse ausgesetzt, wenn bestimmte Limits unterschritten wurden. Xiao hatte nach der Abschaffung des Systems schon im Januar seinen Rücktritt angeboten.

Liu Shiyu, Vize-Gouverneur der Notenbank wird neuer Chef der Börsenaufsicht
Investoren und Analysten gehen davon aus, dass sein 54-jähriger Nachfolger Liu, ein gelernter Volkswirt, eine neue Herangehensweise an den Tag legt. Allerdings wird es Branchenbeobachtern zufolge wohl mindestens sechs Monate dauern, bis er eingearbeitet ist.

Die Personalie steht im Einklang mit den jüngsten Zusicherungen von Spitzenpolitikern, die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Handelsminister Gao Hucheng sagte am Freitag, er sei zuversichtlich, dass sich im laufenden Jahr die Lage verbessere. Die Wirtschaftsleistung in der Volksrepublik war 2015 um 6,9 Prozent gewachsen - so wenig wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr.

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