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06.02.2013
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Neue Beteiligungsofferten
Fondshäuser tricksen bei der Regulierung

Von Richard Haimann

Windräder von Energiekontor in Grevenbroich: Mit Anleihen gehen die Emissionshäuser auf Anlegerfang
DPA

Windräder von Energiekontor in Grevenbroich: Mit Anleihen gehen die Emissionshäuser auf Anlegerfang

Es ist wieder mal wie beim Rennen Hase gegen Igel: Der Bund will Initiatoren geschlossener Fonds stärker regulieren - und die Fondsanbieter haben bereits ein neues Schlupfloch entdeckt. Statt Fonds aufzulegen, emittieren sie Anleihen. Experten raten zur Vorsicht.

Hamburg - Thomas Morgenstern hat in den vergangenen Monaten eine bedeutende Änderung am Markt der Beteiligungsmodelle beobachtet. "Immer mehr Emittenten geschlossener Fonds setzen bei neuen Produkten nicht mehr auf das klassische Modell der Kommanditgesellschaft", sagt der Leiter der Analysesparte bei der Berliner Ratingagentur Scope. "Sondern auf Anleihekonstruktionen."

Zu den Anbietern dieser Genussscheine zählen so bekannte Initiatoren wie die auf Einzelhandelsobjekte spezialisierte Hahn-Gruppe, der Flugzeug-Fondsanbieter Doric, der Windparkspezialist Energiekontor Chart zeigen und die zur Landesbank Hessen-Thüringen und zur Hessisch-Thüringischen Sparkassen-Beteiligungsgesellschaft gehörende Hannover Leasing. Für Morgenstern ist klar, das hier ein neuer Trend beginnt: "Wir sehen den Beginn einer neuen Entwicklung."

Dafür gibt es gleich mehrere Gründe: In der Vergangenheit wurden geschlossene Fonds fast ausschließlich als Kommanditgesellschaft (KG) konzipiert. Die Anleger beteiligten sich als Kommanditisten an einer Gesellschaft, die Flugzeuge, Immobilien, Schiffe, Solar- oder Windkraftanlagen erwarb. Diese KG-Modelle stoßen jedoch bei den Vertrieben seit geraumer Zeit auf wachsende Kritik.

"Die von KG-Fonds geleisteten Ausschüttungen sind in den meisten Fällen nicht Gewinnauskehrungen, sondern Eigenkapitalrückzahlungen", erläutert Peter Mattil, Fachanwalt für Kapitalanlagerecht. "Anleger müssen diese Ausschüttungen deshalb rückerstatten, wenn ihr Fonds Bankkredite nicht mehr bedienen kann."

Anleger müssen Ausschüttungen zurückzahlen

Das ist in den vergangenen Jahren insbesondere bei Schiffsbeteiligungen zuhauf geschehen, weil die Charterraten im maritimen Handel drastisch eingebrochen sind. "Mehr als 100 maritime Beteiligungen mussten bereits Insolvenz anmelden und die Anleger ihre erhaltenen Ausschüttungen an die finanzierenden Banken abgeben", sagt Mattil. Hunderte anderer Schiffsfonds haben zudem ausbezahlte Beträge zurückgefordert, um sich über Wasser halten zu können.

Hunderttausende Anleger sind verärgert. Etliche haben jenen Banken, die ihnen die Beteiligungsmodelle vermittelt haben, den Rücken gekehrt. "Immer mehr Sparkassen und Volksbanken bieten deshalb keine als KG-Modelle konzipierten Fonds mehr an", weiß Hermann Klughardt, Geschäftsführer des Emissionshauses Voigt & Collegen. "Das KG-Modell hat für Vertriebe an Attraktivität verloren", bestätigt Michael Ruhl, Vorstand des Initiators Deutsche Fonds Holding (DFH).

Das schlägt sich im Absatz der Produkte deutlich nieder. Nach Angaben des Verbands Geschlossener Fonds (VGF) konnten die Anbieter im dritten Quartal vergangenen Jahres insgesamt nur noch 529,1 Millionen Euro für neue Beteiligungsmodelle einwerben. Das ist ein Minus von 45,7 Prozent gegenüber den 974,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Insgesamt brach die Eigenkapitalplatzierung in der Branche im vergangenen Jahr um etwa ein Viertel ein, wie der VGF am Dienstag mitteilte.

Die Emissionshäuser selbst hadern noch aus einem anderen Grund mit dem KG-Modell: Um Anleger künftig besser zu schützen, will die Bundesregierung die Branche härter an die Kandare nehmen. Sie nutzt dazu die neue EU-Richtlinie zur Regulierung alternativer Investmentfonds (AIFM), die in Deutschland voraussichtlich am 1. Juli dieses Jahres in Kraft treten wird. Bei allen KG-Fonds, die nach diesem Stichtag aufgelegt werden, müssen die Emissionshäuser umfangreiche Berichtspflichten erfüllen und strengere Vorsorgen treffen.

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Die Tücken der neuen Anleihen

  • Kapitalverlust möglich
    Klassische geschlossene Fonds, die als Kommanditgesellschaft konzipiert sind, finanzieren bis zu 60 Prozent des Kaufpreises ihrer Flugzeuge, Immobilien, Schiffe, Solar- oder Windkraftanlagen über Bankdarlehen. Dies ist zumeist auch dann der Fall, wenn die Emittenten bei Sachwertinvestments auf Anleihen umstellen.
    Das Problem: Der Bankkredit ist dabei vorrangig, der Genussschein hingegen nur nachrangig besichert. Die Anleger erhalten deshalb nur dann ihr investiertes Kapital vollständig zurück, wenn das Objekt zum prognostizierten Verkaufspreis veräußert werden kann. Liegt der Erlös darunter, droht ein Teil- oder sogar ein Totalverlust.
  • Spezialofferten für Großkunden
    Allerdings gibt es auch Anleiheinvestments, bei denen die Emittenten auf Fremdkapital verzichten. Dies ist bislang vor allem bei Produkten der Fall, die speziell für institutionelle Investoren aufgelegt werden. In diesen Fällen werden zwei Anleihetranchen begeben, bei denen eine vorrangig besichert ist und geringer verzinst wird. Bei der nachrangigen Anleihe wird das größere Risiko der Zeichner durch einen höheren Zinskupon wettgemacht.
  • Mehrerlöse gehen ans Emissionshaus
    Darüber hinaus sehen die meisten Anleihen bislang keine Beteiligung der Anleger an einem höher als geplanten Verkaufserlös vor. "Erzielt der Emittent einen höheren Verkaufspreis als geplant, streicht er in diesen Fall den zusätzlichen Betrag allein ein", sagt Steffen Sebastian, Professor für Immobilienfinanzierung an der Universität Regensburg.
    Es geht aber auch anders. Initiatoren könnten Anleihen auflegen, deren Bedingungen eine Partizipation der Anleger an Mehrerlösen vorsieht, sagt Scope-Analyst Thomas Morgenstern. "Zeichner profitieren dann am Laufzeitende von einer Überschussbeteiligung, wenn sich der Sachwert besser entwickelt als prognostiziert."








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