Freitag, 22. März 2019

Pleitefirma Ex-Vorstände von Solar Millennium unter Beschuss

Solarkraftwerk Kalifornien: Solar Millennium hat Tausende geschädigter Anleger und Gläubiger zurückgelassen
Solar Millennium
Solarkraftwerk Kalifornien: Solar Millennium hat Tausende geschädigter Anleger und Gläubiger zurückgelassen

Erstmals haben Richter Anlegern der Pleitefirma Solar Millennium Schadensersatz zugesprochen. Investoren, die bereits etliche weitere Klagen vorbereiten, dürfen nun hoffen. Zahlen sollen die ehemaligen Manager der Solarfirma - es dürfte nicht ihre einzige Sorge sein.

Hamburg - Ungemach für ehemalige Vorstände der insolventen Solar Millennium AG - und Hoffnung für Anleger des Unternehmens: Mehr als ein Jahr nach der Pleite hat das Landgericht Nürnberg-Fürth soweit bekannt erstmals zwei Besitzern von Anleihen der Solarfirma Schadensersatz zugesprochen.

Die Kläger hatten jeweils rund 8000 Euro in eine 2009 auf den Markt gebrachte Inhaberteilschuldverschreibung von Solar Millennium investiert. Das Geld sollen ihnen die drei Vorstände, die seinerzeit bei dem Konzern am Ruder saßen und für die Prospekte verantwortlich zeichneten, nun zurückzahlen. Zur Begründung schreibt das Gericht, der Prospekt, der der Anleiheemission zugrunde lag, sei fehlerhaft gewesen. Über die Risiken der Anlage sei nicht richtig aufgeklärt worden (Az. 6 O 3556/12 und 6 O 4936/12).

Damit dürften zahlreiche Opfer der Insolvenz neue Hoffnung schöpfen. Mehr als 30.000 Geschädigte ließ die Pleite des Solarkonzerns Ende 2011 zurück (siehe Kasten links). Darunter befinden sich allein rund 16.000 Anleihezeichner, deren Forderungen sich nach Informationen von manager magazin online auf mehr als 235 Millionen Euro summieren. Geld, das in insgesamt fünf Inhaberteilschuldverschreibungen steckt, mit denen Solar Millennium seine Projekte finanzierte.

Hinzu kommen einige Hundert weitere Gläubiger, die beispielsweise auf offenen Rechnungen aus laufenden Projekten sitzen blieben. Und: der ehemalige Kurzzeit-Chef von Solar Millennium, Utz Claassen. Claassen wurde Anfang 2010 mit viel Geld an die Spitze des Unternehmens gelotst. Er schmiss den Job jedoch schon nach nur 74 Tagen spektakulär wieder hin.

Utz Claassen will 200 Millionen Euro Entschädigung

Nun sieht der vielseitige Manager, der auch Studenten unterrichtet, im Fußballgeschäft mitmischt und bereits einen Roman geschrieben hat, seinen Ruf geschädigt - und will dafür rund 200 Millionen Euro Wiedergutmachung haben. Noch weigert sich der Insolvenzverwalter von Solar Millennium, der Nürnberger Rechtsanwalt Volker Böhm von der Kanzlei Schultze & Braun, diese Forderung anzuerkennen.

Inklusive dessen, was Claassen gerne hätte, belaufen sich die Forderungen der Gläubiger nach Informationen von manager magazin online auf insgesamt etwas mehr als eine halbe Milliarde Euro.

Dass sie all ihr Geld wiedersehen, ist jedoch wohl ausgeschlossen. Nachdem Insolvenzverwalter Böhm einen Vergleich über das US-Geschäft von Solar Millennium erzielt hatte, ließ er zuletzt verlauten, es könne "inzwischen mit einer substanziellen Quote" gerechnet werden. Selbst darauf müssen die Geldgeber allerdings noch lange warten, denn Experten zufolge wird sich das Verfahren noch Jahre hinziehen.

Kein Wunder also, dass viele Anleger versuchen, auf dem Rechtsweg weiter zu kommen. Die beiden Fälle, in denen Investoren jetzt erfolgreich waren, sind lediglich die Spitze des Eisbergs. Nach Informationen von manager magazin online haben bundesweit bereits mehrere hundert Anleihezeichner von Solar Millennium Anwälte aufgesucht. Zahlreiche Klagen wurden eingereicht, es läuft eine zweistellige Zahl an Prozessen. Weitere stehen bevor.

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