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30.01.2013
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Abwertungswettlauf
Die fatalen Folgen eines Währungskriegs

Von Martin Hintze

Notenbanken im Währungskrieg: Wer am Geldhahn dreht
Fotos
REUTERS

Die US-Notenbank hält an ihrer extrem lockeren Geldpolitik fest. Auch andere Zentralbanken drücken den Kurs der eigenen Währung, um die Exporte anzuheizen. Der Euro steigt unterdessen auf ein 14-Monats-Hoch: Besonders die deutsche Wirtschaft fürchtet einen Kampf um das billigste Geld.

Hamburg - Eigentlich will Ulrich Grillo gute Laune verbreiten. Immerhin sieht der neue BDI-Präsident die deutsche Industrie auf Wachstumskurs. Ab 2014 soll es wieder richtig bergauf gehen, verkündete er am Dienstag in Berlin. Doch eines bereitet dem Verbandschef große Sorgen: Ein Abwertungswettlauf wichtiger Währungen. Das könne der Exportwirtschaft ernsthaft schaden, so Grillo.

Damit reiht sich der BDI-Chef in den Reigen prominenter Mahner ein. Unter ihnen der US-Investor George Soros, der Internationale Währungsfonds, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Gründer des weltweit größten Anleihe-Investors Pimco, Bill Gross. "Wir befinden uns in einem Währungskrieg", sagte Gross kürzlich in einem Interview. Auch Peter Praet, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), ermahnte Notenbanker, sich nicht zu "gefährlichen Experimenten" hinreißen zu lassen.

Auslöser der Befürchtungen ist allen voran die Geldpolitik Japans. Seit dem Regierungswechsel hat der Inselstaat eine extrem lockere Geldpolitik angekündigt, um die seit Jahrzehnten lahmende Konjunktur der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt anzukurbeln.

In der vergangenen Woche erkläre die japanische Notenbank, unbegrenzt Geld in die Märkte zu pumpen. Das Ziel: Ein möglichst niedriger Wechselkurs des Yen zum Dollar Chart zeigen, um die heimischen Exporte im Ausland billiger zu machen.

Wettlauf um die billigste Währung

Für einzelne Länder kann sich eine Abwertung durchaus auszahlen. "Generell kann eine Abwertung des Wechselkurses bei der Bewältigung von Krisen sehr helfen", sagt Clemens Fuest, Ökonom an der Universität Oxford und designierter Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Funktioniert hat das beispielsweise im Falle Chinas. "Auch die Abwertung des Britischen Pfunds seit 2007 hat dem Land geholfen, die Krise abzufedern", sagt Fuest.

Das Problem: Japan steht nicht allein da. Andere Länder versuchen ebenfalls, ihre Währung niedrig zu halten - wenn auch nicht so offen wie der Inselstaat. Meist geschieht das über eine expansive Geldpolitik der Zentralbanken. "Der allzu großzügige Umgang der Notenbanken mit ihrem Scheckbuch wird unweigerlich zu Preissteigerungen und einer Abwertung der Währungen führen", sagt Investor Gross.

Ein solcher Abwertungswettlauf zwischen verschiedenen Ländern hätte jedoch fatale Folgen, warnen Experten. Als Negativbeispiel gilt die Wirtschaftskrise der 1930er Jahre. "Viele Staaten haben damals ihre Währungen abgewertet und protektionistische Maßnahmen eingeführt", sagt Oxford-Ökonom Fuest. Was folgte, ist bekannt: Der Welthandel brach zusammen, die Arbeitslosigkeit schnellte hoch, soziales Elend war die Folge.

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