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07.12.2012
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Finanzindustrie unter Druck
Schlacht um London

Aus London berichtet Arne Gottschalck

Einsamer Kampf: Briten-Premier David Cameron versucht in Europa eine Sonderrolle für sein Land zu zementieren - kein Euro-Mitglied, aber dennoch kursbestimmend. Auch für den Finanzplatz London legt er sich ins Zeug.
REUTERS

Einsamer Kampf: Briten-Premier David Cameron versucht in Europa eine Sonderrolle für sein Land zu zementieren - kein Euro-Mitglied, aber dennoch kursbestimmend. Auch für den Finanzplatz London legt er sich ins Zeug.

Die Finanzindustrie Europas hat ihr Hauptquartier in London. Doch das steht unter schwerem Beschuss. Immer lauter rufen Brüssel und europäische Partnerstaaten nach Regulierung. Szenen eines Abwehrkampfes.

London - Es geschieht irgendwo auf der Fleetstreet, jener Straße, die in London kaum trennbar mit der Presse verbunden ist. Einen Schritt weiter ostwärts, und man hat England scheinbar hinter sich gelassen. Das Reich der "City of London" beginnt, einer Macht im Verborgenen.

Hinweise auf den Grenzübertritt verschwinden fast vor der historischen Kulisse der Innenstadt. In zwei Meter Höhe zum Beispiel hängt ein metallenes Schild mit dem Wappen und dem Schriftzug "City of London", wo wenige Schritte zuvor noch "City of Westminster" stand. Ein anderer Hinweis ist ein vier Meter hohes Standbild aus Stein, wie es in London überall zu sehen ist. Ein Drache thront darauf, die Klauen in einen Schild geschlagen. Er blickt nach Westen, zur City of Westminster. Ganz unten, zu Füßen des Steinernen, wieder der Schriftzug "City of London".

Der Verkehr strömt rechts und links vorbei, als wäre der Drache aus der Zeit gefallen. Doch der Eindruck täuscht. Noch immer wacht er über die Grenzen eines Imperiums. Eines Imperiums, das zunehmend berannt und bestürmt wird.

Eigentlich ist London gut gewappnet gegen Übergriffe. Denn die City ist weit mehr als eine Quadratmeile mit wenig Einwohnern, so um die 10.000 werden es sein, dafür aber mit kapitalstarken Unternehmen. Mehr als 500 Finanzinstitute zum Beispiel haben dort ihre Büros. Und gut die Hälfte des internationalen Aktienhandels wird dort abgewickelt.

Die "City of London Corporation" hat das Sagen

Londons Bürgermeister Boris Johnson hat dort wenig zu sagen, sondern die City of London Corporation. Sie verwaltet auch heute noch jene Privilegien, wie sie zuletzt von der Occupy-Bewegung kritisiert wurden. Vor allem solle das eigene Gerichtswesen der City abgeschafft werden.

"Die Risikonahme der Banken haben unser Leben prekär gemacht - sie sind nur sich selbst verantwortlich, beinflussen seit Jahrhunderten die Regierungspolitik ungebührlich", heißt es in einem Aufruf. Inzwischen steht der Begriff "City" nicht mehr nur für jene "squaremile", sondern für die gesamte Finanzindustrie in London. Und auf die konzentrieren sich die Attacken von außen. Zum Beispiel vom ewigen Gegner Brüssel.

"Unter konstantem Angriff" durch Brüssels Regulierer stünde die City, zürnte zuletzt Britenpremier David Cameron. Damit sind Männer wie EU-Kommissar Michel Barnier gemeint. Er regte an, Banken sollten riskante Geschäfte ab einer gewissen Größe von den Konten oder Krediten normaler Kunden trennen. Finanzhäuser sollen so finanzbebenfest gemacht werden.

"Wahnsinn", nennt es David Buik vom Brokerhaus BGC Partners. Er meint jene gut gemeinten Versuche, die unterschiedlichen Finanzsysteme des Kontinents unter ein Regime zu bringen. Entsprechend findet Buik die Abwehrhaltung Camerons sinnvoll.

Transaktionssteuer als Teufelswerk

Die Finanzmarkttransaktionssteuer ist ein ähnlicher Fall - auf dem Kontinent positiv gesehen, in London verteufelt. Sie soll bei Kauf und Verkauf von Wertpapieren fällig werden. Auch wenn noch vieles einer möglichen Gestaltung offen ist; immerhin elf Länder der EU sind inzwischen bereit, sie einzuführen. London nicht. Schon weil es dort bereits eine "Stamp Duty Reserve Tax" gibt, eine Stempelsteuer auf Wertpapiertransaktionen.

Eine ähnliche europäische Steuer einzuführen, sei damit nicht nötig, so dass Standardargument. Selbst wenn London sich damit durchsetzte und die Steuer nur in den benannten elf Ländern eingeführt werden würde; glücklich wäre man auch dann nicht. Denn die Steuer würde den Wertpapierhandel in Europa unattraktiver machen und damit auch Europas Portal für entsprechende Transaktionen - London - in Mitleidenschaft ziehen.

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