Sonntag, 24. März 2019

Gemeinschaftskonto Ein Paar, ein Konto?

"Wir teilen alles": Ob verheiratet oder nicht - viele Paare führen ein gemeinsames Konto. Das hat Vorteile, birgt aber auch Risiken

Mein Geld, dein Geld - viele Paare richten ein gemeinsames Konto ein. Das "Oder-Konto" hat Vorteile, haftungsrechtlich aber erhebliche Folgen, sagt Expertin Stephanie Thomas im Interview. Achtung, auch der Fiskus schaut im Erb- oder Trennungsfall genau hin.

mm: Frau Thomas, um das liebe Geld diskutieren früher oder später die meisten Paare. Viele richten dann ein Gemeinschaftskonto ein. Was beschreibt dieses "Oder-Konto" im Kern?

Thomas: Das sogenannte Oder-Konto ist die gängigste Form des Gemeinschaftskontos mit mindestens zwei Kontoinhabern. Sie können unabhängig voneinander über das Konto verfügen. Jeder Inhaber kann einzeln Abhebungen und Zahlungen tätigen. Allerdings haften sie gemeinsam für die gesamten Schulden des Kontos. Die Bank kann sich für offene Forderungen an jeden einzelnen Kontoinhaber wenden.

mm: Stichwort Haftung: Was, wenn einer der Partner sich verschuldet. Lässt sich das gemeinsame Konto dann so ohne weiteres pfänden?

Thomas: Grundsätzlich ja. Einzelne Verfügungsberechtigungen über ein gemeinsames Konto haben eine enorme Tragweite. Bei einem Oder-Konto ist auch eine Pfändung möglich.

mm: Klären Banken über die haftungsrechtlichen Folgen eines Gemeinschaftskontos gut auf?

Thomas: Der Kunde wird in jedem Fall in den Kontounterlagen auf diese gesamtschuldnerische Haftung hingewiesen. Nicht immer erfolgt ein ausdrücklicher Hinweis im Bankgespräch.

mm: Ist es ratsam, alle Zahlungen über das gemeinsame Konto laufen zu lassen?

Thomas: So ein Gemeinschaftskonto hat sicherlich seine Vorzüge für den täglichen Zahlungsverkehr. Partner können Einkäufe und Anschaffungen bequem über das gemeinsame Konto tätigen. Bei größeren Gutschriften aber, die eindeutig dem Eigentum eines Kontoinhabers zuzurechnen sind, sollten die Paare oder Ehepartner aufpassen. Denn Sie müssen davon ausgehen, dass dem Fiskus größere Einzahlungen auf Dauer nicht verborgen bleiben. Das könnte dann teuer werden.

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