Dienstag, 28. Juli 2015

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Geldanlage in der Krise Wie Stiftungen ihr Vermögen schützen

Stiftungen: Das Kreuz mit der Sicherheit
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REUTERS

Stiftungsverwalter hüten allein in Deutschland ein Vermögen in Höhe von mehr als 100 Milliarden Euro. Und sie sind konservativen Investments verpflichtet. Wie sieht ihr Schutz gegen die Krise aus?

Hamburg - Es ist ein verschwiegenes Geschäft. Stiftungsmanager verwalten das Geld von Stiftungen. Das können Riesen wie die Bertelsmann Stiftung sein oder die Stiftung Deutscher Sporthilfe, aber auch Kleine. Und sie müssen dabei strengen gesetzlichen Auflagen genügen. Auf der einen Seite sollen sie das Geld so anlegen, dass der Stiftungszweck gewährleistet bleibt - sprich, dass regelmäßig Geld beispielsweise für den Tierschutz verdient wird. Auf der anderen Seite muss dabei das Postulat des Kapitalerhalts beachtet werden

Um diese Balance zu stören, bedarf es nicht viel. Eine Leitzinsanhebung hier oder eine schlechte Unternehmenskennzahl dort - schon kann das Gefüge ins Wanken geraten. Die Lenker der Stiftungsvermögen - oftmals Vermögensverwalter - tun entsprechend alles, um diese Schwankungen so gering wie möglich zu halten. Und das ist 2013 ähnlich schwierig wie im Vorjahr, ergibt eine exklusive Umfrage von manager magazin Online.

Beispiel Anleihen. Eigentlich sind diese Papiere für konservative Investoren eine feine Sache, mit ihren regelmäßigen Verzinsung und am Ende steht die Rückzahlung des Kapitals. Bis zuletzt. "Viele Stiftungsvermögen sind zu einem großen Teil in festverzinslichen Wertpapieren investiert", sagt Peter Reichel, Leiter Private Vermögensverwaltung der Berenberg Bank. "Im Einklang mit den seit Jahren fallenden Zinsen hat sich auch die Höhe der Kupons neu emittierter Anleihen spürbar reduziert.

Im Falle eines Zinsanstiegs könnten im Stiftungsvermögen Kursverluste bei Anleihen entstehen, die durch die Höhe des Kupons performanceseitig nicht kompensiert würden. Die Herausforderung in der Vermögensverwaltung von Stiftungsvermögen ist daher, die Ausschüttungspotenziale ordentlicher Erträge zu erhöhen und einen Substanzverlust im Falle eines Zinsanstiegs weitestgehend zu vermeiden." Mit anderen Worten: Mit Anleihen ist kein Staat mehr zu machen. Das stellt die Stiftungslenker vor eine ganz eigene Herausforderung.

"Wege ins Risiko"

Denn der Weg "ins Risiko", also zum Beispiel eine rigorose Steigerung des Aktienanteils, ist ihnen verbaut. So formuliert beispielsweise das Hamburgische Stiftungsgesetz lapidar in § 4 Absatz II Satz 2: Das Stiftungsvermögen "ist sicher und ertragbringend anzulegen; Umschichtungen sind in diesem Rahmen zulässig."

Mit anderen Worten, ein Stiftungsmanager kann sich auf Aktien werfen, wenn diese Ausrichtung den Gesamtcharakter des Portfolios - "sicher und ertragbringend" - nicht verzerrt. Doch wenn vergleichsweise sichere Anleihen nach Inflation nur noch einen Vermögensverlust bedeuten, dann müssen die Aktien es reißen - die gleichfalls Risiken bergen. Kein Wunder, dass sich behutsam formulierte Kritik an dem Gesetz regt.

"Es wäre wünschenswert", sagt zum Beispiel Martina Erlwein, Leiterin des Stiftungs-Office der Berenberg Bank, "weniger Augenmerk auf den Kapitalerhalt innerhalb eines Kalenderjahres zu legen, sondern hier eine höhere Flexibilität wie zum Beispiel Kapitalerhalt über den Zeitraum mehrerer Jahre zu ermöglichen." Deutlicher wird Chistian Gritzka von der Knapp Voith Vermögensverwaltung. "Der gesetzlich gewollte Schutz und Erhalt des Stiftungskapitals ist ohne Frage sinnvoll und wichtig, funktioniert aber in einer Zeit ohne sichere Anlagen und mit rekordtiefen Zinssätzen nicht mehr, ohne real Vermögen zu vernichten. Investitionen am Kapitalmarkt, die zu einem mittel- und langfristigen, realen Vermögenserhalt führen, können im heutigen Kapitalmarktumfeld nicht mehr ohne Risiken getätigt werden."

Doch selbst wenn der Gesetzgeber reagieren würde - bis dahin müssen die Vermögen noch nach den geltenden Bestimmungen verwaltet werden. Und die Verwalter den Spielraum so weit wie möglich nutzen.

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