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28.03.2013
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Ölkonzerne
Warum "Big Oil" immer mehr auf Gas setzt

Von Arne Gottschalck

Handelssaal: Aktien der Ölmultis schwanken seit Jahresbeginn stark
REUTERS

Handelssaal: Aktien der Ölmultis schwanken seit Jahresbeginn stark

Für Ölmultis wie BP, Shell und Co. läuft es derzeit nicht rund. Liegt das nur an den sinkenden Ölpreisen - oder steckt mehr dahinter? Und wie sieht es mit Gasaktien aus? Ein Gespräch mit dem Energieexperten Frédéric van Parijs.

mm: Herr van Parijs, die Aktien großer Ölkonzerne wie BP oder Shell Chart zeigen sind im Frühjahr unter Druck geraten. Zeit für einen Abgesang auf "Big Oil"?

van Parijs: Nein. Es ist natürlich verlockend, sich als Investor allein auf die Nischenspieler zu konzentrieren, aber das wäre unklug. Denn die weniger ansprechenden, aber billigeren Bluechips in diesem Segment waren seit mehreren Quartalen die Outperfomer. Im Öl- und Gassektor ist es das beste, attraktive Bluechips mit Nischenspielern zu kombinieren.

mm: Rohstoffe erscheinen in Zeiten der Euro-Krise verlockend. Trotzdem machen viele Anleger einen Bogen um Big Oil.

van Parijs: Über die letzten Quartale haben Rohstoffe einiges ihrer Ausstrahlung verloren. Das Wachstum Chinas hat sich verlangsamt und deswegen schwand der Schwung der Rohstoffpreise. Zur gleichen Zeit stieg das Angebot einiger Rohstoffe wie zum Beispiel Eisenerz und das schuf noch höhere Volatilitäten. Öl dagegen war einer der stabileren Rohstoffe, weil sein Angebot streng von der Opec kontrolliert wird. "The next big thing" waren die Bluechip-Ölaktien nie, schon weil sie die Ressource nicht kontrolieren wie einige der großen Minengesellschaften. Die Kontrolle des Öls liegt fest in der Hand der Opec.

mm: Ist es eigentlich immer noch so einfach - hohe Preise sind gut für Ölunternehmen, niedrige schlecht?

van Parijs: Hohe Ölpreise unterstützen noch immer die Ölgesellschaften und deren Cashflows. Die Aktienkurse haben davon aber weniger profitiert. Der Markt fürchtet zwar nicht einen Crash des Ölpreises, aber er macht sich Sorgen über Wachstumsprobleme, Kosteninflation un steigende Kapitalintensivität. Trotz höherer Ölpreise ist die Profitabilität der Unternehmen also gesunken.

mm: Firmen wie BP versuchen sich auf eine grünere Zukunft einzustellen, nennen sich "beyond petroleum". Wie tief geht so ein Wandel?

van Parijs: Ölunternehme sind sich der Nachfrage nach einer "grüneren Zukunft" sehr wohl bewußt und reagieren auf ihre eigene Art. Der Markt sollte allerdings keine Solar- und Windinvestments von ihnen erwarten. Die Ölfirmen reagieren eher durch ein verstärktes Investment in Gas. Denn die Nachfrage nach Gas wächst viel starker als die nach Öl. Gas ist zwar auch nicht unbedingt "grün", aber sauberer. Die Anlage in Schiefergas und LNG passt in dieses Bild.

mm: Aber Fracking und Umwelt - geht das zusamen?

van Parijs: Die Auseinandersetzung zu diesem Thema läuft ja nun schon einige Jahre . Die größte Sorge ist die Verseuchung von Trinkwasser. Die US-Behörden "Department of Energy" (DOE) sowie der "Environmental Protection Agency" (EPA) haben das untersucht. Nachdem mehrere tausend Bohrungen gemacht wurden, gibt es keine Nachweise einer Verunreinigung, Der Abstand zwischen dem tiefgelegenen Schiefergas und dem Trinkwasserspiegel in höheren Schichten ist einfach zu hoch. Beide Schichten sind mehr als einen Kilometer getrennt. Freilich muss man bei der Fracking-Methode auch die Auswirkungen auf die Umwelt im Blick behalten. Denn das Verfahren benötigt eine Menge Wasser und Chemikalien.

mm: Und welche Bedeutung hat das Fracking für Energieaktien?

van Parijs: Eine signifikante, die weit über den Energiesektor hinausgeht. Vor allem senkt es die Energieabhängigkeit der USA, während es die Herstellung wettbewerbsfähiger macht. Die aktuelle Überversorgung mit Schiefergas zeigt, dass die Öl- und Gasproduzenten nicht notwendigerweise die großen Gewinner dieser Revolution sind. Dazu gehören derzeit Chemikalienproduzenten und sogar Raffinerien, überraschend viele sogar. Bis jetzt scheint es so zu sein, dass Big Oil und kleinere Hersteller mit der Geschwindigkeit der Schiefergasrevolution zu kämpfen haben. Viele sind dem Schiefergas hinterhergejagt, nur um festzustellen, dass die Preise kollabieren.

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Zur Person

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    Frédéric van Parijs ist Portfolio Manager bei ING Investment Management und verantwortet dort den ING (L) Invest Energy Aktienfonds - spezialisiert also auf Energieaktien.









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