Sonntag, 18. November 2018

Lebensversicherer kauft mehr Aktien Servus Pfandbrief - Allianz geht mehr ins Risiko

Die Allianz will künftig mehr Geld in chancenreichere und damit auch risikoreichere Investments stecken

Die Allianz Lebensversicherung sagt dem guten, alten Pfandbrief langsam aber sicher Servus. Für seine Kunden geht der Konzern bei der Kapitalanlage künftig stärker ins Risiko. Aktien und sogenannte Alternative Investments sollen bald die Hälfte des Anlagekapitals ausmachen. 

Die Allianz Börsen-Chart zeigen will das Geld ihrer deutschen Lebensversicherungskunden bald zur Hälfte in Aktien und alternative Anlagen stecken. Die übrige Hälfte solle sich in wenigen Jahren nur noch auf Staats- und Unternehmensanleihen erstrecken, kündigten Allianz-Leben-Chef Markus Faulhaber und Chefanleger Andreas Lindner am Mittwoch an.

Aus dem Pfandbrief, bislang eines der wichtigsten Investmentprodukte für deutsche Lebensversicherer, will sich der größte deutsche Anbieter schrittweise fast komplett zurückziehen.

In den kommenden drei bis vier Jahren solle die Aktienquote von derzeit 10 Prozent auf 13 bis 18 Prozent wachsen, sagte Lindner. Zudem solle jeder dritte Euro in so genannte alternative Anlagen wie Immobilien, Infrastruktur, Private Equity und erneuerbare Energien fließen.

Von den gesamten Geldern der Allianz Leben Börsen-Chart zeigen von rund 250 Milliarden Euro steckten derzeit rund 60 Milliarden Euro in solchen Produkten. Mittelfristig solle diese Summe auf rund 100 Milliarden Euro wachsen.

Möglich sei dies aufgrund der Freiheiten, die das seit 2016 geltende Regelwerk "Solvency II" den Unternehmen biete, sagte Lindner. Während Lebensversicherer das Geld ihrer Kunden früher nur in bestimmte Anlageklassen investieren durften, seien ihnen die Anlageziele nun freigestellt - vorausgesetzt, sie könnten die damit verbundenen Risiken beurteilen und finanziell tragen.

Von wegen Aktien - Lebensversicherer investieren noch extrem konservativ

Nach einer Übersicht des Interessenverbandes GDV hatten die deutschen Lebensversicherer Ende vergangen Jahres 86,1 Prozent der Kundengelder in festverzinslichen Rentenpapiere investiert. Davon machten Pfandbriefe rund 13 Prozent aus - allerdings seit 2015 (16 Prozent) mit absteigender Tendenz. In Aktien hatten die Lebensversicherer lediglich 4,7 Prozent ihres Kapitals investiert. Auch Immobilien und Beteiligungen, wo die Allianz nach eigenen Worten mehr investieren will, machten lediglich 3,9 Prozent beziehungsweise 2,8 Prozent aus.

Angesichts der seit Jahren anhaltenden Niedrigzinsen fällt es ihnen daher immer schwerer, die Garantiezinsen für ihre Kunden zu erwirtschaften, die sich bei alten Verträgen auf bis zu 4 Prozent belaufen.

Die Allianz setzt deshalb wie viele Konkurrenten inzwischen auf neuartige Lebens- und Rentenversicherungsverträge ohne klassischen Garantiezins, die den Kunden dafür die Chance auf höhere Renditen bieten sollen. Hier tragen die Kunden allerdings auch das größere Kapitalmarktrisiko.

Verbraucherschützer und unabhängige Versicherungsmathematiker halten die neuartigen Produkte allerdings für noch intransparenter als die klassische Kapitallebensversicherung.

Im Geschäft mit Privatkunden spielten die klassischen Verträge bei der Allianz Leben inzwischen kaum noch eine Rolle, sagte Faulhaber. Seine Rolle als Marktführer baut das Unternehmen mit seinen neuen Produkten weiter aus. Im zweiten Quartal lag der Marktanteil der Allianz Leben dem Manager zufolge bei 24,2 Prozent und damit 0,9 Prozentpunkte höher als Ende 2017.

rei/dpa

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