Montag, 20. November 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Währungskrieg Yen-Verfall bringt Japan in Schwung

Shinkansen-Haltestelle in Tokio: Japans Premier entmachtet die Geldhüter - um die Wirtschaft wieder in Fahrt zu bringen

2. Teil: Shinzo Abe entmachtet die Geldhüter

Seit seinem furiosen Wahlsieg im Dezember hat Abe ein neues Konjunkturprogramm von zehn Billionen Yen lockergemacht und die Bank von Japan in die Knie gezwungen: Trotz hörbaren Grummelns hoben die Geldhüter um Shirakawa das erst vor einem Jahr eingeführte Inflationsziel von 1 auf 2 Prozent an, kündigten unbegrenzte Anleihenkäufe ab 2014 an und gaben dafür auch noch eine gemeinsame Erklärung mit der Regierung ab.

Die Unabhängigkeit der Zentralbank ist beschädigt, zumal Abe jetzt Shirakawas Nachfolger und zwei Stellvertreter nach Wunsch bestellen kann. Der Staat kann neue Schulden aufnehmen, die sich dann in der Inflation auflösen.

Das entscheidende Wendedatum war der 16. November: Die moderate Demokratische Partei, die den Staatsschuldenberg abtragen wollte, hatte für eine Verdopplung der Mehrwertsteuer ihre Parlamentsmehrheit verloren und gab nach drei Jahren Regierung auf. Seitdem wetteten die Märkte auf eine Rückkehr Abes, dessen erste Amtszeit als Premier 2006-2007 mit einem kurzen Aufbäumen der japanischen Wirtschaft inmitten der verlorenen Jahre zusammenfiel, auf Inflation und einen schwächeren Yen.

Währungskrieg ist aus Japans Sicht "nur fair"

In diesen knapp drei Monaten wertete die japanische Währung jeweils rund 15 Prozent gegenüber dem chinesischen Yuan und dem US-Dollar ab, der Euro verteuerte sich sogar um 26 Prozent auf zuletzt 127 Yen - was jetzt die Europäer beunruhigt, und mehr noch die Wettbewerber aus kleineren asiatischen Ländern.

Gegen Vorwürfe eines unfairen Wechselkursdumpings weiß Chefvolkswirt Richard Koo von der Investmentbank Nomura sein Land aber gewappnet: "Als die westlichen Nationen, die die Finanzkrise verursacht haben, vor vier Jahren litten, half Japan ihnen, indem es den Yen aufwerten ließ."

Der heutige Finanzminister Taro Aso, damals Premier, habe die G20-Regeln, die einen protektionistischen Abwertungswettbewerb wie in den 30er Jahren verhindern sollten, erst geschrieben. Japan habe die Abmachung gehalten und seinen Exportüberschuss geopfert. "Jetzt wäre es nur fair", findet Koo, "wenn der Yen abwerten darf."

Inflation, das offizielle Hauptziel der neuen Politik, hält Koo zwar im Gegensatz zu steigenden Staatsausgaben für unnötig - doch auch auf diesem Feld zeigt sich Erfolg. Die aus Kursen inflationsbesicherter Anleihen berechnete fünfjährige Inflationserwartung (Breakeven-Rate), vor einem Jahr noch negativ, stieg Anfang Februar auf 1 Prozent. Schon in diesem Jahr könnten die Preise wieder steigen. Geld wird für die Unternehmen billiger, der Absatz im Ausland leichter - die Exporteure jubeln.

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH