Montag, 26. September 2016

Bank-Run in Bulgarien Zittern unter deutschen Sparern

Das Logo der bulgarischen First Investment Bank am Freitag in Sofia.

Run auf die bulgarische Fibank: Binnen Stunden haben Kunden mehr als 500 Millionen Euro abgezogen. Alles ganz weit weg? Nein: Das Institut hat in den vergangenen Monaten auch in Deutschland viele Sparer gewonnen.

2,5 Prozent Zinsen auf einjähriges Festgeld, 3,3 Prozent Zinsen für dreijährige Anlagen: Auf der Homepage der Berliner Vertriebsfirma Weltsparen.de wirbt die bulgarische Fibank am frühen Freitagabend unverdrossen um deutsches Sparergeld. Unter der Hotline allerdings ist um 17.20 Uhr niemand mehr zu erreichen. Die ist, so erfährt der Kunde, seit 16.30 Uhr nicht mehr besetzt. Den Chef erreicht man unterdessen zwar auf seinem Handy. Fragen allerdings will er erst am Samstag beantworten.

Und Fragen gibt es viele. Die wichtigste: Was passiert jetzt mit den Hunderten, wenn nicht Tausenden deutschen Kunden, die in den vergangenen Monaten via Weltsparen.de ihr Geld zur bulgarischen Fibank getragen haben? Denn: Bei dem bulgarischen Institut hat offenbar ein Bank-Run eingesetzt. Der Nachrichtenagentur "Reuters" zufolge haben Anleger binnen Stunden rund 800 Millionen Lew abgezogen, umgerechnet gut 550 Millionen Euro. Die Zentralbank selbst spricht von einer "kriminell organisierten Attacke". Aus "logistischen Gründen" würden die Zweigstellen bis Montag geschlossen. Trotzdem, so ein Sprecher der Fibank laut "Reuters", würde das Internetbanking und die Bankautomaten weiterhin funktionieren.

Darüber hinaus ist die Nachrichtenlage dürr. Was ist mit der "kriminell organisierten Attacke" gemeint? Und stecken wirklich Verbrecher hinter dem besorgniserregenden Geldabfluss? Oder wird der bulgarische Bankensektor gerade von einer Panik erfasst? Zur Stunde ist das schwer zu sagen.

Fest steht: Anleger begegnen den - per se gut kapitalisierten - bulgarischen Geldinstitute seit Tagen mit Misstrauen. Vergangenen Freitag erst sorgte die Schieflage der Corpbank aus Sofia für Schlagzeilen. Nachdem Sparer teilweise panisch ihr Geld abhoben, kündigte die Regierung in dieser Woche die Rettung des Instituts an. Trotzdem griff die Verunsicherung offenbar auf weitere Geldhäuser über - darunter die Fibank. Am Donnerstag krachten die Aktien des börsennotierten Instituts um 18 Prozent ein.

Deutsche Sparer können für den Moment wohl kaum mehr tun als abzuwarten - und hoffen, dass sich die Lage über das Wochenende wieder beruhigt. Wichtig: Die Fibank ist als bulgarisches Geldinstitut Teil der mittlerweile harmonisierten europäischen Einlagensicherung - anders als das 2008 bei der isländischen Kaupthing-Bank der Fall war. Einlagen bis 100 000 Euro gelten damit als geschützt. Die gesetzliche bulgarische Einlagensicherung müsste die deutschen Sparer im Pleitefall entschädigen, genauso wie die einheimischen Kunden.

Tatsächlich ist der bulgarische Schutztopf mit vergleichsweise viel Geld ausgestattet: Per Februar dieses Jahres waren es, so heißt es bei weltsparen.de unter Berufung auf die bulgarische Zentralbank, umgerechnet rund 940 Millionen Euro. Zum Vergleich: Ende 2012 lagen in der gesetzlichen deutschen Einlagensicherung laut Bundesfinanzministerium gerade mal 843 Millionen Euro - und das, obwohl Deutschlands Banken über rund 100-mal so hohe Spareinlagen verfügen wie der bulgarische Finanzsektor: Rund 2000 Milliarden Euro, in Bulgarien umgerechnet rund 20 Milliarden Euro.

Die Krux allerdings ist: Sollte Bulgarien tatsächlich von einer flächendeckenden Bankenkrise erfasst werden, könnten das Guthaben des Sicherungstopfes trotzdem zu klein sein. In diesem Fall - und diese Regelung gilt auch für die neue "europäische" Einlagensicherung - würde nicht die EU haften, sondern zunächst einmal die Regierung in Sofia. Die stünde dann vor der Entscheidung, ausländische Sparer mit einheimischen Steuergeldern zu entschädigen (was innenpolitisch herausfordernd wäre) - oder offenen Rechtsbruch zu begehen (was ihr vermutlich eine Auseinandersetzung mit Berlin beziehungsweise Brüssel einhandeln würde).

Panik ist selten ein guter Ratgeber. Aber aufmerksam sollten die deutschen Fibank-Kunden die Lage in jedem Fall verfolgen.

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