Japanmanager magazin RSS  - Japan

Alle Artikel und Hintergründe


07.02.2013
Twitter GooglePlus Facebook

Währungskrieg
Yen-Verfall bringt Japan in Schwung

Von Arvid Kaiser

Shinkansen-Haltestelle in Tokio: Japans Premier entmachtet die Geldhüter - um die Wirtschaft wieder in Fahrt zu bringen
DPA

Shinkansen-Haltestelle in Tokio: Japans Premier entmachtet die Geldhüter - um die Wirtschaft wieder in Fahrt zu bringen

Die neue japanische Regierung stellt die bisherige Geldordnung auf den Kopf. Um den Niedergang der Exportnation zu stoppen, will sie die Rückkehr der Inflation sowie einen günstigeren Yen-Kurs erzwingen. Bisher kann sie Erfolg verbuchen - einige Pleitekandidaten erwachen zu neuem Leben.

Hamburg - Für Liberale ist Shinzo Abe ein Graus. Der neugewählte Premierminister Japans verehrt Weltkriegsverbrecher des Kaiserreichs, sucht die Konfrontation mit den damaligen Kriegsopfern und heutigen Rivalen Korea und China, und er will die alte Japan Inc. - die jahrzehntelang herrschende Dreifaltigkeit aus seiner Liberaldemokratischen Partei, der Ministerialbürokratie und den Industriekonglomeraten - wiederherstellen. Trotzdem jubelt der liberale US-Ökonom Paul Krugman in seinem Blog: "Endlich tut jemand, aus völlig falschen Motiven, das wirtschaftlich Richtige."

Aus seinem konservativen Streben heraus, die Industrienation zu retten, bricht Abe mit einer anderen konservativen Macht: der geldpolitischen Orthodoxie. "Wenn wir so weitermachen wie bisher, kann Japan die Deflation und den starken Yen nicht besiegen", verkündete der Premier jüngst. Notenbankgouverneur Masaaki Shirakawa verstand den Wink und verkündete am Dienstag seinen vorzeitigen Abgang im März, "um einen Neustart mit neuer Führung zu ermöglichen".

Deflation, ein stetig sinkendes Preisniveau also, lähmt schon seit 1994 Konsum und Investitionen. Der starke Yen, der Exporte behindert, kam erst seit 2008 hinzu, als die übrigen Industrienationen ebenfalls in die Misere stürzten und Japan plötzlich zum attraktiven Geldanlageziel wurde, weil es dank fallender Preise trotz Nullzinsen eine reale Rendite bietet.

Die Macht der Alten und der halbherzige Kampf gegen Deflation

Mit der Deflation hatte sich die japanische Gesellschaft schon arrangiert. Wer braucht schon eine dynamische Wirtschaft, wenn er von stabilen Kapitalerträgen leben kann? Vor allem für die Senioren, hier so mächtig wie in keinem anderen Land, wurden Anleihen des immer höher verschuldeten Staats zum Lebenselixier, nach einer einfachen Rechnung: 1 Prozent Zins bei 1 Prozent Deflation macht 2 Prozent Rendite, und das bei absoluter Sicherheit. Für die schrumpfende Schar der Japaner im Erwerbsalter reichte die schrumpfende Zahl der Jobs immer noch aus.

Deshalb kämpfte die Bank von Japan immer nur halbherzig gegen die Deflation. Sie senkte die Zinsen spät auf Null, erweiterte die Geldbasis zwar x-mal mit Wertpapierkäufen, wie es Fed und EZB heute auch tun, nahm die Geldspritzen aber stets wieder zurück, wenn sich eine Erholung andeutete. Ihre Angst galt auch nach Jahrzehnten des Gegenteils noch einer möglicherweise unkontrolliert ausbrechenden Inflation, die das Vermögen der Japaner aufzehren würde - lieber Stabilität als Wachstum.

Doch dieses Modell stieß an seine Grenzen, als der starke Yen die Exporterfolge des Landes zunichte machte. 2011 wies die japanische Handelsbilanz erstmals seit 30 Jahren ein Defizit aus. Das vergleichsweise moderate Minus von 2,5 Billionen Yen (24 Milliarden Euro, etwa 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung) konnte noch auf das verheerende Beben vom März, auf die Reaktorkatastrophe von Fukushima und die wegen des Atomausstiegs gewachsenen Importe von teurem Gas, Öl und Kohle geschoben werden. Doch 2012 wuchs die Lücke weiter auf knapp sieben Billionen Yen.

Inzwischen ist klar, dass die Exportnation, die noch vor wenigen Jahren mit China und Deutschland in einem Atemzug genannt wurde, ums Überleben kämpft. Und Shinzo Abe erscheint als ihr Retter in der Not.

Zur Startseite
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • deli.cio.us
  • Pinterest

© manager magazin online 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH





Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?