Sonntag, 30. April 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Selbsterkenntnis Geringes Finanzwissen in Europa

Wo Griechenland noch topp ist: Bei der Selbsteinschätzung in Sachen Geldanlage, ergibt eine aktuelle Umfrage: Aber auch Deutschland ist nicht schlecht

Die meisten Europäer trauen den eigene Kenntnissen über Geldanlage nicht so recht über den Weg, ergibt eine aktuelle Untersuchung. Die Deutschen zeigen dabei noch Selbstbewusstsein - werden aber von den Österreichern und den Griechen in den Schatten gestellt.

Frankfurt am Main - Die Mehrheit der Europäer hält das eigene Wissen über Geldanlagen für unzureichend. Bei einer Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov stuften 58 Prozent der mehr als 11.000 Befragten ihre eigenen Kenntnisse auf dem Gebiet als "mittelmäßig" bis "schlecht" ein, wie die Initiative "Investmentfonds. Nur für alle" und der deutsche Fondsverband BVI mitteilten. Nur zwei Prozent bezeichneten sich als "ausgezeichnet" informiert, fünf Prozent als "sehr gut", 31 Prozent als "gut".

Die Deutschen schätzen ihr Wissen über Geldanlagen etwas besser ein: Immerhin 49 Prozent halten sich für "gut" oder "ausgezeichnet" informiert. Damit liegt Deutschland den Angaben zufolge auf Platz 3 der "Geldanlage-Kenner". Nur Österreicher und Griechen bewerten ihren Sachverstand höher.

"Die Finanzbildung breiter Schichten ist so lückenhaft, dass sie sinnvolle Finanzentscheidungen kaum eigenverantwortlich treffen können", kommentierte BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter die Ergebnisse der Umfrage.

Immerhin scheinen die Betroffenen dieses Problem erkannt zu haben: Mit 93 Prozent der Befragten wünscht sich eine deutliche Mehrheit der Europäer mehr Finanzbildung an den Schulen und in der Berufsausbildung, in Deutschland fordern dies sogar 94 Prozent. YouGov befragte für die Studie zwischen dem 4. und 26. Februar mehr als 11.000 Menschen in Europa, mindestens 1000 Teilnehmer pro Land.

Staatliche Rente genießt wenig Vertrauen

Die Mehrheit der Europäer hat einer weiteren Umfrage von Fondsverband BVI und der Initiative "Investmentfonds. Nur für alle" zufolge wenig Vertrauen in die staatliche Rente. 78 Prozent von rund 11.000 Befragten machen sich Sorgen, ob der Staat ihre Rente später noch bezahlen kann. 69 Prozent haben demnach Angst, im Alter zu verarmen. Besonders groß ist die Sorge in Ländern Südeuropas, die stark von der Schuldenkrise betroffen sind.

In Portugal und Italien befürchten den Angaben zufolge jeweils neun von zehn Befragten Armut im Alter, in Griechenland und Frankreich sind es mehr als 80 Prozent. Aber auch in wirtschaftsstarken Ländern sind die Bürger verunsichert: 63 Prozent der Deutschen haben Angst, im Ruhestand zu verarmen. Mehr als die Hälfte aller befragten Europäer (62 Prozent) sieht sich finanziell nicht in der Lage, privat für das Alter vorzusorgen. In Deutschland sehen 58 Prozent keinen Spielraum, private Rücklagen zu bilden.

Das Marktforschungsinstitut YouGov befragte im Auftrag von Publikumsfondsgesellschaften per Online-Fragebogen 11.268 Menschen in elf europäischen Ländern unter anderem zur privaten Altersvorsorge.

got/dpa

Nachrichtenticker

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH