Fondsmanager magazin RSS  - Fonds

Alle Artikel und Hintergründe


27.12.2012
Twitter GooglePlus Facebook

Millionen Anleger können nicht irren
Die Lieblingsfonds der Deutschen

Von Arne Gottschalck

Riesenfonds: Anlegers Liebling
Fotos
AFP

Fonds sind für Anleger vor allem dann interessant, wenn auch der Nachbar und dessen Nachbar zugreifen. Welches sind im Millionengeschäft mit den Millionen die Lieblinge der Anleger? Ein Überblick.

Hamburg - 50 Millionen Elvis-Fans können nicht irren, hieß es gegen Ende der 50er. Und heute? Klingt es nicht anders. Denn Anleger kaufen das, was andere kaufen. Mit der Folge, dass einige Fonds immer größer werden - und andere geschlossen werden müssen. Ein Trend, der auch 2013 andauern dürfte.

Zuletzt erklärte die Fondsgesellschaft Union Investment, gleich sechs Fonds auflösen zu wollen. Eine unternehmerische Entscheidung - denn die Verwaltung kleiner Fonds kostet überproportional viel Geld. Einfach weil sie, ebenso wie ihre großvolumigeren Vettern, Kosten für Prospekte oder Wirtschaftsprüfer zu tragen haben. Und auf ein Portfolio von 20 Millionen Euro hat das größere Auswirkungen als auf einen Zweimilliardenfonds. Und das lastet auf der Wertentwicklung der Kleinfonds. Alles gut also, wenn Anleger eher zu den Großen greifen? Eigentlich schon, zumindest mit Blick auf die Kosten. Doch groß heißt nicht automatisch gut.

Denn ein hohes Fondsvolumen ist zumeist Folge eines leistungsstarken Vertriebs. Und verkauft wird zumeist genau das, was die Banken vorgeben. Das sind zum einen die hauseigenen Produkte. Im Fall einer Deutschen Bank die DWS-Fonds, im Fall einer Sparkasse die Deka-Fonds. Dazu kommt eine Handvoll unternehmensfremder Fonds. Und das sind oftmals die Publikumslieblinge wie Fidelity European Growth Funds oder der Carmignac Investissement Chart zeigen. "Ich glaube, dass die Vertriebe tendenziell aus Bequemlichkeit auf diese einfach zu verkaufenden Produkte setzen", sagt FWW-Chefanalyst Kai Wiecking. "Gute Berater sollten aber viel mehr kleinere Fonds mit guten Zukunftsperspektiven und hoher Flexibilität selektieren. Dafür fehlt den Meisten in der Branche jedoch schlicht das nötige Fachwissen."

Die Bestrebungen der Regierung, die Beratungsleistung des Vertriebs zu verbessern, dürften diesen Trend noch verstärken. Denn je strenger den Finanzverkäufern auf die Finger geschaut wird, umso vorsichtiger agieren sie - und glauben, mit dem Massengeschmack auf der sicheren Seite zu sein. Großfonds als gefühlte Sicherheit, das ist kein Effekt, der allein auf Privatanleger beschränkt ist.

Auch Profis erliegen den Großen

Experten zeigen ebenfalls diese Vorliebe - allerdings längst nicht so wie die Privatanleger. "Die Werbung und das Medieninteresse stellt die Flaggschiffe in den Vordergrund", sagt Wiecking. "Ich denke, dass die großen Fonds schon immer das Gros der Zuflüsse bekamen. Es kann aber gut sein, dass sich dieser Effekt seit einiger Zeit verstärkt hat, weil neue, 'innovative' Fonds oft Rohrkrepierer waren."

Die Treue kommt nicht von ungefähr. Da ist die Wertentwicklung bestimmter Produkte. Mit einem Indexinvestment, das den deutschen Dax nachbildet, haben Anleger bis kurz vor Ende 2012 über 20 Prozent Rendite eingestrichen. Das weckt Begehrlichkeiten - gut 13 Milliarden Euro stecken im iShares DAX® (DE). Das Prinzip Performance gilt nicht nur für bestimmte Märkte, sondern auch für Fonds. Der Carmignac Investissement zum Beispiel legte 2009 um über 40 Prozent zu, deutlich stärker als die Konkurrenz oder der Index. 2010 war es dann vorbei mit der Herrlichkeit. Noch immer warf der Fonds solide Erträge ab - aber weniger als es die Konkurrenz vermochte, zeigen die Daten der Agentur Morningstar. 2011 das gleiche Bild. Doch wer einmal oben in den Rennlisten stand, hat gute Karten. Gibt es einen besseren Maßstab für die Fähigkeiten eines Fondsmanagers als die gute Wertentwicklung eines Fonds? So die verständliche Denke der Privatanleger und auch die des Vertriebs. Gute Zahlen verkaufen sich auch gut.

Ein ähnlich starkes Lockmittel ist für Menschen der Glaube, einen bestimmten Markt besonders gut zu kennen - ein Glaube, der in dem so genannten "homebias" mündet. Amerikanische Investoren setzen entsprechend auf US-Aktien, Engländer auf den FTSE und Deutsche eben auf den Dax. Ein Fehler ist das nicht - zumindest nicht, solange es nicht dabei bleibt und Vermögen gestreut wird. Die Suche nach Sicherheit befeuert gleichfalls die Konzentration auf die Großfonds - 44 Milliarden Euro verwaltetet der US-Geldmarktfonds JPM US Dollar Liquidity Institutional. Von dieser Entwicklung profitieren auch offene Immobilienfonds - zumindest jene, die nicht abgewickelt werden. Der Deka-Immobilien Europa bündelt über 12 MIlliarden Euro - eben wegen des Sicherheitsbedürfnisses, aber auch wegen des starken Sparkassenvertriebs.

Auch 2013 wird es so weitergehen, wie ein Blick nach Amerika zeigt. Dort sind die Fonds im Schnitt fünfmal so groß und weisen eine geringere Kostenbelastung auf.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Weitere Artikel zu Diesem Thema

Graumarkt-Affäre
120 Millionen verschwundene Euro und der umtriebige Herr H.
Finanzmarktstabilität
Warum Indexfonds gefährlich sein können
Skandal-Emissionshaus Wölbern Invest
Ein Hundert-Millionen-Loch und Blackberrys für alle
Geschlossene Immobilienfonds
Immobilien-Anleger springen in "dunklen Pool"

© manager magazin online 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH












Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Handytarife:
Finden Sie den passenden Tarif