Samstag, 18. November 2017

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Währungskrieg Yen-Verfall bringt Japan in Schwung

Shinkansen-Haltestelle in Tokio: Japans Premier entmachtet die Geldhüter - um die Wirtschaft wieder in Fahrt zu bringen

3. Teil: Japans Pleitekandidaten erwachen zu neuem Leben

Der Nikkei-Index Börsen-Chart zeigen führender Aktien, in dem besonders viele Exportunternehmen vertreten sind, gewann seit November rund ein Drittel, die längste Erfolgsserie seit den 50er Jahren. "Endlich hat Japan einen Auslöser für einen Kursanstieg", erklärte Hiroyuki Ito, Aktienchef von Goldman Sachs in Japan, warum seine Firma in Erwartung von Abes Wahlsieg seit Oktober Aktien japanischer Auto-, Elektro- und Maschinenbaukonzerne kauft.

Die meisten Unternehmensberichte zum Schlussquartal 2012 bestätigen die optimistische Sicht. Toyota Börsen-Chart zeigen hat mit einem rasenden Endspurt General Motors Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Börsen-Chart zeigen überholt. Der Konzern ist zwar längst global, produziert aber noch ein gutes Drittel seiner Fahrzeuge in der Heimat. Die Werke in China, Europa und den USA decken nicht annähernd den dortigen Bedarf, der bei günstigem Yen für die Japaner profitabler zu bedienen wird.

Toyota hat seine Jahresprognose ebenso deutlich angehoben wie der noch stärker ans Land gebundene Wettbewerber Mazda Börsen-Chart zeigen oder die Maschinenbauer Fuji Börsen-Chart zeigen und Mitsubishi Heavy Industries Börsen-Chart zeigen. Zum Jahresende schaffte es der Elektronikriese Sony Börsen-Chart zeigen, dessen halbe Produktion in Japan stattfindet, zurück in die schwarzen Zahlen. Das gelang sogar den darbenden Wettbewerbern Panasonic Börsen-Chart zeigen und Sharp Börsen-Chart zeigen, wo der Ausverkauf an die Chinesen schon fast beschlossene Sache schien. Die Industrie ist wieder wettbewerbsfähig, auch wenn der Yen erst die wildesten Höhenflüge der vergangenen drei Jahre wieder ausgeglichen hat und immer noch als überbewertet gilt.

Weltgrößter Pensionsfonds wendet sich von Staatspapieren ab

Nicht ganz so erfreut zeigt sich Takahiro Mitani, der als Chef des staatlichen Pensionsfonds die weltgrößte Kapitalsammelstelle verwaltet. Mit ihm als Abnehmer neuer Schuldscheine solle die Regierung künftig weniger rechnen, kündigte er vorige Woche gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters an. Im April werde man die Verwendung der Fondsmittel, bisher zu zwei Dritteln in japanische Staatsanleihen, überprüfen. "Damit haben wir in den vergangenen zehn Jahren unser Geld verdient", erklärte Mitani. Mit einer wachsenden Wirtschaft und Inflation gehe das aber wohl nicht mehr.

Die Flucht von Anlegern, für die japanische Staatsanleihen bislang trotz Rekordverschuldung ein sicherer Hafen waren, ist von Abe durchaus erwünscht. Außerdem steht ja die Zentralbank bereit, um Schulden zu absorbieren. Doch das Risiko für die Alterseinkünfte bleibt Abes größte innenpolitische Gefahr, weil es gerade seine konservative Klientel vergrault.

Paul Sheard, Chefökonom der Ratingagentur Standard & Poor's stimmt mit Abes Zielen überein: "Die Deflation zu beenden, ist der Schlüssel, um Japans Staatsfinanzen auf einen langfristig tragfähigen Pfad zu bringen." Sheard zweifelt jedoch, ob sich die Bank von Japan dazu ausreichend kontrollieren lasse. "Sie hat in der Vergangenheit versagt und hat daher ein ernstes Glaubwürdigkeitsdefizit im Kampf gegen Deflation."

Bis März muss Abe seine Kandidaten für die neue Zentralbankspitze auswählen. Davon wird abhängen, wie konsequent die Bank den Inflationskurs fortsetzt - und ob die neu erwachte Hoffnung in einen langfristigen Wiederaufstieg Nippons münden kann.

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