Sonntag, 23. Juli 2017

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Schwarzgeld "In den USA gibt es mit die größten Steueroasen"

Skyline von Miami: Die Florida-Metropole gilt als Hort von Drogengeldern - und wohl auch deutschen Schwarzgeldes

Ein globales Netz von über 100.000 Steuersündern, hunderte davon aus Deutschland - Hans-Lothar Merten überrascht das nicht. Der Schwarzgeldfachmann kündigt im Interview weitere spektakuläre Enthüllungen in der Zukunft an.

mm: Herr Merten, die Medien sind voll mit dem Thema Steuerhinterziehung und Schwarzgeld. Offenbar sind mehr als 100.000 Fälle öffentlich geworden, in denen Reiche und teils auch Prominente in Steueroasen Geld versteckt haben sollen. Darunter auch hunderte deutsche Personen, wie es heißt. Überrascht Sie das?

Merten: Nein, das überrascht mich überhaupt nicht. Das Thema ist ja nicht neu, nur die Dimension ist eine neue. Das ist praktisch eine Steigerung der CD-Geschichten, die es in den vergangenen Jahren mehrfach gab.

mm: Sie meinen den Ankauf von CDs mit Daten möglicher Steuerhinterzieher durch deutsche Behörden, den es schon häufiger gab.

Merten: Richtig. Das was jetzt bekannt wird, überrascht auch insofern nicht, weil es sich um eine logische Folge der politischen Entwicklung handelt. Nehmen Sie beispielsweise Panama, woher ja offenbar ein Teil der aktuellen Daten stammt. Das ist kein Zufall, denn in Panama wurde vor Kurzem das Firmenregister geöffnet.

mm: Das heißt?

Merten: Dadurch werden die Leute, die dort vor Jahren entsprechende Gesellschaften gegründet haben, auf dem falschen Fuß erwischt. Die haben sich auf die Anonymität verlassen, die ihnen damals zugesichert wurde. Viele Unternehmer oder Manager haben deshalb nicht aufgepasst und sind persönlich mit ihrem Klarnamen in die Scheinfirmen gegangen. Sie haben einfach nicht damit gerechnet, dass das irgendwann auffliegt.

mm: Und jetzt fliegt es auf.

Merten: Genau. Dadurch hat man jetzt auch die Echtnamen der Betroffenen. Ähnliches könnte demnächst auf den Cayman Islands passieren. Dort geht man ebenfalls dazu über, das Firmenregister aufzumachen. Allerdings kommen auf diese Weise meist nur Fälle zum Vorschein, die schon länger zurückliegen.

mm: Weshalb?

Merten: Vor etwa zehn Jahren wurden die Leute vorsichtiger. Sie haben wohl gemerkt, dass sich etwas tut, und haben begonnen, Strohleute dazwischenzuschalten. So etwas haben die Reichen bis vor einem Jahrzehnt jedoch regelrecht verdrängt.

mm: Sie erwarten also weitere Enthüllungen?

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