Mittwoch, 20. März 2019

Stromausfall Geschäftsrisiko Blackout

Horrorszenario: Für viele produzierende Unternehmen ist selbst ein kurzer Stromausfall katastrophal

2. Teil: Großflächige Stromausfälle wären dramatisch

Für viele produzierende Unternehmen wäre es ein Desaster. Würde etwa im Aurubis-Kupferschmelzwerk der Strom für mehrere Stunden ausfallen, hätte das dramatische Folgen: Das Kupfer in den Öfen würde erkalten, das Elektrolyt auskristallisieren. "Pumpen, Öfen, Wärmetausche, alles wäre zerstört", sagt Gehrckens. Das Kupfer müsste "bergmännisch abgebaut" werden, also gewissermaßen mit der Spitzhacke entfernt.

"Aber das würde Monate dauern. De facto müssten wir die Anlagen neu aufbauen." Und in diesem Fall würde sich eine ganz grundsätzliche Frage stellen: "Dann stünden wir vor der Entscheidung, an welchem Standort wir die Anlagen wieder aufbauen", konstatiert Gehrckens. Denn schon die hohen Energiekosten in Deutschland und die finanziellen Unsicherheiten, die EEG-Reform und Energiewende mit sich bringen, kann der Kupferproduzent aufgrund des weltweit einheitlich an der Börse gebildeten Kupferpreises nicht an seine Kunden weitergeben.

Kommt dann auch noch eine unsichere Stromversorgung dazu - dann sei womöglich nur noch eine Standortverlagerung ins Ausland eine Option. "Das wollen wir natürlich verhindern. Wir haben deshalb in den vergangenen beiden Wintern Gegenmaßnahmen ergriffen", sagt Gehrckens. Eine eigens installierte Notstrom-Anlage hätte notfalls zehn Prozent Leistung liefern können. "Damit könnten wir nicht produzieren. Aber wir würden mit dem Warmhalten des Kupfers zumindest verhindern, dass die Anlagen zerstört werden."

Dieselbetriebene Notstromanlagen

Ob bei einem großflächigen Stromausfall noch jemand ins Werk zur Arbeit käme, wäre ohnehin fraglich. "Das Schadensausmaß wäre bei einem großflächigen Stromausfall sehr schnell dramatisch. Denn wir sind heute in unserem Alltag sehr abhängig von elektrischem Strom", erklärt Wolfram Geier vom BBK. Schon bei einem Stromausfall von wenigen Minuten stehen nicht nur die Arbeiter in der Produktion vor stillgelegten Maschinen, auch der Büroalltag steht still. Denn die IT läuft nun einmal nicht ohne Strom. Auch der Weg zur Arbeit ist gefährlich. Denn Ampeln und Straßenbeleuchtung fallen aus.

Öffentliche Einrichtungen wie Polizei- und Feuerwehrstationen, Krankenhäuser und Rettungsdienste sind zwar gesetzlich verpflichtet, für den Fall der Fälle vorzusorgen: Hier laufen Notstromaggregate. Doch Arztpraxen, Schulen, Universitäten und die meisten Unternehmen müssen den Betrieb einstellen.

Schon nach wenigen Stunden bricht vielerorts auch die Wasserversorgung zusammen, denn Wasser wird mittels elektrischer Pumpen durch die Leitungen gepresst. Diese bleiben nun leer. Fernheizungen und Klimaanlagen fallen aus. Festnetztelefone funktionieren nicht mehr. Nach rund zwölf Stunden ist auch das Mobilfunknetz außer Gefecht. Züge und Straßenbahnen fahren nicht mehr, an Flughäfen und Häfen stocken die Abläufe. Im Supermarkt funktionieren weder die Kassen noch die Lebensmittelkühlung. Am Bankautomaten gibt es kein Geld mehr.

Wie weitreichend die Folgen eines Stromausfalls wären, musste auch Energiemanager Gehrckens feststellen: Die neue Notstromanlage wollte Gehrckens eigentlich mit Gas betreiben. "Allerdings stellte sich dann heraus, dass im Falle eines großflächigen Stromausfalls auch die Gasversorgung nicht mehr sichergestellt wäre", berichtet er.

In den Gasleitungen würden einige elektrisch betriebene Steuerungsklappen nicht mehr funktionieren. Daher kann die Notstromanlage nun alternativ auch mit Diesel betrieben werden. Sicher ist sicher.

Seite 2 von 2

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung