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12.11.2012
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Provisionen
Ein bisschen Honorarberatung

Von Lutz Reiche

Unabhängige Finanzberatung gegen Honorar: In Deutschland führt sie ein Nischendasein. Das geplante Gesetz wird nicht viel daran ändern, so Kritiker
DPA

Unabhängige Finanzberatung gegen Honorar: In Deutschland führt sie ein Nischendasein. Das geplante Gesetz wird nicht viel daran ändern, so Kritiker

Die Pläne des Finanzministers zur Honorarberatung greifen zu kurz. Der Entwurf grenzt einen Großteil der Finanz- und Vorsorgeprodukte aus, die ganzheitliche Beratung bliebe auf der Strecke. Das Gesetz wird die Interessenkonflikte in den Banken auch kaum verhindern.

Hamburg - Die Pleite der US-Bank Lehman Brothers im September 2008 hatte nicht nur die Welt in eine globale Finanzkrise gestürzt. Mir ihr verloren quasi über Nacht auch zigtausende Anleger große Teile ihres Vermögen, weil sie Finanzberatern vertrauten, die ihnen Zertifikate der Bank teils noch kurz vor der Insolvenz verkauft hatten - 50.000 allein in Deutschland.

Spätestens seit der Lehman-Pleite streiten die unterschiedlichen Interessengruppen hierzulande über die provisionsbasierte - und damit tendenziell abhängige - Beratung und Vermittlung von Finanz- und Versicherungsprodukten. Während in einigen Ländern Europas die Kunden längst eine Gebühr für die Beratung zahlen, steckt die Honorarberatung in Deutschland noch in den Kinderschuhen.

Produkte mit echten Netto-Tarifen, die frei von Vertriebsprovisionen und Abschlusskosten sind und als zentrale Voraussetzung für die Honorarberatung gelten, führen noch ein Nischendasein.

Zwar hat der Gesetzgeber den Anleger- und Verbraucherschutz in den vergangenen Jahren gestärkt. So gibt es berufliche Mindestanforderungen, Dokumentations- und Informationspflichten für die Berater. Vielen Politikern, aber auch Teilen der Branche selbst gehen diese Regeln jedoch nicht weit genug.

So haben in den vergangenen zwei Jahren unabhängige Tests - auch der Finanzaufsicht - zahllose Verstöße bei Beratungsprotokollen festgestellt. Zudem kritisieren Verbraucherschützer, dass die Branche fortwährend unverständlich über die Höhe der Provision informiere oder sich der Offenlegungspflicht anderweitig zu entziehen versucht - etwa über sogenannte Festpreisgeschäfte. Vor dem Hintergrund ähnlicher Erfahrungen sind Provisionen im Finanzvertrieb in Großbritannien ab 2013 gänzlich verboten.

Honorarberater soll seine Provisionen an Kunden weiterreichen dürfen

Für ein Verbot von Provisionen gibt es in Deutschland derzeit politisch keine Mehrheit. Zuletzt hatte auch das EU-Parlament dem generellen Provisionsverbot eine Absage erteilt und sich gegen eine verpflichtende Weiterleitung der Provisionen ausgesprochen, was einem Verbot gleichgekommen wäre. Die Ausschüttung der Provision an den Kunden ist jetzt nur noch eine Option. Verpflichtend ist dagegen die völlige Offenlegung der Provision, die Produktanbieter zahlen. Finanzberater, die sich als "unabhängig" bezeichnen, dürfen keine Provisionen mehr annehmen.

In die gleiche Richtung wie die europäische Mifid-II-Richtlinie stößt jetzt der Entwurf zum "Honoraranlageberatungsgesetz" des Bundesfinanzministers. Mit der begrifflichen Trennung von "Anlageberatung" und der neu definierten "Honorar-Anlageberatung" will der Gesetzgeber mehr Transparenz schaffen und das Bewusstsein der Kunden dafür schärfen, welche Dienstleistung er erhält und wie er diese vergütet.

Dem Entwurf zufolge, der manager magazin online vorliegt, muss der Honorar-Anlageberater über einen "hinreichenden Marktüberblick" verfügen, der seiner Empfehlung zugrunde liegt. Er darf sich nicht auf eigene Produkte beschränken oder auf Produkte, die ihm von "nahestehenden Anbietern oder Emittenten angeboten werden". Er berät ausschließlich gegen Honorar, das ihm der Kunde zahlt. Stehen am Markt bestimmte Produkte nicht provisionsfrei zur Verfügung, darf der unabhängige Berater Zuwendungen Dritter annehmen, muss diese aber "unverzüglich und ungemindert" an den Kunden weiterleiten.

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