Montag, 10. Dezember 2018

KarstadtQuelle Urban löst Deuss ab

Chefwechsel beim größten deutschen Warenhauskonzern: Nach 18 Jahren an der Konzernspitze räumt KarstadtQuelle-Chef Walter Deuss zum 1. Oktober seinen Sessel. Nachfolger wird der ehemalige Metro-Manager Wolfgang Urban.

Gilt als rigoroser Sanierer: Der neue KarstadtQuelle-Chef Wolfgang Urban
Gilt als rigoroser Sanierer: Der neue KarstadtQuelle-Chef Wolfgang Urban

Essen - Der 55-jährige Urban hatte bereits zum Jahresbeginn mit der Leitung der Warenhaussparte eine der wichtigsten Positionen in dem Essener Handelskonzern besetzt.

Seinem 65-jährigen Vorgänger Walter Deuss wurde ein Wechsel in den Aufsichtsrat in Aussicht gestellt. Deuss gilt als einer der dienstältesten deutschen Konzernlenker.

Unter ungewöhnlich spektakulären Umständen hatte KarstadtQuelle Aufsichtsratschef Hans Meinhardt den Abgang des langjährigen Chefs erst vor zwei Monaten auf offener Bühne während der laufenden Hauptversammlung angekündigt. Die Börse hatte auf die Nachricht mit einem kräftigen Kursanstieg reagiert.

Deuss hatte die Gewinnaussichten falsch eingeschätzt

Hintergrund der Personalie waren nach Einschätzung von Beobachtern fallende Börsenkurse nach einer verfehlten Fusionsprognose. Der Essener Spitzenmanager war offenbar über eine zu optimistische Einschätzung der Gewinnaussichten nach der Fusion von Karstadt und Quelle ins Stolpern geraten.

"Wir haben uns in der Tat geirrt", musste der scheidende Konzernchef vor den Anteilseignern einräumen. Für das Jahr 1999 hatte der neu geschaffene Handelskonzern KarstadtQuelle sein angekündigtes Ergebnisziel mit 503 Millionen Mark vor Steuern um 202 Millionen Mark verfehlt.

"Ihre Aufgabe ist es nun, die im Verschmelzungsbericht aufgeführte Ergebnisprognose im Jahr 2003 zu erreichen", gab Aufsichtsratschef Hans Meinhardt dem designierten Konzernchef Urban mit auf den Weg. Noch hat der aus den Reihen des KarstadtQuelle-Großaktionärs Schickedanz Holding stammende Handelsmanager nicht das Geheimnis um den künftig Kurs des Konzerns gelüftet. Gut zwei Wochen nach seinem Amtsantritt will Urban bei einer mit Spannung erwarteten Pressekonferenz in Düsseldorf am 17. Oktober die Karten auf den Tisch legen.

Urban wird hart durchgreifen

Soviel scheint klar: Vielen Managern und Mitarbeitern des Handelskonzern stehen nicht überaus bequeme Zeiten bevor. Urban gilt als harter Sanierer. Er dürfte weniger zimperlich agieren als sein Vorgänger Deuss, wenn es darum geht, marode Häuser zu schließen oder dümpelnde Geschäfte abzustoßen.

Urban wird versuchen, den bislang nicht überaus erfolgreichen E-Commerce von KarstadtQuelle anzukurbeln - und die Ausrichtung der Kaufhäuser auf bestimmte Zielgruppen und Themen voranzutreiben. Als Vorbild dürfte ihm dabei der Kaufhof-Konzern dienen, der mit Konzept-Häusern wie "Lust for Life" oder "Emotions" relativ erfolgreich agiert.

Der am 26. August 1945 im schlesischen Oberbaumgarten geborene Urban begann seine Karriere nach einem Betriebswirtschaftsstudium 1973 als kaufmännischer Angestellter beim Kölner Kaufhof. 1995 wurde er zum Vorstandssprecher der Kaufhof Holding ernannt, wo er eine tief greifende Sanierung einleitete. Ein Jahr später zog er als Co-Sprecher in den Vorstand der Kaufhof-Mutter Metro AG ein. Dort war er für Finanzen und Controlling verantwortlich.

Nach quälenden Rangeleien mit dem ehemaligen Metro-Chefaufseher Erwin Conradi wechselte Urban im März 1998 in den Vorstand der Fürther Quelle-Muttergesellschaft Schickedanz Holding-Stiftung.

Nach der Fusion mit Karstadt zog Urban in den Vorstand des KarstadtQuelle-Hauses ein und leitete seit 1. Januar das Warenhausgeschäft.

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