Anleihenmanager magazin RSS  - Anleihen

Alle Artikel und Hintergründe


10.12.2012
Twitter GooglePlus Facebook

Zinstief
Deutsche Großkonzerne entfachen Anleihenboom

Post-Tower in Bonn: Der Konzern plant, zwei Milliarden am Anleihenmarkt einzusammeln
DPA

Post-Tower in Bonn: Der Konzern plant, zwei Milliarden am Anleihenmarkt einzusammeln

Deutschlands Industriekonzerne können sich so günstig verschulden wie nie. Da bis 2016 mehr als 200 Milliarden Euro an Schulden fällig werden, nutzen sie dies auch aus. Allerdings ist eine Trendwende in 2013 wahrscheinlich.

Frankfurt - Das Dauerzinstief sorgt für gemischte Gefühle in der deutschen Wirtschaft. Lebensversicherer wissen kaum noch, wo sie die Kundengelder investieren sollen, um die versprochenen Zinsen und Gewinne zu erwirtschaften. Andererseits können sich große Industrieunternehmen wie Continental Chart zeigen oder die Deutsche Post Chart zeigen günstig wie nie Geld auf dem Anleihenmarkt beschaffen.

So platzierte Siemens im August eine 400-Millionen-Euro-Anleihe mit zwei Jahren Laufzeit für gerade einmal 0,375 Prozent Zinsen. Bei der Anleihe mit siebeneinhalb Jahren Laufzeit gaben sich die Anleger mit 1,5 Prozent zufrieden. Die Liste lässt sich fortsetzen: Daimler Chart zeigen, Volkswagen Chart zeigen oder auch der Brauereikonzern Heineken Chart zeigen fanden alle Anleihenkäufer, die sich mit Zinsen von deutlich unter einem Prozent begnügten.

Neben der Flucht der Investoren etwa aus Staatsanleihen oder dem schwankenden Rohstoffmarkt, profitieren große Unternehmen von ihrem Ruf als solide Schuldner. Zudem befeuern neue Vorschriften für Banken den Boom. "Banken achten angesichts der strengeren Eigenkapitalanforderungen stärker auf die Risiken im Kreditgeschäft", sagt Rainer Bizenberger, Spezialist für Unternehmensfinanzierung bei Roland Berger. Und die Ratingagentur Moody's beobachtet, dass sich gerade die Konditionen für Bankkredite mit Laufzeiten von mehr als fünf Jahren weiter verschärfen.

Von sechs Milliarden Euro im Jahr 2000 hat sich das Volumen der Unternehmensanleihen in Deutschland auf zuletzt etwa 250 Milliarden Euro vervielfacht, weiß Bizenberger. "Gerade in der Zeit zwischen 2009 und jetzt hat sich das Tempo nochmals beschleunigt und der Trend hält an." Er erwartet, dass sich die Entwicklung 2013 fortsetzt und das Volumen wächst.

202 Milliarden Euro Schulden bis 2013 fällig

Dafür sprechen auch die Zahlen, die Moody's zusammengetragen hat: Allein die von der Ratingagentur bewerteten deutschen Unternehmen müssen demnach zwischen den Jahren 2013 und 2016 Schulden von insgesamt 202 Milliarden Euro zurückzahlen. Ein enormer Refinanzierungsbedarf, den sie wohl vor allem mit Anleihen bestreiten werden. Schließlich hat die Ratingagentur Fitch herausgefunden, dass der Anteil von Anleihen bei der Unternehmensfinanzierung von 53 Prozent im Jahr 2008 auf 73 Prozent im Jahr 2011 stieg.

Finanzierungsexperte Bizenberger ist aber skeptisch, ob es 2013 für einen neuen Rekord reicht. "Zinsen haben einen historischen Tiefstand erreicht. Es ist daher unwahrscheinlich, dass der Durchschnittszins für Unternehmensanleihen weiter sinken wird." Zumindest mittelfristig dürfte es eher wieder steigende Zinsen geben, schätzt er.

Ganz ersetzen wird die Anleihe den klassischen Kredit bei der Bank wohl nicht. Sollten Unternehmen ins Schlingern geraten und es hart auf hart kommt, ist es wesentlich einfacher mit ein paar Banken über neue Konditionen zu verhandeln. "Breit gestreute Anleihen sind im Besitz von vielen Gläubigern; entsprechend hoch sind daher der Abstimmungsbedarf und Koordinationsaufwand im Krisenfall", sagt Bizenberger. Im Gegensatz zu einer Hausbank, die eine Firma vielleicht schon seit Jahrzehnten begleite, sei die Bindung von Anleihekäufern zum Unternehmen viel schwächer. Das sei der Preis für die finanzielle Flexibilität.

krk/dpa

Zur Startseite
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • deli.cio.us
  • Pinterest

© manager magazin online 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH





Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?