Donnerstag, 16. August 2018

Krypto-Crash geht weiter Bitcoin stürzt unter 6000 Dollar

Bitcoin: Kurssturz Richtung 7000 US-Dollar

Die Spekulationsblase beim Bitcoin und anderen Krypto-Währungen ist offenbar geplatzt, die Kurse befinden sich im freien Fall. Fans können nur hoffen, dass es sich um eine gesunde Marktbereinigung handelt.

Anleger bringen Gewinne in Sicherheit: Nicht nur an den weltweiten Aktienbörsen, sondern auch bei den Kryptowährungen setzt sich der Abverkauf fort. Die Krypto-Leitwährung Bitcoin gab am Dienstag um weitere 12 Prozent nach und fiel erstmals seit November wieder zeitweise unter die Marke von 6000 US-Dollar. Seit Dezember hat Bitcoin mehr als 70 Prozent an Wert verloren, und auch andere Digitalwährungen wir Ripple oder Ether stehen seit Tagen unter einem erheblichen Verkaufsdruck.

Im Tief wurden bei Bitcoin auf Bitstamp 5920 Dollar erreicht. Verglichen mit Montag ergibt sich ein Kursrückgang von rund 15 Prozent.

Andere Digitalwährungen wie Ether, Ripple oder Litecoin gaben ebenfalls im zweistelligen Prozentbereich nach. Von dem rasanten Kursanstieg, den viele der aktuell rund 1500 Kryptowährungen 2017 vollzogen hatten, ist mittlerweile ein großer Teil ausradiert.

Raus oder rein: Die Psychologie der Bitcoin-Bullen

Der Bitcoin Börsen-Chart zeigen hatte erst Mitte Dezember ein Rekordhoch von fast 20 000 Dollar erreicht. Seither jedoch ging es fast durchgängig bergab.

Auslöser des Kurssturzes sind zum einen bei den Digitalwährungen selbst zu finden. Dazu gehören vor allem zunehmende Regulierungsbestrebungen des bisher unregulierten Handels mit Kryptowährungen und immer wieder Hackerangriffe auf größere Handelsbörsen. Verstärkt wird die schlechte Stimmung durch die aktuell starken Kursrückgänge an den internationalen Aktienmärkten. Riskante Anlagen, zu denen auch virtuelle Devisen gezählt werden, werden dadurch belastet.

Die Meinungen zu Digitalwährungen gehen grundsätzlich stark auseinander: Befürworter preisen den technischen Fortschritt und schätzen die Unabhängigkeit von staatlicher Kontrolle. Kritiker monieren, bei Bitcoin und anderen Kryptowährungen handele es sich nicht um Währungen im klassischen Sinne, weil zentrale Eigenschaften wie Wertstabilität fehlten. Außerdem wird die hohe Missbrauchsgefahr aufgrund der Anonymität des Zahlungsprozesses moniert

Zwar gab es in der Zwischenzeit verschiedene positive Nachrichten, die dem Bitcoin Auftrieb verliehen, wie etwa die Entscheidung einiger Terminbörsen in den USA vom Spätherbst 2017, Future-Kontrakte auf die Digitalwährung ins Programm zu nehmen und sie damit ein Stück weiter in Richtung des etablierten Finanzmarktes zu rücken. Insgesamt zeigt der Kursverlauf des Bitcoin im vergangenen Jahr jedoch jene unverwechselbare Charakteristik, die mit vernünftigen Investmentargumenten kaum zu erklären ist: Es handelt sich vielmehr, wie Buffett und andere schon früher erkannt hatten, augenscheinlich um eine Spekulationsblase.

Und wie bei jeder Spekulationsblase, so muss auch bei dieser irgendwann die Luft entweichen. Das ist gegenwärtig offensichtlich bereits zu beobachten: Vom Hoch im Dezember ist der Bitcoin Börsen-Chart zeigen bereits bis Mitte Januar um etwa 50 Prozent abgestürzt. Inzwischen hat sich das Minus auf 60 Prozent ausgeweitet, und ein Ende des Kurssturzes ist kaum in Sicht.

Das bestätigt beispielsweise eine Analyse der Privatbank Donner & Reuschel. Wie die Bank in einer Einschätzung zum Bitcoin-Kurs feststellt, hat sich ein deutlicher Abwärtskanal gebildet. Auch zaghafte Erholungsversuche zu Jahresanfang hätten daran nichts geändert. Im Gegenteil: Dadurch wurde der Abwärtsdruck aus Sicht der technischen Analysten von Donner & Reuschel sogar noch verstärkt.

Das heißt: Wer etwa zum Zeitpunkt der Warnung von Starinvestor Buffett im Oktober 2017 Bitcoins gekauft hat, liegt damit aktuell zwar immer noch etwa 40 Prozent im Plus. Schließlich notiert die nach Marktkapitalisierung bedeutendste Krypto-Währung derzeit noch bei etwa 8000 Dollar. Lange kann sich ein solcher Investor über seinen Depot-Gewinn aber vermutlich nicht mehr freuen.

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Ohnehin lässt sich nur schwer feststellen, wo genau der Bitcoin gerade steht, so schnell geht es gegenwärtig abwärts. Und damit ist die Haupt-Cyber-Währung nicht allein: Wie etwa die Übersicht der Plattform Coinmarketcap.com zeigt, hat der Ausverkauf inzwischen nahezu alle wichtigen Krypto-Gelder erfasst. Neben Bitcoin haben sich beispielsweise auch Ripple, Litecoin und andere weit von ihren Höchstständen entfernt, Tendenz: weiter fallend.

Razzia in Japan

Wie beim Anstieg der Kurse im vergangenen Jahr gilt dabei auch bei deren Abrutschen: Mit vernünftigen Gründen lässt sich die Entwicklung bestenfalls zum Teil erklären. Das soziale Netzwerk Facebook Börsen-Chart zeigen etwa hat in dieser Woche ein Verbot von Werbung für Krypto-Währungen auf seinen Seiten bekannt gemacht. Diese Einschränkung kann zwar für Druck auf die Kurse sorgen. Verluste im satten zweistelligen Prozentbereich, wie sie etwa am Freitag beinahe flächendeckend zu beobachten sind, lassen sich damit aber kaum begründen.

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Vielmehr lässt sich festhalten: Zuerst sind die Kurse monatelang rasant gestiegen, ohne dass dafür eine andere Begründung zu finden war als eben die reine Spekulation der Käufer auf weiter steigende Kurse. Und nun fallen die Kurse, ohne dass das Tempo des Crashs sowie das Ausmaß der Verluste anders begründet werden könnte, als mit der Tatsache, dass die vorherige Spekulation nun offenbar beendet ist.

Begleitet werden die flächendeckenden Kursverluste indes von verschiedenen Skandalen, Hackerangriffen und Betrugsfällen am Krypto-Markt sowie dem zunehmenden Bemühen von Aufsichtsbehörden und Regulierern in aller Welt, dagegen vorzugehen. Am Freitag beispielsweise gab es nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg eine Razzia in den Räumlichkeiten der japanischen Handelsplattform Coincheck. Hacker hatten die Plattform erst vor einigen Tagen angegriffen und Coins der Cyber-Währung Nem im Wert von 534 Millionen Dollar erbeutet. Die Behörden wollten nun die Sicherheit der Coincheck-User sicherstellen, erläuterte laut Bloomberg Japans Finanzminister Taro Aso anlässlich der Razzia.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Letzteres dürfte unter den Fans der Krypto-Währungen die Hoffnung nähren, dass es sich bei den gegenwärtigen Turbulenzen um eine gesunde Marktbereinigung handelt, nach der es mit den Kursen möglicherweise wieder aufwärts gehen kann.

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Sollte es tatsächlich so kommen, dann sollte es für Kursanstiege künftig allerdings im Idealfall Ursachen geben, die nichts mit Spekulation und Zockerei zu tun haben. In dem Fall könnten sich die Preise der Krypto-Währungen in Zukunft auch weniger volatil entwickeln - und es käme nicht erneut zu einer derartigen Überhitzung des Marktes.

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