Dienstag, 31. Mai 2016

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Berenberg Bank Fondskrise fordert prominentes Opfer

Prominentes Opfer: Die Hamburger Berenberg Bank liquidiert einen Fonds
Aloys Kiefer
Prominentes Opfer: Die Hamburger Berenberg Bank liquidiert einen Fonds

Seit Juli ist das Kapitalanlagegesetzbuch in Kraft, mit dem auch die Krise der offenen Immobilienfonds beendet werden sollte. Doch nun gibt es für die Branche einen Rückschlag: Die Berenberg Bank friert einen Fonds mit 152 Millionen Euro Anlegergeld ein und will ihn liquidieren.

Hamburg - Die Krise der offenen Immobilienfonds schien bereits ausgestanden - jetzt trifft sie einen weiteren Anbieter: Die Fondsgesellschaft Universal-Investment hat nach Informationen von manager magazin online beim "Berenberg-Select Income-Universal-Fonds" zum 23. Oktober 2013 die Rücknahme von Anteilen ausgesetzt. Es ist soweit bekannt der erste deutsche Fonds, der schließen muss, seit das neue Kapitalanlagegesetz in Kraft getreten ist, in dem auch neue Regeln für bestehende offene Immobilienfonds enthalten sind.

Die Inhaber der in dem Berenberg-Fonds investierten 152 Millionen Euro kommen nun vorerst nicht an ihr Geld. Die Entscheidung sei erforderlich gewesen, um die Gleichbehandlung aller Anleger sicherzustellen, heißt es in einem Schreiben von Universal-Investment an die Investoren, das manager magazin online vorliegt.

Universal-Investment tritt bei dem Fonds als Kapitalanlagegesellschaft auf. Nun hat sie die Verwaltung des Fonds zum 30. September 2014 gekündigt, "vor dem Hintergrund des fortschreitenden Abschmelzens des liquiden Teils des Fondsvermögens und des damit verbundenen signifikanten Anstiegs des Anteils an Immobilienfonds", heißt es in der Mitteilung weiter.

Die Gesellschaft habe keine Alternative zu diesem Schritt gesehen: "Die Bedienung der Rückgabeverlangen würde dazu zwingen, im aktuellen Marktumfeld Vermögensgegenstände mit nicht vertretbaren Abschlägen zu veräußern".

Fonds wird aufgelöst

Die Immobilienfonds-Krise erreicht damit Deutschlands älteste Privatbank Berenberg, die laut Fondsprospekt Asset-Management und Vertrieb des Berenberg-Select Income-Universal-Fonds verantwortet. "Im Sinne der Investoren wurde entschieden, den Select Income aufzulösen", teilte Tindaro Siragusano (38), Leiter Private Banking und Asset Management von Berenberg, mit.

Aufgrund des nachhaltig eingetrübten Zinsumfeldes und der Abwertung und Aussetzung der im Berenberg-Select enthaltenen Immobilienfonds seien die Anlageziele mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr zu gewährleisten.

Insgesamt sind 43 Prozent des Fondsvermögens in Immobilienfonds investiert. Dabei handelt es sich um fünf Fonds, die alle derzeit liquidiert werden: Axa Immoselect, Axa Immosolutions, UBS 3 Sector Real Estate, Degi German Business und Degi Global Business. 55 Prozent des Berenberg-Select-Fonds stecken in Anleihen ("Renten") und Rentenfonds, die sonstigen Vermögensgegenstände betragen 2 Prozent. Diese 57 Prozent des Fondsvolumens sollen verkauft und kurzfristig an die Anleger ausgeschüttet werden, verspricht Berenberg.

Es sei beabsichtigt, den Anlegern möglichst zügig die im Fonds vorhandene Liquidität zur Verfügung zu stellen, teilte Universal-Investment mit. Mit einer ersten Ausschüttung werde noch im 4. Quartal 2013 gerechnet.

Ende August waren vier offene Immobilienfonds eingefroren, elf weitere befanden sich in Auflösung. Im Juli trat das neue Kapitalanlagegesetzbuch in Kraft, das längere Haltefristen für die Investoren bei offenen Immobilienfonds vorsieht. Den Berenberg-Select Income-Universal-Fonds konnte die Reform jedoch nicht vor dem Einfrieren der Anlegergelder bewahren.

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