Montag, 19. November 2018

Anlegerschutz "Sie werden schwarze Schafe nie aus dem Markt bekommen"

Hamburg-Trust-Investitionsstandort Mainz: Für geschlossene Immobilienfonds gelten künftig neue Regeln
Hamburg Trust
Hamburg-Trust-Investitionsstandort Mainz: Für geschlossene Immobilienfonds gelten künftig neue Regeln

Mit dem neuen Kapitalanlagegesetzbuch sollte eigentlich der Anlegerschutz in Deutschland verbessert werden. Das ist aber nur zum Teil gelungen, sagt Dirk Hasselbring. Der Chef eines Emissionshauses erklärt, wo die Regierung noch handeln muss.

mm: Herr Hasselbring, mit dem neuen Kapitalanlagegesetzbuch, das in diesen Tagen verabschiedet wird, sollte eigentlich der Anlegerschutz verbessert werden. Wirklich gelungen ist das aber nicht, oder?

Hasselbring: Aus meiner Sicht wurde der Anlegerschutz in Teilen verbessert, aber nicht abschließend. Positiv ist, dass es künftig eine Verwahrstelle gibt, also einen Treuhänder, der für die Anleger geschlossener Fonds eine Objektüberwachung vornimmt. Zudem wurde für geschlossene Immobilienfonds die regelmäßige Bewertung der Objekte vorgeschrieben, was es bei anderen Fondstypen und gelisteten Immobilien-AGs auch im Ausland schon lange gibt. Das alles ist ein erster Schritt, um eine verbesserte Transparenz herzustellen.

mm: Aber?

Hasselbring: Was das Gesetz nicht regelt ist eine vernünftige Vorauswahl der Asset- und Investmentmanager. Wer eignet sich dazu eigentlich aus Anlegersicht? Unserer Meinung nach sollte zu dem Zweck eine erfolgsabhängige Vergütung vorgeschrieben werden, damit die Anlagemanager mit den Anlegern in einem Boot sitzen.

mm: Das ist wohl nicht das einzige Manko. Viele der neuen Regelungen für die Fondsbranche waren ursprünglich deutlich rigider vorgesehen, wurden aber letztlich im Laufe der Gesetzgebung stark abgemildert. Wer den Entstehungsprozess verfolgt hat, konnte sehen, dass die Lobby der Fondsanbieter großen Einfluss ausgeübt hat, oder?

Hasselbring: Das ist in der Tat so. Ein Beispiel ist die Bewertung der Immobilien, die die Anbieter der Fonds jetzt selbst vornehmen können. Damit hat sich die Branche keinen Gefallen getan. Das sollte ein unabhängiger Sachverständiger machen, so wie es auch bei internationalen Reits und bei Immobilien-AGs in Deutschland gehandhabt wird.

mm: Wie kommt es, dass die Branche in Gestalt des Verbandes VGF, der die Lobbyarbeit in erster Linie betrieben hat, und dessen Mitglied Ihr Unternehmen ist, nicht auf so etwas drängt?

Hasselbring: Für den Verband insgesamt können wir natürlich nicht sprechen. Unser Haus plädiert klar für unabhängige Sachverständige, sonst macht die Bewertung keinen Sinn. Das ist allgemeiner Standard im gelisteten Markt und auch auf internationaler Ebene.

mm: Die Bewertung der Immobilien ist nur ein Beispiel. Weitere sind der Fremdkapitaleinsatz der Fonds, der ursprünglich deutlich stärker begrenzt werden sollte, oder die vorgeschriebene Mindestanlagesumme, die zunächst höher angesetzt worden war und dann gesenkt wurde. Weshalb sträubt sich die Fondsbranche gegen eine stärkere Regulierung und einen besseren Anlegerschutz, obwohl das doch das Image verbessern würde?

Hasselbring: Wenn wir beispielsweise vom Einsatz von Fremdkapital sprechen, so halten wir einen Einsatz von 60 Prozent, wie er jetzt vorgesehen ist, für wirtschaftlich nachhaltig und vertretbar. Wäre die Grenze, wie in den Jahren 2006 oder 2007 zum Teil zu sehen, bei 80 oder 90 Prozent, dann käme sicher eine spekulative Komponente hinein, die keinen Sinn macht. Aber 60 Prozent ist ein üblicher Standard, wie Sie ihn beispielsweise auch bei Immobilien-AGs finden.

mm: Wie ist es mit der Mindestanlagesumme? Ein Problem ist ja, dass immer wieder geschlossene Fonds in die Depots von Anlegern geraten, für die sie aufgrund der Vermögenslage eigentlich nicht geeignet sind. Meinen Sie, das lässt sich durch die jetzt gesetzte Untergrenze von 20.000 Euro verhindern?

Hasselbring: Ich glaube es nicht. Ob die Mindestanlagesumme eine halbe Million Euro oder 10.000 Euro beträgt, ist nicht entscheidend dafür, wie viel der Anleger von der Materie versteht. Die Fachkenntnisse eines Anlegers an der Mindestanlagesumme festzumachen, halte ich generell für naiv. Wichtig ist, inwieweit der Initiator die Interessen des Anlegers vertritt, und zwar während der gesamten Fondslaufzeit. Damit sind wir wieder bei der erfolgsorientierten Entlohnung, einer ganz wichtigen Komponente, die im Gesetz vergessen wurde.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH