Sonntag, 20. August 2017

Billigflieger Wie O'Leary Ryanair wieder auf Kurs bringen will  

Übt sich als Kundenversteher: Ryanair-CEO Michael O'Leary

Für Service oder überbordende Kundenfreundlichkeit war Ryanair bislang nicht bekannt. Dem Erfolg des Billigfliegers tat dies lange keinen Abbruch. Doch nun bricht den Iren der Gewinn weg. Rynair-Chef O'Leary kontert - gewohnt eigenwillig.

Hamburg - Im Gesicht einen falschen roten Rauschebart, auf dem Kopf einen grünen Samthut. Dass Michael O'Leary die Kunden-Fragerunde auf Twitter eher entspannt angeht, ist nicht zu übersehen. Entsprechend unterhaltsam fällt das Townhall-Meeting auf dem Microbloggingdienst aus.

Die Frage, ob Fluggäste in Zukunft wohl für jeden Atemzug extra zahlen müssten, konntert der Ryanair-Chef mit "Spitzenidee". Das Foto einer Teilnehmerin kommentiert er mit "Phwoaarr!" und einen Mitarbeiter, der den Auftritt seines Chefs verfolgt, schickt O'Leary mit den Worten "Geh zurück zur Arbeit, Du Faulenzer oder Du bis gefeuert :) zurück an den Schreibtisch. O'Leary at his best.

So spaßig die Aktion auf Twitter ist: Der Chef der irischen Billigfluglinie hat allen Grund, die Nähe zu seinen Kunden zu suchen. Denn die Geschäfte laufen derzeit alles andere als gut. Schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate sah sich die einst so erfolgsverwöhnte Airline gezwungen, eine Gewinnwarnung herauszugeben. Statt der ursprünglich avisierten 570 bis 600 Millionen Euro dürften bis zum Ende des Geschäftsjahres (per Ende März) nur 500 bis 520 Millionen Euro Überschuss anfallen, teilte Europas größter Billigflieger am Montag mit.

Das ist deutlich weniger als im Vorjahr. Der Kurs der Aktie von Ryanair Börsen-Chart zeigen ging daraufhin auf Talfahrt.

Tickets werden immer günstiger - auch bei der Konkurrenz

Grund für die erneute Hiobsbotschaft ist neben der Krise in Europa vor allem die wachsende Konkurrenz, die die Iren mittlerweile auch seitens der etablierten Airlines zu spüren bekommen. So setzt die Lufthansa Börsen-Chart zeigen im Inland zuletzt verstärkt auf den konzerneigenen Discounter Germanwings, um preisbewussten Kunden eine Alternative zu Ryanair und Easyjet zu bieten.

Um 9 Prozent sind die Ticketpreise laut Ryanair Börsen-Chart zeigen im dritten Quartal im Durchschnitt gesunken. Und es dürfte noch heftiger kommen. Für die letzen drei Monqte des Jahres sagt Ryanair einen durchschnittlichen Preisverfall von 10 Prozent voraus.

Es läuft nicht gut für Ryanair: Nicht nur, dass O'Leary zum Jahresbeginn auch mit seinem dritten Versuch, die irische Fluggesellschaft Air Lingus zu übernehmen, scheiterte. Jetzt soll er sich auf Druck der Wettbewerbshüter auch noch von einem Viertel der Airline trennen. Pläne, beim Londoner Flughafen Stansted einzusteigen, musste O'Leary schon im vergangenen Jahr begraben.

Und auch an der Beschäftigungsfront droht O'Leary Ärger. So haben viele Piloten, die offenbar über Agenturen bei Ryanair beschäftigt sind, eine Arbeitnehmervertretung gegründet und versuchen nun bessere Beschäftigungsbedingungen herauszuverhandeln. Änderungen, die - setzen sich die Piloten durch - O'Leary weiteres Geld kosten dürften.

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