Montag, 10. Dezember 2018

Stromausfall Geschäftsrisiko Blackout

Horrorszenario: Für viele produzierende Unternehmen ist selbst ein kurzer Stromausfall katastrophal

Vor den Wintermonaten geht die Angst vor dem Blackout um. Ein großflächiger, lang anhaltender Stromausfall hätte dramatische Folgen - nicht zuletzt für produzierende Unternehmen. Wie die Industrie gegensteuert.

Hamburg - Einige Millisekunden ohne Strom - und schon steht im Kupferschmelzwerk des Hamburger Aurubis-Konzerns alles still. "Unsere Maschinen schalten sich sofort automatisch ab, damit keine Sicherheitsrisiken entstehen", erklärt Ulf Gehrckens, Senior Vice President für das Energiemanagement bei Europas größtem Kupferproduzenten. Bis die Produktion weitergehen kann, vergehen mehrere Stunden.

Das kostet den Konzern mehrere hunderttausend Euro, wenn es mal länger dauert auch mehr als eine Million. "Die Stromversorger zahlen in dem Fall Schadenersatz", sagt Gehrckens. "Allerdings maximal 2500 Euro." Das Unternehmen bleibt also auf den Kosten sitzen. "Das ist ärgerlich, aber mit diesem Risiko leben wir schon seit langem, darauf sind wir eingestellt", sagt der Energiemanager.

Inzwischen hat er allerdings ganz andere Sorgen: "Das Stromnetz ist seit dem Atomausstieg deutlich instabiler geworden, das berichten uns die Übertragungsnetzbetreiber", sagt Gehrckens.

"Für uns heißt das: Wir müssen uns auch auf das Risiko einstellen, dass der Strom nicht nur für Sekunden weg ist. Sondern gleich für mehrere Stunden, vielleicht Tage." Und das, betont der Manager, sei dann nicht mehr bloß ärgerlich. "Das wäre eine Katastrophe."

Schwankungen im Stromnetz

Eigentlich gilt das deutsche Stromnetz als eines der sichersten der Welt: Ein durchschnittlicher Stromausfall dauert hierzulande gerade einmal eine Viertelstunde. Ein Wert, von dem Menschen in Schwellenländern wie Indien oder Brasilien, aber auch in den USA mit ihrem veralteten, maroden Stromnetz nur träumen können. Doch seit der Atomausstieg beschlossene Sache ist und immer größere schwankende Strommengen aus erneuerbaren Energien ins Netz eingespeist werden, sorgt sich die deutsche Wirtschaft jedes Jahr vor dem Winter um die Sicherheit ihrer Stromversorgung.

Denn wenn es kalt wird und dunkel, wird besonders viel Strom gebraucht - das ohnehin schon strapazierte Netz, das mit dem Ausbau der Erneuerbaren nur mühsam Schritt hält, gerät an seine Grenzen, fürchten viele. Kurze Stromausfälle gab es schon immer - und ihre Ursachen sind in der Regel schnell zu beheben. Fällt ein Baum auf eine Stromleitung oder durchtrennt ein Bagger bei Bauarbeiten versehentlich ein Stromkabel, rücken spezielle Notfallteams der Stromversorger aus und reparieren den Schaden.

Das ist eingeübte Praxis. Aber was, wenn der Fehler im System liegt - und nicht ein Kabel, sondern gleich das ganze Netz schlapp macht? Was, wenn nicht nur einzelne Straßenzüge, sondern ganze Städte und Regionen ohne Strom dastehen - und das für Stunden, Tage oder gar Wochen? Selbst offizielle Stellen wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und die Bundesnetzagentur warnen: Unsere Stromnetze sind anfälliger geworden für Störfälle.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH