Montag, 20. November 2017

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Gemeinschaftskonto Ein Paar, ein Konto?

"Wir teilen alles": Ob verheiratet oder nicht - viele Paare führen ein gemeinsames Konto. Das hat Vorteile, birgt aber auch Risiken

3. Teil: Wie man Steuerfallen vermeidet

mm: Wo zieht die Rechtsprechung da die Grenzen, was notwendiger Lebensunterhalt und was bereits Vermögensaufbau ist?

Thomas: Das kommt zunächst einmal auf die individuellen Verhältnisse der Ehegatten an. Die Rechtsprechung zieht hier keine klaren Grenzen. Aus dem angesprochenen Urteil geht jedoch hervor, dass beispielsweise der Erwerb von Wertpapieren, von Immobilieneigentum und die Begleichung von Steuerverbindlichkeiten über die Bestreitung des Lebensunterhalts hinausgehen und eher dem Vermögensaufbau zuzuordnen sind.

mm: Was können Eheleute tun, damit sie mit einem Oder-Konto nicht in die Steuerfalle tappen?

Thomas: Die Partner sollten schriftlich die Verfügungsmöglichkeiten des Gemeinschaftskontos möglichst genau festlegen. Wer steuerrechtlich auf der sicheren Seite sein möchte, sollte hohe Einzahlungen auf ein Oder-Konto besser meiden. Alternativ lässt sich auch ein Einzelkonto mit einer Kontovollmacht einrichten.

mm: Vermutlich haben viele Ehepartner für das lange gemeinschaftlich genutzte Konto keine Regelung getroffen. Was empfehlen Sie diesen?

Thomas: Wenn auf das Gemeinschaftskonto größere Einzahlungen geflossen sind, sollten die Betroffenen dringend steuerrechtlichen Rat einholen. Es lässt sich möglicherweise gegensteuern und das Risiko einer steuerrechtlichen Schenkung durch einen Güterstandswechsel oder die Darlegung einer Treuhandabrede ausräumen.

mm: Bezieht sich das Bundesfinanzhof-Urteil auch auf nicht verheiratete Paare? Geben Sie hier den gleichen Rat?

Thomas: Da sich das Urteil nicht ohne weiteres auf unverheiratete Paare übertragen lässt, ist es hier umso wichtiger klare Vereinbarungen zwischen den Kontoinhabern zu treffen. Besonders kritisch: Der Fiskus gewährt unverheirateten Partnern untereinander nur einen Freibetrag von 20.000 Euro. Das Risiko einer steuerpflichtigen Schenkung an den Partner ist hier noch größer. Die Option eines Güterstandswechsels besteht natürlich nicht. Einziger Ausweg: Die Partner müssen mündliche Vereinbarungen glaubhaft machen, die die Verfügungsberechtigung des anderen Partners einschränken. Der Nachweis darüber ist in der Praxis naturgemäß sehr schwierig. Deshalb sollten nicht Verheiratete ein Oder-Konto mit besonderer Vorsicht führen.

mm: Jenseits des gemeinschaftlichen Girokontos - was gilt steuerrechtlich, wenn beide Partner Zugriff zum Beispiel auf ein Aktiendepot haben? Was empfehlen Sie hier?

Thomas: Ein gemeinsames Aktiendepot ist rechtlich nicht mit einem gemeinschaftlichen Oder-Konto vergleichbar. Die Verfügungsbefugnis über das Depot trifft keine Aussage darüber, wem die Wertpapiere tatsächlich gehören. Selbstverständlich ist auch hier Vorsicht geboten. Ich würde auch hier zu entsprechenden Vereinbarungen raten.

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