Freitag, 28. April 2017

Standard & Poor's Lebensversicherer sollen Überschussbeteiligung senken

Weniger Rendite: Lebensversicherer haben ihr Päkchen zu tragen - das Umfeld niedriger Zinsen setzt ihnen zu

Versicherungskunden müssen sich 2013 auf weiter fallende Überschüsse einstellen. Die Ratingagentur Standard & Poor's erwartet dies nicht nur, sondern empfiehlt diesen Schritt indirekt sogar. Trotz aller Turbulenzen und Gerüchte sehen die Experten die Branche für die Zukunft gewappnet.

Frankfurt - Auch wenn die deutschen Versicherer unter den anhaltend niedrigen Kapitalmarktzinsen leiden, sind sie finanziell gut genug ausgestattet, um ihre Verpflichtungen noch über Jahre erfüllen zu können. Diese Einschätzung vertritt die Ratingagentur Standard & Poor's in ihrem Ausblick zur Finanzstärke der Branche.

"Die Niedrigzinsen stellen eine enorme Herausforderung dar - insbesondere für die Lebensversicherer", sagte Analyst Christian Badorff am Dienstag in Frankfurt am Main. Die Branche sei aber anpassungsfähig, bereite sich auf ein anhaltend widriges Zinsumfeld vor. Das scheint den Lebensversichern gut zu gelingen - wenn auch zum Teil auf Kosten der Kunden und Beschäftigten, wie Analystin Karin Clemens einräumte. Erstere müssen mit geringeren Überschüssen rechnen, letztere um ihren Job bangen. Große Versicherer haben längst angekündigt, bis 2015 tausende Jobs abzubauen.

Ausschüttungen und Kosten sind wohl die wichtigsten Stellschrauben, an denen die Unternehmen aktuell drehen, um ihre Situation zu entschärfen. Zugleich setzen sie bei der Kapitalanlage auf längere Laufzeiten und weniger schwankungsanfällige Investments, berichtete Clemens. Die Gefahr gar existentieller Verwerfungen, wie zuletzt diskutiert, sieht S&P aber für keinen der von ihr gerateten 22 Lebensversicherer.

Tage zuvor hatten noch Spekulationen aus dem Finanzministerium zur Lage der Lebensversicherer die Menschen verunsichert. Für "das schwächste Fünftel" der Anbieter bestünden ab 2018 "erhebliche Gefahren". Einzelne Marktteilnehmer könnten bald den Garantiezins nicht mehr in voller Höhe zahlen, hieß es. Der Branchenverband GDV dementierte entschieden. Auch einzelne Wissenschaftler warnten vor Übertreibungen, teilen die Sorgen nicht.

Stabiler Ausblick: Versicherer für Herausforderungen gewappnet

"Nach unserer Auffassung sind die Lebensversicherer für die Herausforderungen gewappnet", sagte Badorff. Sie würden auch bei einem mittelfristig anhaltenden Niedrigzinsumfeld ihre Garantien erfüllen können. Die von S&P bewerteten deutschen Versicherer tragen im Mittel ein A-Rating mit einem vorwiegend stabilen Ausblick.

Die guten Ratings reflektierten auch die Einbettung der meisten Gesellschaften in einen großen Konzern, erläuterte Clemens. Will sagen: Wird es für einen Erstversicherer eng, werde die Konzernmutter schon aushelfen, wie dies in Einzelfällen ja bereits geschehe.

S&P belässt seinen Marktausblick für die deutschen Schaden- und Unfallversicherer auf "positiv" und für die Lebensversicherer auf "negativ". Erstere seien im Gegensatz zu Lebensversicherern besser kapitalisiert und eher in der Lage, ihre Abhängigkeit vom Zinsumfeld zu verringern. Tatsächlich gelingt es den Schaden- und Unfallversicherern in diesem Jahr auch über steigende Preise 3,7 Prozent mehr Beiträge zu vereinnahmen, während das Beitragsaufkommen in der Lebensversicherung um 0,7 Prozent sinken wird, berichtete vergangene Woche der GDV.

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