Donnerstag, 27. Juli 2017

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Brandbeschleuniger ETF Wie Indexfonds das Finanzsystem destabilisieren

"Flash-Crash": Die Gefahren von ETF-Verkäufen zeigten sich deutlich am 6. Mai 2010, als der Dow Jones binnen Minuten fast 1000 Punkte verlor

Die Scope-Studie wird kaum dazu führen, dass Anleger künftig den ETFs den Rücken kehren. Doch genau darauf hoffen zahlreiche Finanzexperten. Denn die kostengünstigen Indexfonds wirken wie ein Turbo auf die Entwicklung an den Börsen.

Hamburg - Der Grund: Geht es an den Börsen aufwärts, steigen Investoren über computergestützte Handelssysteme in ETFs ein und treiben somit sämtliche Aktien eines Index ungeachtet der tatsächlichen Ertragslage der einzelnen Unternehmen in die Höhe. Kippen dagegen die Märkte, ziehen Profiinvestoren sofort ihr Kapital aus den Indexfonds ab und lassen so sämtliche Aktienkurse stürzen - auch die von bestens aufgestellten Unternehmen mit hohen Gewinnerträgen.

"Das Wachstum der ETFs hat nicht nur zu erheblichen Ineffizienzen an den Börsen geführt", kritisiert Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank. "Die Indexfonds können zu Brandbeschleunigern werden, die aus Kurseinbrüchen regelrechte Crashs werden lassen."

Diese Gefahr sehen auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich und der Finanzstabilitätsrat, eine internationale Organisation der 20 größten Industrie- und Schwellenländer zur Überwachung der internationalen Kapitalmärkte. In Verbindung mit computergestützten Handelssystemen könnten ETFs in kürzester Zeit die Kapitalmärkte ins Wanken bringen, fürchten deren Experten.

Welche Gefahren drohen, zeigte eindrucksvoll der sogenannte Flash Crash, der "Blitzeinbruch" vom 6. Mai 2010 an der New Yorker Börse. Innerhalb von sechs Minuten stürzte der Index Dow Jones Börsen-Chart zeigen um fast 1000 Punkte in die Tiefe. Mehr als 1,3 Milliarden Aktien wurden durch computergestützte ETF-Verkäufe in dieser Zeit gehandelt.

Anschließend trieben Kauforders die Kurse zwar wieder in die Höhe. Es gibt jedoch keine Garantie, dass dies bei einem erneuten Blitzeinbruch wieder geschehen wird. "Die von internationalen Aufsehern adressierten Risiken existieren", lautet denn auch das Fazit einer Studie der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). In Marktkrisen könnten Indexfonds als "Brandbeschleuniger wirken". Die Gefahr für die Stabilität der Finanzmärkte werde weiter zunehmen, "wenn sich das Wachstum der ETFs in unvermindertem Tempo fortsetzt".

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