Freitag, 29. Juli 2016

Stellenabbau Telekom verschärft Sparprogramm für Europa

Timotheus Höttges: Der künftige Telekom-Chef fordert deutlich bessere Margen

Der künftige Chef der Deutschen Telekom, Tim Höttges, plant weitere Kosten- und Personal-Abbauprogramme. Stellenkürzungen sind auch im Ressort von Europa-Chefin Claudia Nemat geplant.

Hamburg - Zusätzlich zu den zuletzt bekannt gewordenen Plänen, bei der Geschäftskunden-Sparte T-Systems Stellen abzubauen, hat Höttges intern das Ziel ausgegeben, auch in der Europa-Division die Effizienz künftig deutlich zu steigern. Das erfuhr manager magazin online von mehreren mit der Situation vertrauten Personen.

Höttges, der Anfang des Jahres offiziell den Vorstandsvorsitz übernimmt, aber schon die Geschäfte führt, habe auch Europa-Chefin Claudia Nemat die Vorgabe gemacht, die Marge deutlich zu verbessern, erfuhr manager magazin online aus dem Umfeld des Unternehmens. Bereits laufende Sparmaßnahmen wie Kürzungen von Marketing-Budgets, Kooperationen im Einkauf oder Zusammenlegungen von Funktionen in dem Ressort sollen nun deshalb ab 2014 deutlich verschärft werden.

Zudem stehe auch ein "erheblicher Personalabbau" bevor, heißt es aus dem Unternehmen. Das Thema Effizienzsteigerung im Europa-Geschäft war auch Gegenstand der letzten Aufsichtsratssitzung der Telekom, die am 12. Dezember stattfand.

Sparmaßnahmen in den Landesgesellschaften

Ein Sprecher der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen sagte, ein übergreifendes Abbauprogramm für die Europa-Division sei nicht geplant. In den einzelnen Landesgesellschaften könne es aber durchaus zu Kostensparmaßnahmen kommen, da "2014 der Druck auf operative Ergebnisse und Margen anhalten" werden. Dem begegneten die Landesgesellschaften der Telekom unter anderem mit "Effizienzbemühungen - insbesondere mit der Reduktion von indirekten Kosten". Der Sprecher fügte hinzu: "Bei Kosteneinsparungen kann es je nach Land um Sachaufwendungen und auch Personalumbau gehen. Wie in der Vergangenheit wird die jeweilige Landesgesellschaft über konkrete Maßnahmen informieren".

Damit schlägt Höttges zu seinem Amtsantritt einen ähnlichen Weg wie sein Vorgänger René Obermann bei dessen Start. Der scheidende Telekom-Chef hatte zu Beginn an der Vorstandsspitze prompt 50.000 Mitarbeiter in Service-Gesellschaften ausgliedern lassen - und war damals auf schroffen Konfrontationskurs mit den Gewerkschaften gegangen.

Betriebsbedingte Kündigungen wären ein Tabubruch

Ein solcher zeichnet sich in Bonn erneut ab, seit bekannt wurde, dass Höttges rund 6000 Stellen in der Geschäftskundensparte T-Systems streichen will und dabei offenbar auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließt - ein Tabubruch in Bonn.

Über die genauen Ausmaße der Sparmaßnahmen bei T-Systems will Höttges den T-Systems-Aufsichtsrat am 22. Januar informieren. Die Sparte erwirtschaftete im letzten Quartal eine Marge von rund 2,3 Prozent. Vorgabe ist nun, diese auf ein Niveau von etwa 6 Prozent zu hieven, sagten Führungskräfte.

Aufräumarbeit soll nun auch im Europa-Ressort geleistet werden. Dort schrumpfen derzeit Erlöse und Profitabilität. So sank der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) im dritten Quartal 2013 um 10,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Marge lag bei 33,8 Prozent - ein Minus von 2,5 Prozentpunkten. Zum Vergleich: Im Deutschland-Geschäft lag diese zuletzt bei 41,9 Prozent. Europa-Chefin Nemat soll dabei die internen Margenzielvorgaben bis zum dritten Quartal gleich mehrfach verfehlt haben, heißt es in Bonn. Die Top-Managerin - wie ihr Ressort - dürften damit im neuen Jahr neben T-Systems unter der besonderen Beobachtung des neuen CEOs Höttges stehen.

Report: Die Pläne von Telekom-Chef Tim Höttges

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