Sonntag, 29. Mai 2016

EZB Draghi: "Wir sind hiermit nicht am Ende"

Krisenmanager Mario Draghi: "Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen."

Die EZB geht in die Vollen, um das schwache Wachstum in Euro-Land anzukurbeln und eine Deflation zu verhindern. Die Zinsen sinken auf Rekordtief, und Banken, die Geld parken, müssen Strafzinsen zahlen. Mario Draghi kündigt weitere Schritte an: "Wir sind hiermit nicht am Ende", sagt der Notenbankchef.

Frankfurt am Main - Die Notenbank wird ihre Leitzinssenkung auf das Rekordtief von 0,15 Prozent inklusive negativem Einlagensatz mit weitreichenden Maßnahmen flankieren, erklärte EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt.

Die Währungshüter hätten einstimmig beschlossen, den Geschäftsbanken im Euroraum billige Kredite im Volumen von bis zu 400 Milliarden Euro über vier Jahre zu verabreichen, sagte Draghi.

Der Notenbankchef stellte sogar noch weitere Schritte in Aussicht: "Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen."

EZB-Geld soll Unternehmen erreichen

In der Krise hat die EZB bereits Billionensummen in das marode Finanzsystem gepumpt, um den stockenden Kreditfluss in Teilen der Währungsunion zu beleben. Doch die Banken nutzten das billige Geld stattdessen vor allem, um damit höher verzinste Staatsanleihen aufzukaufen.

Das neue Programm soll deshalb so ausgestaltet werden, dass die Mittel auch wirklich bei kleinen Unternehmen und privaten Haushalten ankommen, die auf Darlehen angewiesen sind. Schon im Januar hatte Draghi erklärt: "Wenn wir wieder etwas ähnliches machen, wollen wir sicherstellen, dass das Geld in die Wirtschaft fließt."

Euro fällt auf Tagestief

Zudem verspricht die EZB den Banken noch länger als bisher unbegrenzte Liquiditätsversorgung und verzichtet künftig darauf, überschüssige Mittel mit wöchentlichen Gegengeschäften aus dem Markt zu nehmen. Der Euro geriet durch die Beschlüsse der Notenbank unter Druck und fiel in der Spitze um fast eineinhalb Cent auf ein Tagestief von 1,3505 US-Dollar.

Kampf gegen schwaches Wachstum und niedrige Inflation

Die EZB reagiert mit diesem Maßnahmenpaket auf die unangenehm niedrige Inflation und das schwache Wachstum im Euroraum. Die Notenbank rechnet von 2014 bis 2016 mit geringeren Teuerungsraten als bislang. Demnach ist für das laufende Jahr mit einer Preissteigerung von durchschnittlich 0,7 (bisher 1,0) Prozent zu rechnen. Für 2015 wurde die Prognose von 1,3 auf 1,1 Prozent verringert. Im Jahr 2016 dürfte die Teuerung bei 1,4 (bisher 1,5) Prozent liegen.

Wachstumsprognose für 2014 gesenkt

Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Jahresrate der Teuerung von knapp zwei Prozent gewährleistet und muss diesen Zielwert sowohl nach unten wie nach oben verteidigen. Draghi hatte zuletzt immer wieder vor der Gefahr einer zu langen Phase mit niedriger Inflation gewarnt.

Die Wachstumsprognosen wurden für das laufende Jahr gesenkt, für 2015 erhöht und für 2016 unverändert belassen. So rechnen die EZB-Volkswirte 2014 mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,0 (bisher 1,2) Prozent. Im kommenden Jahr dürfte sich das Wachstum auf 1,7 (bisher 1,5) Prozent beschleunigen. Im Jahr 2016 wird eine Wachstumsrate von unverändert 1,8 Prozent erwartet.

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la/reuters

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