Samstag, 16. Dezember 2017

Börsengang von Alibaba Alibaba debütiert mit 36 Prozent Kursplus

Weit oben: Alibaba-Gründer Jack Ma bei seiner Ankunft vor der New York Stock Exchange

Ansturm auf die Alibaba-Aktie: Der chinesische Onlineriese hat in New York den weltgrößten Börsengang gestemmt. Bei der Erstnotiz sprang die Aktie am Freitag zum Handelsstart auf 92,70 Dollar. Anschließend baute Alibaba das Kursplus auf knapp 50 Prozent aus.

New York - Bei der Erstnotierung an der New Yorker Börse sprang die Aktie zum Handelsstart überraschend deutlich auf 92,70 Dollar. Das war weit über dem Ausgabepreis von 68 Dollar und ein Plus von 36 Prozent. Im Anschluss nahm die Aktie sogar Kurs auf die 100-Dollar-Marke und baute ihre Kursgewinne zeitweise auf knapp 50 Prozent aus. Die Börse jubelte, als Firmengründer Jack Ma sich freudestrahlend auf dem Parkett zeigte.

Alibabas Aktienpremiere ist ein Projekt der Superlative: 320 Millionen Anteilsscheine zum Ausgabepreis von 68 Dollar. Emissionserlös 21,8 Milliarden Dollar. Wenn Investmentbanken ihre Zeichnungsrechte ausüben, steigt das Volumen bis auf 25 Milliarden Dollar. Es ist der größte Börsengänge aller Zeiten. Der Firmengründer hatte zuletzt auch kräftig die Werbetrommel gerührt.

Der Andrang war seit dem Morgen gewaltig: Die Aktienbörse war mit Bannern des chinesischen Onlinekonzerns geschmückt, davor drängten sich die Journalisten, Händler und Offizielle um Firmengründer Jack Ma und sein Team. Das "Krokodil vom Jangtse" verzichtete jedoch darauf, persönlich die Börsenglocke zum Handelsstart zu läuten. Stattdessen ließ der Konzernchef acht Alibaba-Kunden den Vortritt, um das Firmenmotto "Customers first" symbolisch zu untermauern.

Noch nie hat ein Unternehmen bei seinem Aktiendebüt mehr Geld bei Investoren einsammeln können. Die bislang größten Börsengänge in den USA gelangen der Kreditkartenfirma Visa 2008, dem Autobauer General Motors bei seinem Neustart 2010 und Facebook im Jahr 2012.

Allein Milliardär Ma kassiert fast 900 Millionen Dollar. Eine ganze Reihe von Managern und Software-Fachleuten bei Alibaba werden mit dem Schritt an die Börse zu Millionären.

Alibaba ist mehr wert als Amazon oder Ebay

Mit 167,6 Milliarden Dollar (130 Milliarden Euro) ist der Internet-Händler mehr wert als alteingesessene US-Konzerne wie Walt Disney Börsen-Chart zeigen oder Boeing Börsen-Chart zeigen , aber auch mehr als die Rivalen Amazon Börsen-Chart zeigen und Ebay Börsen-Chart zeigen . Wenn die Alibaba-Papiere am Freitag zum ersten Mal an der Wall Street gehandelt werden, rechnen Experten mit einem Kurssprung von 10 bis 15 Prozent.

Die New Yorker Börse Nyse ließ ihre Systeme in zwei Probeläufen auf Herz und Nieren testen, um für den erwarteten Ansturm der Investoren gerüstet zu sein. Die US-Technologiebörse Nasdaq war bei der Erstnotiz von Facebook Börsen-Chart zeigen vor zwei Jahren unter der Flut von Aufträgen schier zusammengebrochen. Die Kurse waren um Stunden verspätet, viele Anleger verloren Geld. Daher hatte sich Alibaba für die Nyse als Börsenplatz entschieden.

Alibaba dürfte mit Mehrzuteilungs-Option AgBank überholen

Noch liegen die Banken Agricultural Bank of China Börsen-Chart zeigen und ICBC in der Rangliste der weltgrößten Börsengänge knapp vor Alibaba. Doch wenn der Neuling wie erwartet auch jene Aktien ausgibt, die er für eine hohe Nachfrage reserviert hat (Greenshoe-Option), ist er mit 25 Milliarden Dollar klar die Nummer eins.

Viele Investoren machten sich im Vorfeld Sorgen, ob sie die erhofften Papiere zugeteilt bekämen. Die Aktien waren deutlich überzeichnet. 35 bis 40 Investoren, unter ihnen der Fondsriese Blackrock, hatten für jeweils mehr als eine Milliarde Dollar Papiere bestellt, wie es in Finanzkreisen hieß. Alibaba hatte die Preisspanne wegen der starken Nachfrage schon erhöht. Ursprünglich waren 60 bis 66 Dollar aufgerufen worden.

Merkel: "Die Welt schläft nicht"

15 Jahre nach der Gründung in Mas Einzimmerwohnung wickelt Alibaba mittlerweile mehr Geschäfte ab als Amazon und Ebay zusammen. 80 Prozent der Online-Umsätze in China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, gehen auf das Konto von Alibaba. Von April bis Juni schossen die Umsätze um 46 Prozent nach oben, anders als viele Internetfirmen schreibt das Unternehmen Gewinn: 1,99 Milliarden Dollar waren es in diesen drei Monaten. E-Commerce-Experten sehen Alibaba bereits auf einer Stufe mit Facebook und Google.

Deutsche Firmen aus diesem Sektor sind von solchen Größenordnungen noch weit entfernt. Die E-Commerce-Börsenkandidaten Zalando und Rocket Internet werden jeweils mit rund fünf Milliarden Euro bewertet.

Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel schaut gespannt an die Wall Street: "Wenn heute der Börsengang von Alibaba stattfindet, dann zeigt dies doch, dass die Welt nicht schläft, dass chinesische große Unternehmen längst Global Player sind", sagte sie am Freitag beim Zentralverband des Deutschen Handwerks.

Für viele klingt der Name Alibaba außerhalb Chinas aber noch exotisch: Nach einer Ipsos-Umfrage im Auftrag von Reuters haben 88 Prozent der Amerikaner von Alibaba noch nie gehört. Am Rande wurden kritische Stimmen laut: "In der Geschichte hat es selten einen Börsengang dieser Größe gegeben, bei dem man weniger über das Unternehmen wusste", sagte der demokratische Senator Bob Casey aus Pennsylvania. "Ich mache mir immer noch Sorgen über die Transparenz chinesischer Firmen, die an unseren Börsen notiert sind." An der Frankfurter Börse haben unlängst Skandale bei chinesischen Firmen für große Unruhe gesorgt.

Alibaba bietet zunächst 320 Millionen Aktien an. Damit kommen 13 Prozent des Unternehmens in die Hände neuer Aktionäre. Zwei Drittel der Papiere stammen aus dem Besitz der bestehenden Anteilseigner. Mas verbleibender Aktienbesitz ist auf dem Papier zum Ausgabepreis 14 Milliarden Dollar wert.

Yahoo Börsen-Chart zeigen war ebenfalls früh bei Alibaba eingestiegen. Der US-Internetriese streicht mit dem Verkauf von Aktien bei der Platzierung acht Milliarden Dollar ein, bleibt aber mit 16 Prozent beteiligt. Größter Alibaba-Anteilseigner ist die japanische Softbank Börsen-Chart zeigen mit 32 Prozent. Sie hat keine Aktien beim Börsengang verkauft.

von Liana B. Baker und Jessica Toonkel und Deepa Seetharaman, Reuters

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