Sonntag, 2. August 2015

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S&K-Gutachter in Haft Anlageskandal bringt Bundesregierung unter Druck

Polizei bei S&K in Frankfurt: Der Anlageskandal könnte Bewegung in die Finanzmarktregulierung bringen

Unter den Hauptverdächtigen, die bei der Razzia gegen die S&K-Gruppe verhaftet wurden, ist auch deren wichtigster Immobiliengutachter. Damit strahlt der Anlageskandal bis nach Berlin, wo zurzeit über die Kontrolle des grauen Kapitalmarktes verhandelt wird - auch über die Gutachter.

Hamburg - Für ausschweifende Partys mit Prominenten sei einmal ein Elefant engagiert worden, schreibt die "Wirtschaftswoche". Für 20.000 Euro, so das "Hamburger Abendblatt", wurde angeblich ein Wassertherapiebecken gekauft - für Hunde. Und die "Bild" weiß zu berichten, die "Protz-Typen" von S&K hätten "Schampus-Partys mit halbnackten Models" gefeiert und in "Protz-Villen" residiert.

Ganz Deutschland weiß inzwischen, wo die Millionen gelandet sind, die die Frankfurter S&K-Gruppe mit ihren Komplizen ergaunert haben soll. Dass die Ermittler bei ihrer Großrazzia nach eigenen Angaben auch säckeweise Bargeld fanden, passt da nur allzu gut ins Bild.

Doch ganz so simpel ist es nicht. Zum mutmaßlichen "System S&K", bei dem laut Justiz ein Schaden in dreistelliger Millionen-Euro-Höhe entstanden sein soll, gehörte mehr als eine gut geschmierte Maschinerie von Finanzvertrieben, die Privatleuten das Geld für Immobilieninvestments aus der Tasche zogen, mit Zinsversprechen von bis zu 12 Prozent pro Jahr.

Sechs Hauptverdächtige wurden am Dienstag aufgrund von Haftbefehlen festgenommen. Lediglich vier davon waren nach Informationen von manager magazin online Leute aus der Kapitalanlagebranche, nämlich die beiden S&K-Gründer Jonas K. und Stephan S. sowie Hauke B. und Thomas G., Geschäftsführer des Hamburger Fondsemissionshauses United Investors, das mit S&K kooperierte. Diese vier dürften für den Finanzfluss im vermuteten Schneeballsystem der Gruppe gesorgt haben.

Gutachter im Zwielicht

In Haft kamen nach Informationen von manager magazin online aber auch: Der Rechtsanwalt Igor P. und der Diplom-Ingenieur und Architekt Bernd Z., beide aus Frankfurt am Main.

Welche Rolle spielten also diese beiden? Zu Anwalt P. nur so viel: Er schickte noch eine knappe Woche vor der Razzia und seiner Festnahme eine umfangreiche Mail an manager magazin online, in der unter anderem eine "unbedingte Ankündigung" juristischer Schritte enthalten war - ein offenkundiger Einschüchterungsversuch, der allerdings ins Leere lief.

Wichtiger erscheint dagegen Architekt Z. für S&K gewesen zu sein. Schon Ende 2012 enthüllte manager magazin online Zs. Aktivitäten für die Gruppe: Aus der Feder des Ingenieurs stammt ein Großteil der Gutachten, auf deren Grundlage die Immobiliengruppe ihren Bestand bewertete. Dabei mogelte Z. augenscheinlich bei der Immobilienbewertung, wodurch S&K den eigenen Bestand offenkundig künstlich aufblähen konnte.

Weder von Z. noch von den anderen Beschuldigten oder den Unternehmen war auf Anfrage eine Stellungnahme zu den Vorwürfen zu bekommen. Schon früher hatten Z. sowie S&K allerdings einen Teil der Vorwürfe gegenüber manager magazin online zurückgewiesen. Sollten die Betrugsvorwürfe gegen S&K jedoch stimmen, so dürfte Z. einen gehörigen Teil dazu beigetragen haben.

Die Krux dabei ist: Damit gerät längst nicht zum ersten Mal ein Immobiliengutachter ins Zwielicht. Jahr für Jahr werden bundesweit zahlreiche Häuser, Wohnungen oder Anteile an Immobilienfonds an Kapitalanleger verkauft, die später nicht die erhoffte Rendite abwerfen. Das betroffene Anlagevolumen geht weit in die Milliarden. Grund für die Enttäuschung sind Experten zufolge nicht selten Sachverständigengutachten, die den Immobilien unrealistische Werte zuschreiben.

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