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22.02.2013
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S&K-Gutachter in Haft
Anlageskandal bringt Bundesregierung unter Druck

Von Christoph Rottwilm

Polizei bei S&K in Frankfurt: Der Anlageskandal könnte Bewegung in die Finanzmarktregulierung bringen
DPA

Polizei bei S&K in Frankfurt: Der Anlageskandal könnte Bewegung in die Finanzmarktregulierung bringen

Unter den Hauptverdächtigen, die bei der Razzia gegen die S&K-Gruppe verhaftet wurden, ist auch deren wichtigster Immobiliengutachter. Damit strahlt der Anlageskandal bis nach Berlin, wo zurzeit über die Kontrolle des grauen Kapitalmarktes verhandelt wird - auch über die Gutachter.

Hamburg - Für ausschweifende Partys mit Prominenten sei einmal ein Elefant engagiert worden, schreibt die "Wirtschaftswoche". Für 20.000 Euro, so das "Hamburger Abendblatt", wurde angeblich ein Wassertherapiebecken gekauft - für Hunde. Und die "Bild" weiß zu berichten, die "Protz-Typen" von S&K hätten "Schampus-Partys mit halbnackten Models" gefeiert und in "Protz-Villen" residiert.

Ganz Deutschland weiß inzwischen, wo die Millionen gelandet sind, die die Frankfurter S&K-Gruppe mit ihren Komplizen ergaunert haben soll. Dass die Ermittler bei ihrer Großrazzia nach eigenen Angaben auch säckeweise Bargeld fanden, passt da nur allzu gut ins Bild.

Doch ganz so simpel ist es nicht. Zum mutmaßlichen "System S&K", bei dem laut Justiz ein Schaden in dreistelliger Millionen-Euro-Höhe entstanden sein soll, gehörte mehr als eine gut geschmierte Maschinerie von Finanzvertrieben, die Privatleuten das Geld für Immobilieninvestments aus der Tasche zogen, mit Zinsversprechen von bis zu 12 Prozent pro Jahr.

Sechs Hauptverdächtige wurden am Dienstag aufgrund von Haftbefehlen festgenommen. Lediglich vier davon waren nach Informationen von manager magazin online Leute aus der Kapitalanlagebranche, nämlich die beiden S&K-Gründer Jonas K. und Stephan S. sowie Hauke B. und Thomas G., Geschäftsführer des Hamburger Fondsemissionshauses United Investors, das mit S&K kooperierte. Diese vier dürften für den Finanzfluss im vermuteten Schneeballsystem der Gruppe gesorgt haben.

Gutachter im Zwielicht

In Haft kamen nach Informationen von manager magazin online aber auch: Der Rechtsanwalt Igor P. und der Diplom-Ingenieur und Architekt Bernd Z., beide aus Frankfurt am Main.

Welche Rolle spielten also diese beiden? Zu Anwalt P. nur so viel: Er schickte noch eine knappe Woche vor der Razzia und seiner Festnahme eine umfangreiche Mail an manager magazin online, in der unter anderem eine "unbedingte Ankündigung" juristischer Schritte enthalten war - ein offenkundiger Einschüchterungsversuch, der allerdings ins Leere lief.

Wichtiger erscheint dagegen Architekt Z. für S&K gewesen zu sein. Schon Ende 2012 enthüllte manager magazin online Zs. Aktivitäten für die Gruppe: Aus der Feder des Ingenieurs stammt ein Großteil der Gutachten, auf deren Grundlage die Immobiliengruppe ihren Bestand bewertete. Dabei mogelte Z. augenscheinlich bei der Immobilienbewertung, wodurch S&K den eigenen Bestand offenkundig künstlich aufblähen konnte.

Weder von Z. noch von den anderen Beschuldigten oder den Unternehmen war auf Anfrage eine Stellungnahme zu den Vorwürfen zu bekommen. Schon früher hatten Z. sowie S&K allerdings einen Teil der Vorwürfe gegenüber manager magazin online zurückgewiesen. Sollten die Betrugsvorwürfe gegen S&K jedoch stimmen, so dürfte Z. einen gehörigen Teil dazu beigetragen haben.

Die Krux dabei ist: Damit gerät längst nicht zum ersten Mal ein Immobiliengutachter ins Zwielicht. Jahr für Jahr werden bundesweit zahlreiche Häuser, Wohnungen oder Anteile an Immobilienfonds an Kapitalanleger verkauft, die später nicht die erhoffte Rendite abwerfen. Das betroffene Anlagevolumen geht weit in die Milliarden. Grund für die Enttäuschung sind Experten zufolge nicht selten Sachverständigengutachten, die den Immobilien unrealistische Werte zuschreiben.

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S&K kontrolliert Immobilienfonds

  • DCM
    Ende 2012 veröffentlichte die Münchener DCM AG eine Pressemitteilung, mit der sie darüber informierte, dass sie die Tochtergesellschaften DCM Service GmbH sowie DCM Verwaltungs GmbH bereits Mitte des Jahres verkauft hat. Käufer war die S&K Assets GmbH aus Frankfurt am Main, eine Gesellschaft der S&K Unternehmensgruppe.
    Die DCM Service GmbH war bis dato für die Anlegerbetreuung nahezu aller Fonds der DCM AG zuständig. Die DCM Verwaltungs GmbH hatte die Funktion der Komplementärin in nahezu allen von DCM seit 1999 aufgelegten Fonds. Faktiv kontrolliert S&K damit das Management noch laufender DCM-Immobilienfonds mit einem Volumen von nach Berechnung von manager magazin online rund 2,3 Milliarden Euro.
  • SHB
    Ende vergangenen Jahres übernahm S&K auch die Kontrolle über das Emissionshaus SHB sowie über das Management der SHB-Immobilienfonds. Der eigenen Website zufolge hat SHB bislang sechs Immobilienfonds aufgelegt. Zehntausende Anleger dürften im Laufe der Jahre einen mittleren bis hohen dreistelligen Millionenbetrag in die Fonds eingezahlt haben. Insgesamt stehen die SHB-Fonds nach Unternehmensangaben für ein Investitionsvolumen von rund 1,8 Milliarden Euro.

So fließen Anlegergelder an S&K

  • Sachwert & Partner
    Die Gesellschaft Sachwert & Partner S+P Management AG als Teil der S&K-Gruppe fungiert nach eigener Darstellung als Servicegesellschaft für die Asset Trust AG sowie die Deutsche Sachwert Emissionshaus AG. Asset Trust betrieb zumindest in der Vergangenheit ein umstrittenes Geschäft mit "gebrauchten" Lebensversicherungspolicen. Dabei wurden, kurz gesagt, Versicherte dazu bewegt, laufende Police gegen Investments in S&K zu tauschen. Über die Deutsche Sachwert Emissionshaus AG beteiligen sich Anleger in verschiedenen Modellen ebenfalls am S&K-Geschäft.
  • United Investors
    Auch Gelder aus geschlossenen Fonds stecken in der S&K-Gruppe. Eine Kooperation mit dem Hamburger Emissionshaus United Investors etwa brachte bislang schätzungsweise einen zweistelligen Millionenbetrag. United Investors hat bislang drei Fonds aufgelegt, über die Anleger in S&K investieren.
  • Midas
    Die Übernahme der Midas-Gruppe durch S&K führte ebenso zu zusätzlichen Mittelzuflüssen. Das Emissionshaus Midas ist spezialisiert auf Private-Equity- beziehungsweise Mittelstandsfonds. Insgesamt sechs solcher Beteiligungsgesellschaften mit einem Gesamtvolumen von 80 bis 100 Millionen Euro hat das Unternehmen bereits am Markt untergebracht.

    Seit Midas-Gründer Axel Bauer das Fondshaus im Jahr 2011 in die Hände von Schäfer und Köller übergab, fließt zumindest ein Teil der Gelder auch in deren Immobiliengeschäfte. Das können die Anleger allerdings offenbar durchaus kritisch sehen, wie ein Beispiel zeigt.

    Nach Gesellschafterbeschluss werden die liquiden Mittel des Midas Mittelstandsfonds Nr. 2 seit Kurzem der S&K-Tochter S&K Assets GmbH zur Verfügung gestellt. "Da die S&K Assets GmbH weitere Darlehen zur Finanzierung aufgenommen hat, kann das Unternehmen die Mittel des Fonds nutzen, um ihre eigenen Schulden zu befriedigen", sagt Rechtsanwalt Marc Gericke von der Kanzlei Göddecke in Siegburg, der bereits einen Midas-Anleger vertritt. Hinzu kommt: Aufgrund von Verflechtungen innerhalb der S&K-Gruppe, müssen die Fondsanleger nach Angaben von Gericke möglicherweise auch für Verbindlichkeiten der S&K Assets GmbH aufkommen, die sie überhaupt noch nicht kennen.

    "Die Darlehensverbindlichkeiten der S&K Assets GmbH werden erst in sechs Jahren fällig und können gemäß Darlehensvertrag nicht früher getilgt werden", erwidert darauf S&K-Chef Jonas Köller. "Demnach könnten wir nicht einmal diese Verbindlichkeiten aus Midas-Mitteln bedienen, selbst wenn das beabsichtigt wäre." Die über Midas erhaltenen Mittel seien "ordnungsgemäß im Rahmen unserer Investmentstrategie" eingesetzt worden.







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