Samstag, 16. Dezember 2017

Rückschlag im Heimatmarkt Das Deutschland-Problem der Allianz

Konzernchef Diekmann: Die Allianz hat im zweiten Quartal ihr Ergebnis gesteigert, das Deutschlandgeschäft trug kaum dazu bei

Die Allianz trotzt Fluten und Niedrigzinsen im zweiten Quartal. Das Ergebnis wächst überraschend stark. Das hat nur bedingt mit dem operativen Geschäft zu tun, sagen Analysten. Sorgen bereitet die Lebensversicherung, und streng genommen hat der Konzern ein Deutschland-Problem.

Hamburg - Mit einem starken ersten Quartal hatte Europas größter Versicherer die Latte beachtlich hoch gehängt - und hat sie nun gerissen. Der Konzern kann bei Umsatz und Gewinn nicht an die kräftigen Zuwächse anknüpfen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum allerdings fällt die Bilanz gut aus. Und so zeigte sich Konzerchef Michael Diekmann angesichts besten Wetters in München und des Ferienbeginns in Bayern aufgeräumt, optimistisch sogar.

Man blicke auf ein "sehr erfolgreiches" erstes Halbjahr zurück. Trotz Rekordhochwasser in Mitteleuropa, niedriger Zinsen und volatiler Kapitalmärkte sei die Allianz profitabel gewachsen, hob der Manager hervor und streute für die Investoren gleich ein wenig Zucker aus: Am Jahresende strebt die Allianz nun ein Ergebnis am oberen Ende der Prognosespanne von bestenfalls 9,7 Milliarden Euro an.

An der Börse kam das gut an: Die in der Vergangenheit ohnehin gut gelaufene Aktie der Allianz Börsen-Chart zeigen konnte am Freitag in der Spitze um 2 Prozent zulegen.

Im Vergleich zum Vorjahr steigerte die Allianz ihren Umsatz um 6,3 Prozent auf 26,8 Milliarden Euro, das Ergebnis zog um 5,2 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro an. "Eine solide Leistung", wie Equinet-Analyst Philipp Hässler im Gespräch attestierte. Gleichwohl fiel die Allianz aber deutlich hinter Umsatz (32 Milliarden Euro) und Gewinn (2,8 Milliarden Euro) des ersten Quartals zurück, das vergleichsweise schadensarm war.

"Die Zahlen fallen in Summe besser aus als erwartet", kommentierte LBBW-Analyst Werner Schirmer und lieferte die Gründe gleich mit: "Sie liegen vor allem in den hohen Reserveauflösungen im Schaden- und Unfall-Segment und den realisierten Kursgewinnen aus Kapitalanlagen."

Auch Jochen Schmitt vom Bankhaus Metzler würdigte das Ergebnis als gut, betonte gleichwohl die Verschlechterung gegenüber dem ersten Quartal. "Insgesamt sehen wir das Risiko, dass die Allianz ihren vorläufigen Ergebnishöhepunkt bereits überschritten hat", sagte Schmitt. Skeptisch stimmt Analysten etwa das Ergebnis der Sparte Leben- und Krankenversicherung. Aus Sicht von Schirmer hat es sich schlechter als erwartet entwickelt.

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