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15.11.2012
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Luxusimmobilien
Cash in die Villa

Von Martin Hintze

Villenviertel Hamburg Blankenese: "Der Anlagedruck ist riesig"
Corbis

Villenviertel Hamburg Blankenese: "Der Anlagedruck ist riesig"

Die Niedrigzinsen wirken wie eine Droge auf Hauskäufer. In den Metropolen reißt die Nachfrage nicht ab. Nur eine Klientel hängt dabei nicht an der bisweilen gefährlichen Kreditnadel: die Reichen. Sie kaufen lieber gleich in bar. Doch auch sie gehen jetzt Risiken ein.

Hamburg - Carsten Rieckhoff ist so richtig in Fahrt. "Bei jeder neuen Hiobsbotschaft zum Euro steht bei uns ein neuer Lkw voller Bargeld vor der Tür", sagt der Researchleiter des Maklerhauses Engel + Völkers auf einer Podiumsdiskussion zum Thema Immobilienblase. Der Satz sitzt. Selbst die Zuhörer in der letzten Reihe des Saals unweit des Berliner Reichstags ziehen verwundert die Augenbrauen nach oben. "Die Deutschen schwimmen im Geld", legt Rieckhoff nach, "ganze Wohnblöcke werden aus der Tasche bezahlt".

Mit seiner Beobachtung steht Rieckhoff nicht allein da. "Mehr als 40 Prozent unserer Kunden zahlen ihr Objekt vollständig aus Eigenmitteln", sagt Heiner Riedel, Geschäftsführer des Münchener Maklerunternehmens Riedel Immobilien. Die Gutsituierten würden ihr frei verfügbares Kapital verwenden, um in hochwertige Wohnungen und Häuser in den Toplagen der Bayern-Metropole zu investieren. Auch in Hamburg, Berlin und Frankfurt am Main bezahlt man derzeit die Stadtvilla oder das Zinshaus gern cash oder nur zu einem kleinen Teil per Kredit.

Dass Unternehmer, Ärzte oder Anwälte auf Fremdkapital verzichten, lässt aufhorchen. Denn das Geld von der Bank ist derzeit doch so günstig wie nie zuvor, die billigen Kredite gelten deshalb gar als wichtiger Zündstoff für die explodierenden Immobilienpreise in deutschen Großstädten. Und beim Durchschnittskäufer nimmt der Anteil an Fremdkapital, das zur Hausfinanzierung nötig ist, entgegen der gut situierten Klientel sogar zu: Laut einer Auswertung des Hypothekenvermittlers Dr. Klein liegt er bei 78,36 Prozent. Profiinvestoren kommen dagegen auf einen Wert von 75 Prozent - mit besorgniserregenden Folgen.

Doch was machen die Reichen? Sie verschmähen das Geld von den Banken. Denn die wohlhabende Klientel verfügt über hohe Cash-Bestände: Selbst in den Krisenjahren hat sich ihre Situation verbessert. So erhöhte sich zwischen 2007 und 2012 das private Nettovermögen der Deutschen um 1,4 Billionen Euro. Ein Zehntel der Bevölkerung besitzt demnach mehr als die Hälfte des Vermögens. Das geht aus dem aktuellen Entwurf des Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung hervor.

"Der Hype ist noch nicht vorbei"

Eine Sorge bleibt den Gutsituierten: Sie wissen offenbar nicht wohin mit dem Geld. Trotz der kräftig gestiegenen Preise sehen sie bei der Geldanlage kaum Alternativen zu Immobilien. "Der Anlagedruck ist riesig", sagt Udo Schindler, Vorstand der Nürnberger Vermögensverwaltung KSW.

Hinzu kommt: Wer beim Immobilienkauf nicht auf Fremdkapital angewiesen ist, kann schnell reagieren. "In München kommen nur eine Handvoll Objekte im Luxussegment auf den Markt", sagt Engel & Völkers-Experte Rieckhoff. Wer zu langsam ist, hat keine Chance. "Sie wollen alle, aber finden nichts", sagt Vermögensverwalter Schindler. "Der Hype ist noch nicht vorbei".

Die Crux: Gerade in exklusiven Lagen war die Mietrendite zuletzt stark rückläufig. Doch das scheint die Cash-Käufer nicht abzuschrecken. "Wir erleben einen Paradigmenwechsel", sagt Michael Pintarelli. "Nicht mehr Rendite, sondern Werthaltigkeit steht jetzt an erster Stelle", so der Vorstand der gleichnamigen Vermögensverwaltung aus Wuppertal.

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