07.12.2017

Brite warf Bitcoin-Festplatte auf den Müll

Lohnt es sich, für 120 Millionen Dollar eine Mülldeponie umzugraben?

Von

Getty Images

Und weg: Der Brite James Howells warf eine Festplatte mit 7500 Bitcoins in den Müll. Nun will er die örtliche Deponie umgraben lassen - immerhin geht es um einen Schatz im Wert von knapp 100 Millionen Dollar

AP

"Es wäre vielleicht unklug, virtuelle Währungen abzutun. In mancher Hinsicht könnten sie existierenden Währungen und der Geldpolitik den Garaus machen. Bürger könnten sie eines Tages vorziehen, weil sie besonders in entlegenen Gegenden leichter und sicherer zu bekommen wären als Bargeld."

Christine Lagarde, Generalsekretärin des Internationalen Währungsfonds, im Oktober 2017 - als eine der wenigen positiven Stimmen zu Bitcoin in der Finanzwelt

"Mir ist Bitcoin im Moment zu teuer."

Christine Lagarde, im Oktober 2017

REUTERS

"Es ist eine Blase, gar keine Frage... es ist ein Prachtexemplar einer Blase. Als Währung wäre es eine Rückkehr ins dunkle Zeitalter."

Robert Shiller, Ökonom und Experte für Finanzblasen, Januar 2014

"Ich bin nicht so negativ eingestellt, wie es scheint. Wie jede Blase, wird diese von einer Story angetrieben. Wir haben eine neue Form von Geld, was extrem revolutionär klingt, mit einer sehr cleveren Nutzung von Kryptographie, die zu verstehen man den ganzen Nachmittag brauchen kann. Das treibt den Markt, keine Fundamentaldaten. Fundamental ist das keine wichtige Sache, dieses Bitcoin."

Robert Shiller, 6. September 2017

AFP

"Bitcoin ist Betrug. Es ist nicht echt. Schlimmer als Tulpenzwiebeln." (die Spekulation im Holland des 17. Jahrhunderts) "Wer mit Bitcoin handelt, den schmeiße ich binnen Sekunden raus."

Jamie Dimon, Chef von JPMorgan Chase, 12. September 2017

"Ich würde das nicht oben auf die Liste der wichtigen Dingen in der Welt setzen. Aber ich werde nicht mehr über Bitcoin sprechen."

Jamie Dimon, 12. Oktober 2017

"Wenn Sie verrückt genug sind es zu kaufen, werden Sie dafür einiges Tages den Preis bezahlen. Der einzige Wert von Bitcoin ist, was jemand anderes dafür zu zahlen bereit ist."

Jamie Dimon, 13. Oktober 2017

AP/dpa

"Bitcoins sind doch überhaupt keine Alternative zu unserem Geld. Sie sind als Zahlungsmittel ein absolutes Nischenprodukt. Versuchen Sie einmal, ihren Samstagseinkauf mit Bitcoins zu bezahlen."

Bundesbankpräsident Jens Weidmann, Dezember 2013

AFP

"Die Leute unterschätzen Bitcoin etwas. Es ist eine Reservewährung wie Gold, einfach ein Wertaufbewahrungsmittel. Man braucht es nicht für Zahlungen zu benutzen. Wenn Bitcoin zur Cyber-Variante von Gold wird, hat es noch großes Potenzial. Es ist sogar noch schwieriger zu schürfen als Gold."

Peter Thiel, Silicon-Valley-Investor, 26. Oktober 2017

AP

"Bitcoin wirft zwei verschiedene Fragen auf: Ist es tragfähig? Und wenn ja, trägt es zum Gemeinwohl bei? Meine Antworten sind: wahrscheinlich nein, und definitiv nein. Bitcoin mag der Traum von Libertären sein, ist aber eine ernste Sorge für jeden, der öffentliche Politik als notwendige Ergänzung zur Marktwirtschaft sieht. Es wird zu oft für Steuerflucht und Geldwäsche genutzt. Und wie könnten Zentralbanken antizyklische Geldpolitik in einer Welt privater Kryptowährungen betreiben?"

Jean Tirole, Ökonom, 30. November 2017

AFP

"Ich liebe es, wie neue Technologie unser Leben einfacher macht. Bitcoin vereint meine Fans rund um die Welt, indem sie nur eine Währung benutzen."

Ex-Spice-Girl Mel B, angeblich die erste Musikerin, die Bitcoin akzeptierte, Dezember 2013

REUTERS

"Bitcoin zeigt nur, wie viel Nachfrage nach Geldwäsche es in der Welt gibt. Das ist alles."

Larry Fink, Chef der weltgrößten Vermögensverwaltung Blackrock, 13. Oktober 2017

REUTERS

"Es wird nützlich für legale und illegale Transaktionen. Man braucht eine Brücke von legal zu illegal. Manche Dinge sollten vielleicht nicht illegal sein."

Elon Musk, Tesla-Chef, Oktober 2014

"Stimmt nicht." (zu Gerüchten, er sei Bitcoin-Schöpfer Satoshi Nakamoto) "Ein Freund hat mir vor Jahren mal den Bruchteil eines Bitcoins gesendet, aber ich weiß nicht, wo der ist."

Elon Musk, 28. November 2017

AP

"Bitcoin sollte verboten werden. Es dient keinem nützlichen gesellschaftlichen Zweck."

Joseph Stiglitz, Ökonom, 29. November 2017

DPA

"Bitcoin ist böse."

Paul Krugman, Ökonom, Dezember 2013

AP

"Das große Ding an Bitcoin ist: Wenn wir uns gegenseitig anonym überwachen können, brauchen wir uns nicht über Big Brother zu sorgen. Dieselbe Infrastruktur, die Bitcoin geschaffen hat, könnte zum Wohl der Massen in der Sicherheitsindustrie genutzt werden."

Ashton Kutcher, Schauspieler, Mai 2013

Fahad Shadeed / REUTERS

"Es macht einfach keinen Sinn. Dieses Ding ist nicht reguliert, nicht unter Kontrolle, nicht unter Aufsicht irgendeiner Zentralbank. Ich glaube einfach nicht an dieses Bitcoin-Ding. Es wird eines Tages implodieren. Hier wird ein neues Enron gemacht." (der große Bilanzskandal des Jahres 2001)

Alwaleed bin Talal, saudi-arabischer Prinz und Eigentümer der Kingdom Holding, 23. Oktober 2017 (vor seinem Arrest)

REUTERS

"Kryptowährungen spielen heute keine Rolle. Sie sind einfach ncht groß genug."

Jerome Powell, designiert als nächster Präsident der US-Zentralbank Federal Reserve, 28. November 2017

REUTERS

"Ich rede nicht über Bitcoin oder eine Cyber-Währung, aber die Technologie dahinter kann Vertrauen und Effizienz in den Austausch von allem möglichen bringen. Die Blockchain wird für Transaktionen tun, was das Internet für Informationen getan hat."

IBM-Chefin Ginny Rometty, Juni 2017

DPA

"Man kann Bitcoin nicht bewerten, weil es keinen Wert produziert."

Warren Buffett, Investor, 29. Oktober 2017

AFP

"Bei allem Neuen haben die Leute große Erwartungen und auch große Unsicherheit. Aktuell denken wir, was Bitcoin und Kryptowährungen angeht, ist die Technologie noch nicht reif genug für unsere Beachtung."

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, 15. Oktober 2017

REUTERS

"Meiden Sie Bitcoin wie die Pest. Habe ich mich klar ausgedrückt? Anleihen haben einen Zinskupon, Aktien haben Gewinne und Dividenden, Gold hat nichts. Es gibt nichts, was Bitcoin stützt, außer die Hoffnung, dass sie es an jemanden für mehr verkaufen können, als Sie dafür gezahlt haben. Verrückt. Bitcoin kann noch auf 20.000 Dollar steigen, aber das würde nicht beweisen, dass ich falsch liege."

John Bogle, Gründer der Fondsgesellschaft Vanguard, 28. November 2017

Je stärker der Bitcoin-Kurs steigt, desto schmerzlicher wird der Verlust für den Waliser James Howells. Der 32-Jährige Informatiker gehörte nach einem Bericht des britischen "Daily Telegraph" zu den Bitcoin-Minern der ersten Stunde: Das bedeutet, er stellte im Jahr 2009 der Blockchain die Rechenleistung seines Computers zur Verfügung, damit diese ihre komplexen Rechenoperationen über das dezentrale Netzwerk vorantreiben konnte.

Zur Belohnung dafür gab es Bitcoins: Sie landeten auf der Festplatte von Howells Laptop der Marke Dell.

Insgesamt erstellte Howells mit seiner privaten Rechenpower 50 "Blöcke" für die Blockchain. Dafür bekam er insgesamt 7500 Bitcoins in der digitalen "Wallet" auf seiner Festplatte gutgeschrieben. Der Gewinn war damals übersichtlich, da ein Bitcoin damals nur wenige Cent wert war.

Hätte Howells gewusst, wie sich der Kurs der Kryptowährung entwickeln sollte, er hätte besser auf seine Festplatte achtgegeben.

AFP

Michael Poutre

Er war kurzzeitig reicher als Steven Spielberg: Michael Poutre wurde dank Bitcoin mit seiner unbekannten Firma zum Milliardär – zumindest auf dem Papier. Sein Vermögen betrug auf dem Höhepunkt 3,9 Milliarden Dollar und übertraf damit laut Forbes-Ranking das des Regisseurs und Produzenten. Poutre hält zwanzig Prozent an der Krypto-Beratungsfirma Crypto Co., deren Chef er gleichzeitig ist.

Das Unternehmen bietet technische Hilfsmittel und Beratung in den Feldern Blockchain-Technologie und Digitalwährungen. Im Zuge des Bitcoin-Booms gehört Crypto Co. zu den großen Gewinnern, weil Investoren nach allem zu greifen scheinen, das mit der Digitalwährung in Verbindung steht.

Die Marktbewertung des Startups schoss Mitte Dezember 2017 auf einen Höhepunkt von 12,6 Milliarden Dollar. Später gab der Kurs zwar wieder nach, aber der kurzzeitige Boom machte die erst 2017 gegründete Crypto Co. aus Malibu auf einen Schlag bekannt.

DPA; youtube/BBC

Satoshi Nakamoto/Craig Steven Wright

Satoshi Nakamoto gilt als Erfinder des Bitcoin. Allerdings weiß bisher niemand, wer sich hinter diesem Pseudonym verbirgt. Der Australische Informatiker Craig Steven Wright gab sich im Mai 2016 als Nakamoto zu erkennen, allerdings zweifeln viele Bitcoin-Experten dies an.

Das Bitcoin-System wurde erstmals 2008 in einem Dokument beschrieben. Der Bitcoin ist seit dem 3. Januar 2009 als erste Digitalwährung im Umlauf. Insgesamt lassen sich 21 Millionen Bitcoins erstellen, dann ist Schluss. Mit dieser Maßnahme soll die Währung vor Inflation geschützt werden. Experten schätzen, dass dieser Zeitpunkt um das Jahr 2030 erreicht wird.

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Vitalik Buterin

Der gebürtige Russe Vitalik Buterin ist mit seinen Eltern im Jahr 2000 nach Kanada ausgewandert. Damals war er sechs Jahre alt. 2012 gründete er gemeinsam mit Mihai Alisie das "Bitcoin-Magazine". Später verließe er die Universität, um an Kryptowährungen zu arbeiten.

Mit 19 Jahren entwickelte Buterin die Code-Plattform Ethereum und die zugehörige Digitalwährung Ether. Etherum ist laut dem Branchendienst Coinmarketcap.com nach Bitcoin die zweitwertvollste Kryptowährung.

REUTERS

Tyler (l.) und Cameron Winklevoss

Ja, die Winklevoss-Zwillinge von Facebook: Sie hatten Gründer Mark Zuckerberg wegen Ideenklaus verklagt. In einem Vergleich erstritten sie 20 Millionen Dollar und Aktienanteile an dem sozialen Netzwerk im damaligen Wert von 45 Millionen Dollar. Tyler und Cameron Winklevoss haben eigenen Angaben zufolge 2012 das erste Mal von der Digitalwährung gehört und sich an der Bitcoin-Börse Bitinstant beteiligt, die 2013 geschlossen wurde. Ein Jahr später hätten sie bereits 120.000 Bitcoins besessen und schmiedeten Pläne für eine eigene Handelsplattform.

Mit Gemini wollten sie die ersten sein, die eine Bitcoin-Börse in den USA starten, doch Coinbase kam den Zwillingen im Januar 2015 zuvor. Im Oktober desselben Jahres bekamen sie dann doch die erforderliche Genehmigung. Inzwischen expandiert Gemini auch nach Europa. Die Zwillinge wollten zudem einen Bitcoin ETF auflegen, um in die Währung investieren zu können, ohne sie zu besitzen. Bisher scheiterten sie aber an den Aufsichtsbehörden.

Die beiden sollen einem Medienbericht zufolge als erste öffentlich bekannte Investoren Anfang Dezember 2017 zu Bitcoin-Milliardären geworden sein. Demnach sollen sie 2013 rund 11 Millionen Dollar in die Währung investiert haben, die damals 120 Dollar pro Stück kostete. Anfang Dezember betrug der Kurs zeitweise 11.000 Dollar pro Bitcoin.

Bloomberg via Getty Images

Roger Ver

Der gebürtige US-Amerikaner Roger Ver ist ebenfalls ein sehr früher Investor in Bitcoin. Bereits Anfang 2011 steckte er sein Geld in die Währung. In der Folge investierte er in mehrere Bitcoin-Startups, darunter die Handelsplattformen Bitinstant, Ripple und Kraken sowie den Dienstleister Blockchain.info.

Seine eigene Firma Memorydealers, mit der Ver zum Millionär wurde, gehörte zu den ersten, die Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptierte. Das Unternehmen vertreibt Computerteile. Später gründete Ver den Bitcoin-Store, der Tausende Produkte anbot, die mit Bitcoins bezahlt werden können. Seine Lobbyarbeit für die Digitalwährung brachte Ver den Ruf eines Bitcoin-Jesus ein. Er setzte sich stark für die Bitcoin-Abspaltung Bitcoin-Cash ein.

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Charlie Shrem

Charlie Shrem gründete 2011 gemeinsam mit Gareth Nelson die Bitcoin-Börse Bitinstant. Ihnen dauerte die Transaktionszeit bei anderen Börsen zu lange und sie entwickelten ein nutzerfreundlicheres System. Im Juli 2013 wurde die Handelsplattform eingestellt. Auf dem Höhepunkt 2013 wickelte Bitinstant rund 30 Prozent aller Bitcoin-Transaktionen ab. Shrem war auch Gründungsmitglied der Bitcoin Foundation.

Shrem wurde Anfang 2014 wegen Geldwäsche im Zusammenhang mit der Darknet-Handelsplattform Silk Road verhaftet und zu zwei Jahren Haft verurteilt. Rund ein dreiviertel Jahr nach seiner Freilassung fing er im Mai 2017 als Verantwortlicher für die Geschäftsentwicklung bei Jaxx an. Das Unternehmen stellt Nutzern virtuelle Geldbörsen für Kryptowährungen zur Verfügung.

DPA

Gavin Andresen

Der Programmierer Gavin Andresen entwickelte bereits 2010 Produkte für den Bitcoin-Markt. 2011 wurde er von Satoshi Nakamoto zu seinem Nachfolger als führender Entwickler der Bitcoin Client-Software Bitcoin Core bestimmt. 2012 gründete Andresen mit Gleichgesinnten die Nonprofit-Organisation Bitcoin-Foundation, die die Entwicklung der Bitcoin-Software vorantreiben und den Einsatz der Währung fördern sollte.

Bis 2014 war Andresen als Chefentwickler tätig. Sein Nachfolger wurde Wladimir J. van der Laan. Andresen gehörte zu denjenigen, die im November 2016 Craig Steven Wright als Satoshi Nakamoto identifizierten, später distanzierte er sich aber von seinen Aussagen. Seit Mitte 2016 hat Andresen nicht mehr an Bitcoin Core gearbeitet.

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Mark Karpelès

Der französische Informatiker mit Wohnsitz in Japan übernahm 2011 mit seinem Unternehmen Tibanne rund 90 Prozent an der Bitcoin-Handelsplattform Mt. Gox von Jed McCaleb. Mark Karpelès gehört ebenfalls zu den Gründungsmitgliedern der Bitcoin-Foundation.

Karpelès stand im Mittelpunkt des bis dahin größten Bitcoin-Skandals: Mt. Gox hatte sich schnell zu einer der größten Handelsplattformen für die Digitalwährung entwickelt. Zeitweise wurde weit mehr als die Hälfte des weltweiten Handelsvolumens über Mt. Gox abgewickelt. Im Sommer 2011 konnten Hacker aufgrund einer Sicherheitslücke Bitcoins von Hunderten Nutzerkonten stehlen. Zugleich wurden 400.000 Bitcoin vermisst.

In den folgenden Jahren kam es auf Mt. Gox immer wieder zur Aussetzung des Handels und von Auszahlungen. Im Februar 2014 kam dann das Aus: Anfang des Monats wurden keine Abhebungen mehr zugelassen. Ende des Monats war die Website nicht mehr erreichbar und am 28. stellte Mt. Gox in Japan einen Antrag auf Gläubigerschutz. Das Unternehmen meldete den Verlust von 100.000 Bitcoins sowie von Kundeneinlagen in Höhe von 750.000 Bitcoins. Später reduzierte sich der Verlust auf 650.000 Bitcoins. Die japanische Polizei warf dem Unternehmen vor, dass 643.000 Bitcoins von unbekannten Insidern unterschlagen worden seien. Karpelès saß in Japan mehr als ein Jahr lang in Haft.

AFP

Bobby Lee

BTC China war die erste und zeitweise größte Bitcoin-Börse des Landes. Sie wurde 2011 gegründet und hatte ihren Sitz in Schanghai. Zeitweise war BTC China die weltweit zweitgrößte Handelsplattform für die Digitalwährung. Nachdem die chinesischen Regulierungsbehörden den Handel mit Bitcoin untersagt hatten, stellte BTC China den Handel in der Landeswährung Ende September 2017 ein.

Seitdem konzentriert sich das in BTCC umbenannte Unternehmen auf das Bitcoin-Mining und handelt Bitcoin in internationalen Währungen. BTCC hat auch die Geldbörsen-App Mobi entwickelt, die mehr als hundert Währungen unterstützt. Bobby Lee wirbt auf Vorträgen für die Akzeptanz der Digitalwährung.

imago/AFLO

Jesse Powell

Jesse Powell hat die Bitcoin-Börse Kraken 2011 gegründet und agiert als Geschäftsführer. Das Unternehmen hat seinen Sitz in San Francisco, operiert aber hauptsächlich in Europa. Kraken hat mit dem Kauf der kleineren Handelsplattform Coinsetter Anfang 2016 die bis dahin größte Übernahme in der Bitcoin-Sphäre getätigt. Es folgten Cavirtex und CleverCoin sowie der Bitcoin-Dienstleister Glidera im gleichen Jahr. Glidera ermöglicht es Webentwicklern, Bitcoin-Handel in ihre Seiten zu integrieren.

Anfang März 2017 setzte Kraken die Konsolidierung fort und übernahm die Schweizer Handelsplattform Cryptowatch. Der studierte Philosoph Powell hatte im Oktober 2001 Lewt mitgegründet. Das Unternehmen handelte mit virtuellen Waren in Computerspielen. Im Jahr 2011 sprang Powell Mt. Gox nach dem ersten Sicherheitsleck zur Seite und kam so auf die Idee, eine eigene Handelsplattform zu gründen.

youtube/Stellar.org Foundation

Jed McCaleb

Jed McCaleb ist ein Seriengründer. Er erfand 2000 mit eDonkey eines der größten Filesharing-Netze der 2000er-Jahre. Im Juli 2010 startete McCaleb die Bitcoin-Börse Mt. Gox. Im März 2011 verkaufte er Mt. Gox an Karpelès. Ihm fehle es an der Zeit für die Weiterentwicklung der Plattform, sagte er damals. Im gleichen Jahr gründete McCaleb Ripple. Ripple ist Coinmarketcap.com zufolge die nach Marktbewertung viertgrößte Digitalwährung.

Im Sommer 2013 verließ McCaleb Ripple nach Meinungsverschiedenheiten wieder. Später kam es zu einem Rechtsstreit wegen Vertragsverletzungen. Im Juli 2014 gründete der Programmierer Stellar. Das Unternehmen ermöglicht internationale Geldtransfers per Blockchain.

youtube/MPE.tv

Justyna Laskowska

Justyna Laskowska ist die Marketingverantwortliche der polnischen Bitcon-Handelsplattform BitBay. Bitbay wurde 2014 einen Monat nach dem Bankrott von Mt. Gox gegründet.

Die 1994 geborene Laskowska ist das Aushängeschild der eigenen Angaben zufolge größten Handelsplattform für Digitalwährungen in Europa. Bitbay ist Mitglied der Bitcoin Embassy in Amsterdam und damit ein wichtiger Teil der europäischen Bitcoin-Community. Auf Bitbay kann unter anderem mit Litecoin und Ethereum gehandelt werden.

Chamber of Digital Commerce

Perianne M. Boring

Perianne Boring ist die Gründerin und Leiterin des Chamber of Digital Commerce in Washington. Das Chamber of Digital Commerce wurde im Juli 2014 eröffnet, um eine Schnittstelle zwischen Politik und der wachsenden Blockchain-Industrie zu bilden. Die Interessensvertretung will die Technologie vorantreiben und die Akzeptanz von Blockchain-Anwendungen fördern.

Die in Florida aufgewachsene Boring arbeitete zuvor als Analystin und Moderatorin und betrieb den Blog "Boring Bitcoin Report". Zudem schreibt sie bei "Forbes" die Kolumne "The Beauty of the Blockchain".

AP

Blythe Masters

Die Investmentbankerin Blythe Masters war von 2004 bis 2009 Finanzchefin der Investmentsparte von JPMorgan. Dort verantwortete sie die Einführung der Credit Default Swaps, die in der Hypothekenkrise 2008 eine wichtige Rolle spielten. Später führte die 1969 in England geborene Masters die Sparte Global Commodities und war Mitglied im Vorstand.

Masters erkannte das Potenzial der Blockchain-Technologie und verließ 2014 nach 27 Jahren JPMorgan. Sie stieg als CEO beim Startup Digital Asset Holdings ein. Zu den Geldgebern gehört auch ihr ehemaliger Arbeitgeber. Digital Asset entwickelt Bankysteme auf Basis der Blockchain-Technologie. Seit 2015 ist Masters Beiratsvorsitzende des Chamber of Digital Commerce.

Zwar hatte der Brite die Festplatte zeitweise aus dem alten Laptop entfernt und in einer Schublade gebunkert, doch im Jahr 2013 landete auch die Festplatte samt Bitcoin-Wallet bei einer weiteren Hausputz-Aktion in der Tonne. Kurz darauf drehte der Bitcoin-Kurs steil nach oben: Mit jedem weiteren Jahr wurde Howells schmerzlicher bewusst, welchen Schatz er da weggeworfen hatte.

Am Donnerstag kletterte der Bitcoin-Kurs sogar über die Marke von 15.500 US-Dollar. Das bedeutet, die 7500 Bitcoins auf Howells Festplatte sind inzwischen rund 120 Millionen Dollar (rund 100 Millionen Euro) wert.

Lesen Sie auch: Die Psychologie der Bitcoin-Bullen

Inzwischen hat der verzweifelte Howells sogar die Stadtverwaltung seines Heimatortes Newport darum gebeten, die örtliche Müllkippe zu durchwühlen, auf der der Datenträger wahrscheinlich gelandet ist. Die Stadtverwaltung winkt ab: Zu aufwendig, zu geringe Chancen, die Festplatte zu finden - und wahrscheinlich sei diese inzwischen auch durch Wind, Wetter oder mechanische Einflüsse zerstört.

DPA

Lisa Su hat gut lachen: Das Geschäft des von ihr geführten Chipfabrikanten AMD boomt. Su führt die ganz realen Rekordumsätze mit Grafikprozessoren auf die obskure Welt der digitalen Kryptowährungen zurück.

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Steigende Kurse der bewusst knapp gehaltenen alternativen Geldsysteme haben einen regelrechten Goldrausch ausgelöst. Das Magazin "Quartz" berichtet von "Minern", die Jumbojets chartern, um schnell neue Prozessoren von AMD oder Nvidia mit größerer Rechenleistung zu bekommen - das bringt noch mehr Schub für die Realwirtschaft.

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Außerdem profitieren die Stromversorger vom enormen Energiebedarf der Altcoin-Gemeinde. Der Bitcoin-Reichtum entsteht in solchen Serverfarmen wie auf Island, wo Strom billig ist, inzwischen aber überwiegend in China dank staatlich subventionierter Wasser- und Kohlekraft. Die Miner "schürfen" das Geld mit den immer komplexeren Berechnungen, die alle Transaktionen in der "Blockchain" genannten Datenbank verifizieren. Der schnellere Rechner gewinnt. Die Community zieht dieses Verfahren einer Zentralbank vor.

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Bekannt wurde die Technik durch Bitcoin. Dank der per Design festgelegten Geldknappheit ist der Wert der führenden Digitalwährung (Stand 31. Juli) auf knapp 40 Milliarden Euro gestiegen - großartig für Spekulanten. Als Zahlungsmittel jedoch taugt Bitcoin kaum, Transaktionen dauern lange und sind teuer. Am 1. August startet "Bitcoin Cash" als Alternative - gerade, nachdem die infolge eines "Bitcoin-Bürgerkriegs" drohende Spaltung abgewendet wurde. Ohnehin haben sich viele Altcoin-Fans bereits anderen Modellen zugewendet.

AFP

Die größte Furore macht - obwohl offiziell noch in der Beta-Testphase - Ethereum, dessen Gesicht Vitalik Buterin heißt. Das Projekt will mit "smarten Verträgen" noch viel mehr umwälzen als nur die monetäre Wirtschaft. Ihre Währung Ether bringt es derzeit auf einen Marktwert von 15,5 Milliarden - und hat nach einer Hackerattacke 2016 bereits eine harte Spaltung hinter sich gebracht. Die Traditionalisten, die in dem Eingriff mit Regeländerung einen zentralistischen Verrat an der 2014 propagierten Idee "Vertrag ist Vertrag" sehen, setzen auf Ethereum Classic - dieser Markt bringt es noch auf 1,1 Milliarden Euro Volumen.

DPA

Ex-Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ließ sich 2014 als Berater für Regulierungsfragen von Ripple Labs anheuern. "Das traditionelle Zahlungssystem ist antiquiert, teuer und ineffizient", gab der CSU-Politiker den Geldrevolutionären seinen Segen. Ripple ist mit aktuell 5,3 Milliarden Euro die Nummer drei der digitalen Nebengeldwelten, versteht sich aber als Ergänzung und nicht als Gegenentwurf zu Bitcoin. Große Banken stehen dahinter.

Litecoin wurde bereits 2011 als Bitcoin-Alternative gegründet. Die Entwickler wollen absichern, dass auch gewöhnliche Computerbesitzer Geld schöpfen können - und dass der Code einfach genug bleibt, um schnelle Transaktionen weltweit zu ermöglichen. "Leichtes" im Gegensatz zu "hartem" Geld - das Interesse der zahlreichen Nutzer hat Vorrang gegenüber der Wertsteigerung für wenige Altcoin-Superreiche. Wirklich durchgesetzt hat sich Litecoin - auch gegenüber mehreren Nachahmern - bisher nicht, kommt aber immerhin auf 1,86 Milliarden Euro Börsenwert.

NEM bringt es auf einen Wert von 1,24 Milliarden Euro - vor allem dank der Nachfrage aus der japanischen Heimat. Das Angebot des "New Economic Movement" wurde erst 2015 gestartet. Die NEM-Macher versprechen den Nutzern, Energie und Kosten zu sparen. Geld wird hier "geerntet", nicht "geschürft". Die Validierungsmethode anstelle der komplexen Bitcoin-Blockchain nennt sich "Eigentrust". NEM belohnt Nutzer, die das Geld zirkulieren lassen, anstatt es zu horten.

Dash (derzeit 1,1 Milliarden Euro Börsenwert) bezieht seinen Namen aus der Kurzform für "digital cash", zielt aber kaum auf die Hauptrolle von Bargeld beim täglichen Einkauf. Früher war die Währung als "Darkcoin" bekannt und mit dem Darknet assoziiert, meist wechseln größere Summen den Besitzer. Hier liegt die Betonung vor allem auf der Anonymität der Nutzer, die größer sein soll als bei anderen Kryptowährungen, die auch immer wieder mit Betrugs- oder anderen Kriminalitätsfällen auf sich aufmerksam machen.
Dies sind nur die größten Kryptowährungen - gemessen am stark schwankenden Börsenwert. Nutzerzahlen lassen sich wegen der Anonymität nicht erheben, Daten über realweltlichen Austausch sind ebenso Mangelware. Für "die verrückteste Blase aller Zeiten" mit derzeit rund 100 Milliarden Euro virtuellem Wert und ständig neuen "Initial Coin Offerings" reicht es aber.

Doch Howells gibt nicht auf. Er verspricht seiner Heimatgemeinde die Hälfte seiner Bitcoins, sollte die Festplatte doch noch gemeinsam gesucht und gefunden werden. Zieht die Stadt mit, dürfte es in Kürze turbulent werden auf der örtlichen Deponie.

Und lehnt die Stadt ab, winkt dem 32-jährigen Briten zumindest ein Eintrag ins Buch der Rekorde: Als der Mann, der den teuersten Hausputz aller Zeiten vornahm.

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