Samstag, 4. Juli 2015

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Geldanlage Anleger im Zins-Risiko-Dilemma

Börse in Japan: Überall auf der Welt können Anleger per Indexfonds investieren - aber nicht überall ist das gleichermaßen empfehlenswert

Die Krise erschwert zunehmend die Geldanlage: Niedrige Zinsen treiben Investoren in kostengünstige Produkte, etwa Indexfonds. Die haben jedoch ausgerechnet dort ihre Schwächen, wo die Renditemusik spielt. Der Investmenterfolg erfordert mehr Anlage-Know-how denn je.

Hamburg - Party beim US-Investmenthaus State Street. Die ETF-Tochter SPDR feiert ihr 20-jähriges Bestehen. Zum Geburtstag hat sich das Unternehmen selbst ein Geschenk gemacht: eine Umfrage.

260 Entscheider von Pensionsfonds sowie 41 Fondsmanager, allesamt europäisch, hat SPDR zur Rede gestellt. Ergebnis: Beinahe die Hälfte der Investmentprofis will den Anteil der Exchange Traded Fonds (ETFs), börsengehandelter Indexfonds also, in ihren Depots in den kommenden Jahren steigern.

SPDR und der Mutter State Street kommt das natürlich gelegen. Der Fondsanbieter gilt als Pionier der Branche und zählt mit mehr als 170 ETFs und einem verwalteten Vermögen von über 340 Milliarden US-Dollar weltweit zu den größten seiner Zunft. "Unsere Marktforschung zeigt, dass die Perspektiven für die ETF-Branche nach wie vor gut sind", freut sich SPDR-Manager James Ross. "Wir rechnen mit weiterem Wachstum in sämtlichen Regionen der Welt."

Selbst nach Abzug einer Portion Zweckoptimismus dürfte da einiges dran sein. Auf etwa 5000 Produkte mit einem Volumen von zusammen rund zwei Billionen Dollar bringt es der weltweite ETF-Markt laut SPDR mittlerweile. Noch vor zwei Jahren waren es etwa 3000 Fonds, die zusammen 1,2 Billionen Dollar verwalteten.

Nicht alle ETFs sind gleichermaßen zielsicher

Die ungebrochene Attraktivität dieses passiv gemanagten Fondstyps kommt nicht von ungefähr. Während aktiv gelenkte Fonds hohe Gebühren verlangen, dafür aber reihenweise die erhoffte Performance nicht bringen, locken ETFs vor allem mit niedrigen Kosten. Zudem können sich Anleger sicher sein, zumindest die Wertentwicklung des gewünschten Index ziemlich genau zu erreichen.

Allerdings sind nicht alle ETFs gleichermaßen zielsicher. Selbst Fonds, die den gleichen Index abbilden, erzielen mitunter abweichende Anlageergebnisse. Der Grund dafür liegt laut Arnaud Llinas, Chef des ETF-Anbieters Lyxor für das weltweite Geschäft, in der unterschieldichen Qualität des Managements und der Konstruktion der ETFs. Also im Wesentlichen in der Frage, ob der zugrunde liegende Index physisch oder synthetisch nachgebildet wird.

Lyxor ist gegenwärtig mit einem Marktanteil von 12 Prozent der drittgrößte Anbieter in Europa. Laut Llinas strebt die Tochter der französischen Großbank Société Générale allerdings voran, mindestens auf Platz zwei. Den belegt derzeit die Deutsche-Bank-Tochter DB X-Trackers mit einem Marktanteil von 13,7 Prozent, hinter dem Platzhirschen Blackrock, dessen ETF-Marke iShares über 40 Prozent des verwalteten Vermögens auf sich vereinigt (siehe Kasten links).

Bei ihrem weiteren Vormarsch werden die Anbieter durch früher geäußerte Kritik kaum noch gestört. Institutionen wie der Finanzstabilitätsrat (FSB) oder der Internationale Währungsfonds (IWF) hatten vor wenigen Jahren noch öffentlichkeitswirksam auf Risiken hingewiesen, die mit dem Vormarsch der ETFs verbunden seien. Sollte ein immer größerer Teil des weltweiten Vermögens passiv verwaltet werden, so hieß es, dann könne dies das Finanzsystem insgesamt destabilisieren. Für einen funktionierenden Markt sei schließlich eine ausreichende Zahl bewusst getroffener Entscheidungen auf der Angebots- und Nachfrageseite erforderlich.

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