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29.11.2012
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Finanzindustrie
"Die Regierung steckt Banken in den Schraubstock"

Von Arne Gottschalck

Bankenviertel in Paris: Die Regierungen erhöhen den Druck
REUTERS

Bankenviertel in Paris: Die Regierungen erhöhen den Druck

Banken sollen Geld verleihen, um die Wirtschaft anzukurbeln - und sie sollen gleichzeitig ihre eigenen Bilanzen aufräumen. Eine Steilvorlage für Schattenbanken? Anleihenexperte Jim Irvine von Henderson Global Investors spricht von einer gefährlichen Entwicklung.

mm: Herr Irvine - alle sprechen über Bankenrisiken. Welche Rolle spielt die Europäische Zentralbank EZB inzwischen in der Euro-Krise?

Irvine: EZB-Chef Draghi hat zweimal massiv interveniert und die Märkte haben beide Male einen Kniesehnenreflex gezeigt. Das Problem bleibt aber dennoch, dass die EU-Mitgliedsstaaten gleichermaßen indiviuell und gemeinsam reagieren müssen. Doch das funktioniert langfristig nicht.

mm: Was wird Ihrer Meinung nach geschehen?

Irvine: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die EZB letztendlich Garantien für Griechenland aussprechen wird.

mm: Und in der Zwischenzeit wird die Verleihtätigkeit der Banken weiter vor sich hindümpeln?

Irvine: Ja und nein. Da gibt es schon etwas Bewegung. In Großbritannien zum Beispel waren die Banken in den Jahren 2011/2012 aufgefordert - Codename Merlin - Kredite in Höhe von 76 Milliarden Pfund auszureichen .

mm: Eine Menge Geld.

Irvine: Ja, und trotz des Drucks auf ihren Bilanzen schafften es die Banken, 75 Milliarden zu verleihen.

mm: Das klingt doch nach einer wackeren Leistung, oder?

Irvine: Ja, doch die Regierung schlussfolgerte, dass die Banken ihre Ziele verfehlt hätten und kommunizierte das auch genau so. Als dann das Budget für 2012 festgelegt wurde, zogen sie einen neuen Plan aus der Schublade, demzufolge alternative Verleiher mit einem Kreditgeschäft neben die Banken treten sollten, vor allem Lebensversicherungen und auch Investmentfonds. Anfangs war nur die Rede von jener Lücke von einer Milliarde Pfund. Diese Unternehmen wurden also ermutigt, doch bitte in den direkten Wettbewerb einzusteigen - und aktiv entmutigt, genau das mit den Banken gemeinsam zu machen. Ich finde, damit hat man den Aspekt überpolitisiert. Für langfristige alternative Anbieter von Finanzierungen ist das sicher eine exzellente Gelegenheit. Doch es gibt eine Logik, die für eine Kooperation mit Banken spricht.

mm: Vermutlich, weil die Regierung damit indirekt die Entwicklung von Schattenbanken fördert. Und noch?

Irvine: Wir beispielsweise als Anbieter von Fonds haben gar keinen direkten Kontakt zu den Kunden. Doch genau darum geht es: Den Kunden zu kennen und in der Lage zu sein, dessen Kreditrisiken zu beurteilen. Sprich, wir als Assetmanager könnten uns mit den Banken zusammenzusetzen, deren Kunden durch sie einschätzen und von ihrem Wissen über die Kunden profitieren.

mm: Das klingt nach einem "Aber".

Irvine: Ja, denn die Regierung steckt die Banken in den Schraubstock. Auf der einen Seite besteht sie - ganz zu recht - auf einem hohen Eigenkapitalanteil. Aber zugleich erwarten sie von ihnen, zu ultraniedrigen Zinsen zu verleihen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das ist kontraproduktiv und wird deren Willen zur Leihe einschränken. Außerdem, wenn die Kunden mit Preisbrecher-Krediten befriedigt werden, wird das eine Gemeinschaft alternativer Verleiher stimulieren. Ein wirtschaftlich realistischer Ansatz würde eine Partnerschaft zwischen Banken und alternativen Anbietern sehen mit Zinsen, die vom Markt gesetzt werden - mit der Regierung als Ko-Investor beziehungsweise -verleiher.

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    Jim Irvine ... verantwortet die Anleihenanlagen bei Henderson Global Investors, rund 16 Milliarden Pfund, was gut 20 Milliarden Euro entspricht.









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