Sonntag, 30. April 2017

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Offenlegungspflicht Wie Banken bei Provisionen tricksen

Finanzberater: Sie versprechen viel, das eigene Gewinninteresse kaschieren sie gern - und greifen dabei zu neuen Tricks, sagen Verbraucherschützer

Verkaufen Bankberater Wertpapiere, müssen sie die Kunden über Provisionen informieren. Dieser Pflicht entziehen sich die Institute offenbar zusehends durch einen Trick. Der BGH hat die Praxis bereits sanktioniert. Für eine transparente Finanzberatung sehen Verbraucherschützer jetzt schwarz.

Hamburg - Vorsorgesparer in Deutschland verlieren durch schlechte Finanzberatung und undurchsichtige Produkte viel Geld. Die Bundesregierung schätzt die Vermögensschäden auf 20 bis 30 Milliarden Euro jährlich, einzelne Wissenschaftler taxieren die Schäden gar auf das Doppelte. Verbraucherschützer machen dafür primär den provisionsgetriebenen Beratungs- und Verkaufsprozess verantwortlich.

Oft sind es gerade die hochkomplexen und riskanten Finanzprodukte, die die höchste Provision abwerfen. Darüber haben Banken und Sparkassen in der Vergangenheit ihre Kunden vielfach gar nicht informiert oder zumindest unvollständig und unverständlich. Hätten sie es getan, wie es ihre Pflicht ist, viele Kunden hätten das Eigeninteresse der Bank vermutlich besser erkannt und zum Beispiel keine riskanten Lebensversicherungsfonds gekauft, würden nun nicht zu Hunderten gegen die vermittelnden Sparkassen klagen.

Wenn im Einzelfall bis zu 20 Prozent des Anlagebetrags - etwa bei geschlossenen Fonds - als Verkaufsprovision an das vermittelnde Finanzinstitut fließen, liegt es nahe, dass Bankberater darüber und die Risiken des Investments nicht genau aufklären, wie Kritiker beklagen und Gerichte in diesem Kontext Vorwürfe der Falschberatung immer wieder prüfen müssen. Verbraucherschützer fordern daher, die auf Provisionen basierte Beratung und Vermittlung im Finanzvertrieb schlicht zu verbieten.

Pünktlich zum Weltverbrauchertag am 15. März erneuert der Bundesverband Verbraucherzentralen (Vzbv) seine Forderung nach einem Provisionsverbot, wie es bereits in Großbritannien und den Niederlanden seit Anfang dieses Jahres besteht. "Die provisionsfinanzierte Beratung und Vermittlung von Finanzprodukten ist eine andauernde Quelle von Interessenkonflikten und unzulänglichen Kundenberatungen. Immer neue Vorschriften hegen sie bestenfalls ein, beseitigen sie aber nicht", sagt Vzbv-Chef Gerd Billen.

"Provisionen eine ständige Quelle von Interessenkonflikten"

Für ein Provisionsverbot im Finanzvertrieb gibt es in Deutschland keine politische Mehrheit. Die Regierung versucht aber der Honorarberatung als Alternative zum provisionsbasierten Vertrieb den Weg zu ebnen. Ein halbherziger Ansatz, denn das Gesetz erfasst nur einen Teil der Finanzprodukte. Auch muss die Finanzindustrie keine provisionsfreien Tarife für ihre Produkte anbieten. Ohne diese Nettotarife kann Honorarberatung aber nicht wirklich gedeihen. Die Pflicht des Honorarberaters, Provisionen dann an den Kunden durchzuleiten, verhindere zudem keine Interessenkonflikte, kritisieren Verbraucherschützer.

Aus ihrer Sicht sind dies schlechte Voraussetzungen, damit sich eine ergebnisoffene, an den Kundenbedürfnissen und nicht an provisionsträchtigen Produkten orientierende Finanzberatung in Deutschland durchsetzen kann. "So lange Vermittler und Vertriebe ihre Beratung im Zuge des lukrativen Provisionsgeschäfts betreiben können, so lange werden sie alles daran setzen, dass die Honorarberatung am Markt nicht über ein Nischendasein hinauskommt", ist Arno Gottschalk überzeugt. Das habe die Erfahrung in anderen Ländern gezeigt, untermauert der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen die Forderung nach einem Provisionsverbot.

Ein Verbot sei um so dringlicher, als Geldinstitute zusehends versuchten, sich ihrer Pflicht zur Offenlegung von Provisionen zu entziehen. Statt in Kommission verkauften sie die Papiere nun vermehrt im Zuge so genannter Festpreisgeschäfte, sind die Verbraucherschützer nach einer Umfrage unter 126 Banken, Sparkassen und Finanzvertrieben überzeugt. Für den Kunden ist das nicht unerheblich. Denn die Offenlegungspflicht erstreckt sich nur auf Kommissionsgeschäfte.

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