Dienstag, 31. Mai 2016

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Ex-Fed-Chef nachdenklich Bernanke: Mehr Finanzkrisen-Banker ins Gefängnis

Karriere oder K.o.: Das wurde aus den Köpfen der Finanzkrise
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REUTERS

In den Jahren um 2008 durchlebte die Weltwirtschaft ihre seit langem düstersten Stunden. Auf dem US-Immobilienmarkt war die Sub-Prime-Blase geplatzt, woraufhin sich eine weltweite Finanzkrise sowie später eine globale Rezession entwickelten.

An der Wall Street war dies die Zeit des großen Krisenmanagements: Um den ultimativen Crash zu verhindern, nahmen US-Regierung und Notenbank für Wertpapierkäufe, Konjunkturspritzen und Firmenverstaatlichungen Milliarden in die Hand. So gelang es, zahlreiche Finanzfirmen und Märkte vor dem möglichen Kollaps zu bewahren. Gleichzeitig kosteten die Turbulenzen jedoch viele Menschen in den USA und anderswo ihren Job und ihren Wohlstand.

An vorderster Front mit dabei war seinerzeit Ben Bernanke, von 2006 bis 2014 Chef der US-Notenbank Fed. Bernanke hat die aktive Geldpolitik inzwischen seit mehr als anderthalb Jahren hinter sich gelassen. Das Thema Finanzkrise beschäftigt ihn aber nach wie vor, wie seine Memoiren zeigen, die er in Kürze veröffentlichen wird ("The Courage to Act: A Memoir of a Crisis and Its Aftermath.").

Im Vorfeld der Veröffentlichung sprach Bernanke bereits mit der US-Zeitung "USA Today" über sein Buch und die Zeit, die darin beschrieben ist. Dabei findet er zum Teil überraschend offene Worte.

Insbesondere geht es um eine Frage, die in den USA seit Jahren heiß diskutiert wird: Hätten nicht mehr Banker persönlich zur Verantwortung gezogen werden müssen für das Unheil, das sie über die Welt gebracht haben?

"Warum kam niemand ins Gefängnis", so die wörtliche Frage von USA Today. "Hätte jemand ins Gefängnis gehen müssen?"

Darauf Bernanke: "Ja, ich denke schon."

Es sei nicht die Aufgabe der Fed gewesen, Leute einzusperren, erläutert er. Dafür sei das US-Justizministerium zuständig gewesen. Zwar seien hier und da einzelne Leute bestraft worden. Im Großen und Ganzen seien nach der Krise aber vor allem Finanzfirmen sanktioniert worden.

"Ein Finanzunternehmen ist selbstverständlich nur eine juristische Person", so Bernanke. "Es ist kein Mensch. Sie können ein Finanzunternehmen nicht ins Gefängnis stecken."

Er hätte es begrüßt, so der Ex-Notenbanker, wenn mehr Aktivitäten von Individuen untersucht worden wären. "Denn alles, was falsch gelaufen ist oder sogar illegal war, war letztlich das Werk von Individuen, nicht von abstrakten Firmen." Insofern hätte es mehr individuelle Verantwortung geben müssen.

Die Folge ist, dass sich ohne ausreichende Bestrafung nach wie vor niemand persönlich verantwortlich fühlt, so Bernanke. So könnten die gleichen Personen einfach weiter machen und das System in Richtung der nächsten Krise steuern.

Karriere oder K.o.: Das wurde aus den Köpfen der großen Finanzkrise von 2008


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