Freitag, 30. September 2016

Alle Allianz-Sparten verlieren Allianz-Chef muss sich etwas einfallen lassen

Ergebnisrückgang in allen drei Sparten: Will Allianz-Chef Oliver Bäte noch das angestrebte Ziel für dieses Jahr erreichen, muss sich der Konzern gehörig anstrengen

Anhaltende Probleme in der Vermögensverwaltung und der Umbau der Lebensversicherung belasten die Allianz stärker als erwartet. Im dritten Quartal schrumpfte der operative Gewinn um 7,5 Prozent auf 2,45 Milliarden Euro, teilte Europas größter Versicherer am Freitag mit. Analysten hatten ihm noch 2,52 Milliarden zugetraut.

Unter dem Strich ließ der Wegfall eines positiven Steuereffekts aus dem Vorjahr den Überschuss sogar um 15,4 Prozent auf 1,36 Milliarden Euro sinken. Damit schnitt der Konzern schwächer ab als von Analysten erwartet.

In allen drei Sparten gingen die Ergebnisse zurück, am stärksten in der Vermögensverwaltung, wo die Anleger beim US-Fondsanbieter Pimco weiter Geld abziehen. Dennoch sieht Finanzvorstand Dieter Wemmer die Allianz auf Kurs, den operativen Gewinn in diesem Jahr auf 10,8 (Vorjahr: 10,4) Milliarden Euro auszubauen. Dazu muss sich der Versicherer im vierten Quartal allerdings noch steigern.

Nach neun Monaten stand ein operativer Gewinn von 8,15 Milliarden Euro zu Buche, nicht mehr als im Vorjahr. Wemmer verwies auf die starken Schwankungen an den Finanzmärkten und sprach von Zahlen "auf einem soliden Niveau".

Der Umsatz ging im dritten Quartal um 4,3 Prozent auf 27,5 Milliarden Euro zurück, nach neun Monaten liegt er aber mit 95,5 Milliarden deutlich über Vorjahr.

Allianz verdient mehr Geld mit minderwertigeren Policen

In der Lebens- und Krankenversicherung machte sich die Abkehr von klassischen Policen in den Beitragseinnahmen bemerkbar, die um fast ein Zehntel zurückgingen. Das operative Ergebnis schrumpfte um sieben Prozent auf 738 Millionen Euro.

In diesen schlechten Nachrichten glaubt die Allianz Positives zu erkennen: Der von der Allianz forcierte Wechsel hin zu fondsgebundenen, mit minderwertigeren Garantien ausgestatteten Verträgen oder Verträgen schlicht ohne Garantie wirke sich im Neugeschäft positiv aus: Denn die Allianz muss dafür weniger Eigenkapital dafür zurücklegen. "Die gestiegene Neugeschäftsmarge ist ein eindeutiger Beleg, dass sich die Umsetzung unserer Strategie auszahlt", zeigte sich Wemmer überzeugt.

Die Allianz bietet die klassische Lebensversicherung mit einem lebenslang garantierten Zins zwar noch an, vertreibt sie aber nicht mehr aktiv. Der Kunde muss seinen Vertreter schon danach fragen. Andere große Mitbewerber haben die unter Deutschen beliebte Police aus dem Programm genommen oder das angekündigt. Die Bundesregierung will den Unternehmen erlauben, auf einen einheitlichen Garantiezins zu verzichten, was Verbraucherschützer scharf kritisieren.

Bei Pimco ziehen Kunden weiter Geld ab

Die Schaden- und Unfall-Sparte litt unter höheren Schäden durch Unwetter und dem Abwärtstrend am Kapitalmarkt, was den Gewinn um fünf Prozent auf 1,35 Milliarden Euro drückte. Wemmer ist damit aber zufrieden: "Insgesamt ist die Entwicklung dieses Geschäftsbereichs weiter auf Kurs."

Beim Sorgenkind Pimco sieht die Allianz Licht am Ende des Tunnels. Zwar zogen externe Kunden dort binnen drei Monaten 16 Milliarden Euro ab, das sei aber der niedrigste Stand, seit die Krise bei Pimco vor zwei Jahren begonnen habe, sagte Wemmer. Im Oktober habe es unter dem Strich sogar wieder Mittelfzuflüsse gegeben.

Der massive Abfluss von Geldern aus den Fonds und ein Führungsstreit um den im Unfrieden geschiedenen Firmengründer Bill Gross hatten sich gegenseitig hochgeschaukelt. Die Mittelabflüsse schlugen sich im Gewinn der Sparte nieder, der im dritten Quartal um 14 Prozent auf 600 Millionen Euro zurückging. Zusammen verwalteten Pimco und die Schwestergesellschaft Allianz Global Investors Ende September noch 1,75 Billionen Euro, davon fast eine halbe Billion für die Allianz selbst.

rei/dpa/reuters

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