Alternde Gesellschaftmanager magazin RSS  - Alternde Gesellschaft

Alle Artikel und Hintergründe


25.02.2013
Twitter GooglePlus Facebook

Dax-Pensionspläne
Die 156-Milliarden-Euro-Lücke

Von Lutz Reiche

Betriebsrente: Die Pensionsverpflichtungen allein der 30 Dax-Konzerne sind 2012 auf 317 Milliarden Euro in die Höhe geschnellt.
dpa

Betriebsrente: Die Pensionsverpflichtungen allein der 30 Dax-Konzerne sind 2012 auf 317 Milliarden Euro in die Höhe geschnellt.

Das Zinstief schlägt voll auf die Bilanzen der Dax-Konzerne durch. Zwischen ihren Pensionszusagen und dafür reserviertem Vermögen klafft eine Lücke von 156 Milliarden Euro. Verfechter der Betriebsrente sehen keinen Grund zur Sorge. Beschäftigte und Aktionäre sollten dagegen genau hinschauen.

Hamburg - Die Deckungslücken in den Pensionsplänen von Dax- und MDax-Konzernen haben sich zum Ende 2012 drastisch vergrößert. Der Grund: Der historisch niedrige Rechnungszins ließ den Wert laufender und künftiger Betriebsrenten deutlich anschwellen.

Zwar legten wegen der guten Kursentwicklung an den Anlagemärkten die Pensionsvermögen deutlich zu. So erzielten die Anlagestrategen mit dem für Betriebsrenten zurückgelegten Vermögen Anlagerenditen von knapp 12 Prozent. Doch der Vermögenszuwachs reichte bei weitem nicht aus, um den Deckungsgrad der Ansprüche zu halten geschweige zu erhöhen, berichten die Berater von Towers Watson in ihrem jüngsten "German Pension Finance Watch".

Nach Hochrechnungen der Spezialisten für die betriebliche Altersvorsorge schnellten die Pensionsverpflichtungen der Dax-30-Konzerne um fast ein Viertel auf 317 Milliarden Euro in die Höhe. Den Verpflichtungen standen Vermögenswerte von 184 Milliarden Euro gegenüber, so dass in den Pensionsplänen eine Deckungslücke von 133 Milliarden Euro klaffte und die Ansprüche nur noch zu 57,9 Prozent (2011: 65,6) gedeckt waren.

In den Pensionsplänen der MDax-Gesellschaften kletterten die Verpflichtungen auf 41 Milliarden Euro (2011: 34). Dem standen 18 Milliarden Euro pensionsspezifische Vermögenswerte gegenüber, so dass der Deckungsgrad im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozentpunkte auf 43,9 Prozent absackte.

Towers Watson führt die drastisch vergrößerten Deckungslücken in den Pensionsplänen der Konzerne primär auf den deutlich gefallenen Rechnungszins zurück. Zum Stichtag 31. Dezember 2012 habe er bei 3,35 Prozent gelegen und damit 140 Basispunkte niedriger als ein Jahr zuvor.

Niedriger Rechnungszins treibt die Verpflichtungen nach oben

Zum Hintergrund: Die Pensionsverpflichtungen erfassen den Wert laufender und künftiger Betriebsrenten. Künftige Leistungen erfassen die Konzerne in ihren Bilanzen mit dem Gegenwarts- oder sogenannten Barwert. Der Gegenwartswert einer Rentenverpflichtung errechnet sich durch Abzinsung, so genannte Diskontierung - zudem fließen statistische Größen wie Lebenserwartung mit in die Berechnung ein.

Der verwendete Rechnungszins orientiert sich an der Umlaufrendite von Anleihen guter Bonität. Diese schwankt laufend, damit auch der für die Berechnung des Barwerts verwendete Zinssatz und in letzter Konsequenz der in der Bilanz anzusetzende Gegenwert der Pensionsverpflichtungen. Das heißt, er steigt, wenn der Rechnungszins sinkt. Er sinkt, wenn der Rechnungszins steigt.

Folglich kann die marktnahe Bewertung der Pensionsverpflichtungen erhebliche Unruhe in die Unternehmensbilanzen bringen, betont Experte Thomas Jasper von Towers Watson. So habe der Rechnungszins Ende Januar bereits wieder bei 3,7 Prozent gelegen. Hätte man dieses Niveau Ende 2012 zugrunde gelegt, wären die Pensionsverpflichtungen rechnerisch niedriger ausgefallen. Der Ausfinanzierungsgrad der Dax-Pensionspläne hätte dann bei rund 60 Prozent gelegt.

"Das historische Zinstief wurde ausgerechnet zum Bilanzierungsstichtag 31. Dezember 2012 erreicht", betont der Experte. Den leichten Zinsanstieg bewertet Jasper vorsichtig optimistisch. Bliebe es dabei, würde sich damit das angespannte Umfeld für die Pensionswerke entspannen.

Richtig ist aber auch, dass der Rechnungszins in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken ist. Pensionskassen und andere betriebliche Vorsorgeträger sind dabei großen Herausforderungen ausgesetzt. Das gilt vor allem dann, wenn Unternehmen in der Vergangenheit ihren Beschäftigten hohe Rentenzusagen mit festen Zinsgarantien - teilsweise bis zu 7 Prozent - gemacht haben.

Zur Startseite
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • deli.cio.us
  • Pinterest

Weitere Artikel zu Diesem Thema

Bundesarbeitsgericht
Ältere dürfen mehr Urlaub machen
Erst Karriere, dann Kinder
FB und Apple zahlen fürs Einfrieren von Eizellen
Statistik
Pensionäre sind die größten Vermögensgewinner
Mexikanischer Milliardär
Carlos Slim wirbt für Drei-Tage-Woche

© manager magazin online 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH





Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Handytarifvergleich:
Finden Sie den passenden Tarif
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Tablet Tarifvergleich:
Surfen Sie günstiger