Mittwoch, 24. Oktober 2018

Staatsfonds aus Singapur investiert Milliarden Bayer besorgt sich frisches Kapital für Monsanto - und Temasek greift zu

Bayer: Übernahme von Monsanto rückt näher

Der Pharma und Agrarchemiekonzern Bayer Börsen-Chart zeigen besorgt sich für die Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto frisches Kapital. Bereits vor der ursprünglich anvisierten Kapitalerhöhung gibt Bayer 31 Millionen neue Aktien aus, die Singapurs Staatsfonds Temasek zeichnet, wie der Leverkusener Konzern am Montagabend mitteilte. Bayer fließt so ein Bruttoemissionserlös von 3 Milliarden Euro zu. Die Bayer-Aktie gewann am Dienstagvormittag mehr als 2 Prozent.

Durch die Transaktion erhöht sich der Anteil des Staatsfonds um 3,6 Prozentpunkte auf 4 Prozent. Damit gehört Temasek künftig zu den größeren Aktionären Bayers. Deren Anteile sind breit gestreut. Ein weiterer Großaktionär ist die US-Investmentgesellschaft Blackrock, die insgesamt auf gut 7 Prozent kommt.

Um die Monsanto-Übernahme zu stemmen, hatte Bayer eine Kapitalerhöhung angekündigt. Die Erlöse der aktuellen Platzierung würden bei der Festlegung des Umfangs der geplanten Kapitalerhöhung berücksichtigt, hieß es dazu von Bayer. Noch gibt es allerdings keinen Beschluss über den Zeitpunkt und die Höhe.

Übernahme von Monsanto steht kurz bevor

Zuletzt hatten Analysten damit gerechnet, dass der Kapitalbedarf des Dax-Konzerns geringer sein dürfte als ursprünglich geplant. Ein Grund ist, dass Bayer mehr Geschäftsteile verkauft, um die Kartellwächter milde zu stimmen, als anfangs geplant.

Analyst Markus Mayer von Baader Helvea erwartet nach der Temasek-Transaktion noch eine Erhöhung des Kapitals im Umfang von 4 bis 5 Milliarden US-Dollar. Er sieht zudem das Risiko eines hohen Preisabschlags für die dann noch neu auszugebenden Aktien für geringer an als vorher.

Händler sehen in dem Schritt auch ein positives Signal dafür, dass der Monsanto-Kauf bald über die Bühne gehen dürfte. Der letzte große Stolperstein ist die Zustimmung der US-Wettbewerbsbehörden. Hier hatte es zuletzt positive Signale gegeben. Commerzbank-Analyst Daniel Wendorff wundert sich hingegen in einer am Dienstag vorliegenden Studie über den Zeitpunkt der Transaktion. Denn die Kapitalerhöhung zur Finanzierung der Monsanto-Übernahme dürfte eigentlich unmittelbar bevorstehen. Bei Bayer sei man wohl etwas unsicher wegen des hohen Volumens.

Bayer will den Kauf der Amerikaner für mehr als 60 Milliarden Dollar (rund 49 Mrd Euro) im laufenden Quartal abschließen. Dem "Wall Street Journal" zufolge wollen die US-Kartellwächter dem Deal nach anfänglichem Zögern doch noch zustimmen. Beide Unternehmen hätten zuvor dem Verkauf zusätzlicher Vermögenswerte zugestimmt. Dabei gehe es um weitere Bayer-Aktivitäten bei Saatgut und Saatgutbehandlung sowie im Bereich der digitalen Landwirtschaft. Käufer dürfte der deutsche Konkurrent BASF sein.

Nach dem grünen Licht der Kartellwächter aus Brasilien, China und der EU gilt die Zustimmung der USA als eine der letzten großen Hürden für den Milliardendeal. Bayer bräuchte zwar immer noch die Zustimmung Russlands, Kanadas und Mexikos, das dürfte nach positiven Entscheidungen der EU und der USA aber kein großes Thema sein, sagte Analyst Jeremy Redenius von Bernstein Research. So werde Russlands Ja noch im April erwartet.

la/dpa/reuters

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