Dienstag, 26. März 2019

Minus 32 Prozent Immobilien und Co - Beteiligungsmarkt bricht ein

Skyline von Frankfurt: Wenn Anleger noch unternehmerische Beteiligungen eingehen, dann bevorzugen sie Immobilien als Investitionsziel.
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Skyline von Frankfurt: Wenn Anleger noch unternehmerische Beteiligungen eingehen, dann bevorzugen sie Immobilien als Investitionsziel.

Früher hießen sie geschlossene Fonds, heute gibt es dafür Bezeichnungen wie Alternative Investment Fonds (kurz: AIF), Vermögensanlagen oder ähnliches, je nachdem, nach welcher gesetzlichen Regulierung die Anbieter vorgegangen sind: Die Rede ist von unternehmerischen Beteiligungen, über die Privatanleger in Immobilien, New-Energy-Projekte, Flugzeuge, Private-Equity-Engagements oder ähnliches investieren können. 2018, das zeigen Zahlen des Rosenheimer Branchenkenners Stefan Loipfinger, die manager-magazin.de vorliegen, ist der Markt für diese Investmentprodukte empfindlich eingebrochen.

In die sogenannten Publikums-AIF etwa investierten Anleger im vergangenen Jahr demnach nur noch 1,06 Milliarden Euro. Das entspricht einem Rückgang um rund 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als das Platzierungsvolumen noch knapp 1,6 Milliarden Euro betragen hatte. Bei AIF handelt es sich um Investmentprodukte, die dem Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) unterliegen und damit der in diesem Bereich strengsten Regulierung von Seiten der Finanzaufsicht.

Daneben hat Loipfinger auch das Geschäft mit Vermögensanlagen nach dem Vermögensanlagegesetz analysiert. Diese Produkte unterliegen keiner Aufsicht durch die Bafin, müssen jedoch bestimmte Transparenzpflichten erfüllen. Und auch in diesem Markt brach der Umsatz förmlich ein, nämlich von knapp 1,3 Milliarden Euro im Jahr 2017 um gut 31 Prozent auf rund 874 Millionen Euro im vergangenen Jahr.

Zwar geht der Rückgang zum Teil auf den Ausfall wichtiger Anbieter zurück, die im vergangenen Jahr nicht aktiv waren. So brachte beispielsweise der Kölner US-Immobilienfonds-Spezialist Jamestown, der im Jahr zuvor noch Marktführer gewesen war, 2018 keinen AIF heraus. Bei den Vermögensanlagen fehlten zudem die Platzierungsumsätze der Münchener P&R-Gruppe, die seit Monaten im Zentrum des wohl größten Anlageskandals steht, den Deutschland bislang gesehen hat, und aufgrund der Pleite das Geschäft eingestellt hat.

Die Platzierungszahlen zeigen dennoch eindrucksvoll, wie stark die Beteiligungsbranche gegenüber früheren Jahren geschrumpft ist. Zu ihren Hochzeiten vor der Finanzkrise von 2008 sammelten die Emissionshäuser Jahr für Jahr zusammen zweistellige Milliardenbeträge für Immobilien, Schiffe, Hollywood-Filme und ähnliches ein. Eine Beaufsichtigung durch die Bafin fand dabei so gut wie nicht statt.

Dann kam der Markteinbruch, von dem sich die Branche bis heute nicht erholt hat. Grund dafür war nicht nur die Finanz- und Wirtschaftskrise, die zahlreiche Investoren vergrault hat. Auch die Neueinführung verschiedener Anlegerschutzgesetze hat den Unternehmen in dieser Branche das Leben schwerer gemacht und viele dazu veranlasst, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Hauptinvestitionsziel der Anleger waren im vergangenen Jahr einmal mehr die Immobilien. Wie die Studie des langjährigen Marktanalysten Loipfinger zeigt, flossen bei den AIFs etwa 60 Prozent der Anlegergelder in Immobilien in Deutschland und weitere 20 Prozent in Grundstücke und Gebäude im Ausland. Bei den weiteren Vermögensanlagen betrug der Anteil der Inlandsimmobilien rund 38 Prozent und jener der Auslandsimmobilien etwa 18 Prozent.

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