Dienstag, 1. September 2015

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Mischfonds Vom Ladenhüter zum Lieblingskind

Viele Freunde: Verkaufen bedeutet eine deutliche Sprache zu pflegen. Doch es bedeutet auch, dass Kunden offen zuhören. Bei Mischfonds ist das inzwischen der Fall, die Anleger greifen gern zu.

Mischfonds sind derzeit die Lieblinge der Anleger. Ein einfaches Konzept, dass Anleger auch in Eigenregie steuern könnten. Ein Gespräch darüber und über Stärken und Schwächen des Konzepts mit Johanna Kyrklund von Schroders Asset Management.

mm: Mischfonds waren lange unbeliebt, jetzt reißen sich die Leute darum.

Kyrklund: Ja, das ist eine Folge der Krise. In den guten Jahren konnten Sie hohe Erträge ohne größere Risiken erzielen. Das ist nun anders, ähnlich wie bei Ebbe und Flut. Bei Flut gleiten Sie über die Hindernisse hinweg. Bei Ebbe liegen alle Felsen offen. Da kommt es auf sorgfältiges Steuern an.

mm: Aber muss es deswegen unbedingt ein Mischfonds sein?

Kyrklund: Nein, eine einfache Mischung zwischen Aktien und Anleihen kann auch der Anleger vornehmen. Man kann auch mit einer einfachen Diversifikation glücklich werden. Aber es muss sauber gemacht sein, bitte keine halbgaren Geschichten.

mm: Das ist was?

Kyrklund: Der Versuch, breiter zu diversifizieren, aber das eben nicht konsequent betreiben. Wenn Sie zum Beispiel Ihrem Depot Gold beimischen wollen, ist das grundsätzlich eine gute Idee. Allerdings sollten Sie dann Gold direkt kaufen, am besten über ein physisch hinterlegtes ETC. Aber bitte nicht über eine Goldminenaktie, denn die hat nicht den Charakter von Gold, sondern eben von Aktien. Wie gesagt, grundsätzlich kann das auch der Privatanleger selbst. Nur - je tiefer es geht, umso komplexer wird es. Für mich selbst würde ich das auch nicht allein machen wollen.

mm: Multi-Asset ist ja in der Finanzindustrie auch ein Modethema.

Kyrklund: Ja. Wir sind da seit 1979 aktiv, aber ehrlich gesagt, wollten das niemand haben, erst jetzt. Und jeder in der City, der ein derartiges Produkt noch nicht im Angebot hat, baut eines.

mm: Besteht nicht die Gefahr, dass die Assetallocation etwas träge wird?

Kyrklund: Wenn sie sorgfältig gemacht wird, nein. Allerdings ist das ein wichtiger Punkt. Wir sind in einem Umfeld mit nachhaltig niedrigem Wachstum, wie bei einer wackeligen Fahrradfahrt. Dabei treten Umschwünge aber schnell auf und verschwinden ebenso schnell. Entsprechend muss man jede Chance nutzen und vor allem schnell sein.

mm: Wie viele Assetklassen nutzen Sie eigentlich?

Kyrklund: Um die sechzehn.

mm: Der Anlageguru David Swensen schreibt, man bräuchte nur sechs, weil einige zum Beispiel zu illiquide sind.

Kyrklund: Um sich abzusichern, braucht man schon einige mehr, finde ich. Wenn man beispielsweise Hochzinsanleihen beimischt, puffert das ein Portfolio besser ab. Andere Klassen, und da gebe ich Swensen recht, sind überflüssig, weil illiquide oder für Privatanleger nur schwer zu bekommen.

mm: Hand aufs Herz - kann man diese Diversifikation nicht auch gut über ETF erledigen?

Kyrklund: Zum Teil ja. Bei Aktien zum Beispiel. Bei Gold über die angesprochenen ETC. Bei Anleihen wird es allerdings teuer.

mm: Gibt es die absolute Sorglosanlage?

Kyrklund: Nein, alles können Sie nicht abfedern, Naturkatastrophen zum Beispiel. Das ist allerdings auch nicht nötig, weil sich die Märkte danach schnell wieder erholen.

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