Dienstag, 27. Juni 2017

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Quirion Der dritte Streich von Bankenrevoluzzer Schmidt

Karl Matthäus Schmidt: Mit der Quirin-Bank sorgte er für Wirbel in der Branche. Nun transportiert er die Idee mit "Quirion" ins Internet
Quirin Bank; urbanruths.de
Karl Matthäus Schmidt: Mit der Quirin-Bank sorgte er für Wirbel in der Branche. Nun transportiert er die Idee mit "Quirion" ins Internet

Erst gründete er Consors, dann den Vermögensverwalter Quirin-Bank. Nun exportiert Bankenrevoluzzer Karl Matthäus Schmidt sein Modell der Honorarberatung mit seiner Plattform namens "Quirion" auch ins Internet - und fordert etablierte Banken heraus.

Hamburg - Karl Matthäus Schmidt freut sich immer diebisch, wenn etablierte Banker durch neue Konkurrenz ins Schwitzen kommen. Und am liebsten sorgt er selbst dafür. 1994, als Student mit Mitte 20, gründete der Spross einer fränkischen Bankiersdynastie den Online-Broker Consors, der das Wertpapiergeschäft umkrempelte und auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase 1999 an der Börse 4,5 Milliarden Euro wert war.

Seit 2005 führt Schmidt (43) die Quirin Bank Börsen-Chart zeigen in Berlin, die die Regeln der Vermögensverwaltung im Land revolutionieren will, indem sie nur gegen Honorare der Kunden statt für Verkaufsprovisionen arbeitet. Nun führt Schmidt einen dritten Streich gegen die etablierten Geldkonzerne: Er exportiert das Quirin-Modell unter der Marke "Quirion" ins Internet. Das berichtet manager magazin in seiner neuen Ausgabe (Erscheinungstag: 18 Oktober).

"Individuelle Honorarberatung rechnet sich für einen Kunden in der Regel erst ab einem Vermögen von 100.000 Euro", sagt Schmidt. Damit Kunden mit kleineren Anlagebeträgen von seinem Beratungsmodell profitieren könnten, habe er nun Quirion gegründet. Über die Webseite können Anleger auch Summen ab 10.000 Euro investieren.

Honorar von 0,38 Prozent pro Jahr - Start-up im Fintech-Boom

Angelegt werden diese dann nach verschiedenen standardisierten Strategien von Quirion, unter denen der Kunde selbst wählt. Die Bank stellt ihm verscheidene Zukunftsszenarien zur Auswahl: Glaubt er etwa an einen anhaltenden Boom der deutschen Wirtschaft - oder ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone? Je nach Antwort wird sein Kapital dann investiert. Dafür berechnet Quirion ein Honorar von 0,38 Prozent des investierten Kapitals pro Jahr. Freischalten wird Schmidt das neue Angebot am 1. November.

Ganz so revolutionär wie Consors oder Quirin ist Schmidts neuestes Projekt zwar nicht. Der Banken-Revoluzzer schließt sich mit Quirion jedoch geschickt dem Fintech-Boom an. Seit einigen Jahren nimmt die Zahl der Internet-Start-ups, die Bankdienstleistungen anbieten, sprunghaft zu.

Vom Girokonto über den Währungstausch und Konsum- und Mittelstandskredite bis hin zur Vermögensverwaltung bieten die Gründer - vielfach sind es Ex-Banker - Finanzdienstleistungen an, ohne selbst Banken zu sein. Die Gründerwelle nährt sich aus dem weit verbreiteten Misstrauen gegen die etablierten Banken ebenso wie aus dem wachsenden Wunsch der Kunden nach einfachem, mobilem und günstigem Banking.

Kunden werden geduzt, Geld unterliegt der Einlagensicherung

Bei Quirion imitiert Schmidt die legere, freche Art vieler Fintech-Firmen. Kleine Filmchen im Stil eines Trickfilms für Kinder erklären das Geschäftsmodell. Und die Kunden werden konsequent geduzt. Dafür hat Schmidt aber auch einen Vorteil gegenüber den meisten Fintech-Start-ups: Über die Quirin Bank unterliegt das Geld der Quirion-Anleger der Einlagensicherung.

In seiner Neugründung spiegele sich auch seine Liebe zum Online- und Direktgeschäft, sagt Schmidt. Er sieht die Zeit gekommen, die Finanzbranche umzukrempeln. "Banken sind Dinosaurier", sagt er und verweist auf die Musikindustrie. Die habe die Digitalisierung verschlafen und fast die Hälfte ihrer Umsätze verloren. "Ähnliches kann den Banken auch passieren, denn man kann die ihre Dienstleistungen heute über das Internet intelligenter, eleganter und preisgünstiger anbieten." Das werde "die Branche verändern".

Ein paar Superlative hat der erfahrene Verkäufer Schmidt natürlich parat, um für sein neues Baby zu werben. "Mit Quirion machen wir professionelle Vermögensverwaltung allen zugänglich", sagt er. Sein Beratungsmodell sei "frei von Interessenkonflikten" und "die bisher preisgünstigste Vermögensverwaltung in Deutschland".

Ebenso wie die vielen Start-ups muss aber auch Schmidt beweisen, dass er Banking im Netz profitabel machen kann. Bei der Quirin-Bank dauerte es einige Jahre, bis sie 2011 erstmals schwarze Zahlen schrieb. Im ersten Halbjahr 2013 schaffte die Bank - begünstigt allerdings durch einen Einmaleffekt - ein positives Ergebnis von 1,4 Millionen Euro. Derzeit hat die Quirin-Bank 9500 Kunden und verwaltet Einlagen in Höhe von 2,5 Milliarden Euro.

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