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30.11.2012

Im Griff der Finanzkrise
Zappeln und Zaudern

Von Arne Gottschalck

Hin und Her: Die Börse ist derzeit weit davon entfernt, ein entspannender Ort zu sein
Getty Images

Hin und Her: Die Börse ist derzeit weit davon entfernt, ein entspannender Ort zu sein

Das Jahr 2012 geht seinem Ende entgegen - doch die Krise ist noch längst nicht ausgestanden. Und so wird es auch bleiben. Denn Finanzmärkte sind nur der Seismograph der schwierigen Realwirtschaft.

Hamburg - Das laute Geschäft ist eigentlich nicht seine Sache. Doch Edouard Carmignac, Fondsmanager und Gründer der gleichnamigen Fondsboutique Carmignac, kann auch anders - und bucht die Rock-Combo Rolling Stones für seine Investorenkonferenz in Paris. Krachende Akkorde, die ins Ohr gehen, das ist das eine. Das andere ist das Schrillen im Ohr, das die Krise den Menschen dauerhaft bereitet. Sie ist die neue Normalität. Realwirtschaft und Märkte müssen damit leben. Vor allem die Finanzmärkte geraten immer wieder in die Kritik. Berechtigt ist diese Kritik nicht immer.

Denn Finanzmärkte sind in erster Linie Seismographen der realwirtschaftlichen Entwicklungstrends. Sie registrieren die Verschiebungen und bilden sie in Kursen ab. Vermeldet ein Unternehmen wie Lufthansa beispielweise ein gutes abgelaufenes Quartal und erklärt sich für die Zukunft zumindest leidlich optimistisch, rechnen sich Anleger Chancen auf Kurssteigerungen aus und greifen bei den Aktien des Unternehmens zu. Das gleiche Bild bei den Schwingungen aus der Politik. "Die Farce um Reform- und Sparmaßnahmen in Griechenland sowie weitere Hilfen für die Hellenen zieht sich weiter in die Länge", schreibt zum Beispiel Raffeisen Capital. "Die Regierungskoalition in Athen ist weiter unfähig oder unwillig, sich auf Einsparungen im Staatshaushalt sowie bitter nötige Reformen des griechischen Wirtschaftssystems zu einigen." Für Anleiheninvestoren ist Griechenland damit weiterhin unattraktiv. Bis heute ist immer noch nicht klar, wie die leeren Kassen des Landes gefüllt werden sollen - und wie und ob das Land in der Lage ist, die Zinsen seiner Staatsanleihen zu bedienen sowie die Anleger auszuzahlen. Entsprechend hohe Zinsen muss das Land zahlen. Das ist eine Folge der Realwirtschaft, gewiss. Es ist aber auch die Folge der Stimmung. Auch die zählt an der Börse.

Denn Märkte übertreiben, in die eine wie in die andere Richtung. Sie sind "manisch-depressiv", so ein Bonmot der Finanzbranche. Entsprechend pendeln die Kurse mal nach oben, mal nach unten, um in der Summe die Erwartungen an die Zukunft abzubilden. Die Krise hat diese Ausschläge verstärkt, das zeigt der Blick auf den Dax-Volatilitätsindex, der die Schwankungsintensität des Dax misst. 2005 lag er bei 10, heute bei 16. Und solange die realwirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht gelöst sind, wird sich das vermutlich auch nicht ändern.

Die Gothaer Asset Management beispielsweise ist davon überzeugt, dass es noch zehn bis zwanzig Jahre dauern wird, bis die Eurozone die realökonomische Krise endgültig überwunden hat. "Die Krise ist kein gordischer Knoten, den man mit einem Schlag lösen kann. Sie ist vielmehr als neuer Normalzustand zu betrachten. Märkte und Menschen müssen lernen, damit umzugehen", so Vorstandssprecher Christof Kessler. Die Realwirtschaft steuern können die Märkte nicht, das ist Aufgabe der Politik. Und so, wie Politiker auf Investoren schimpfen, schelten diese ihrerseits die Politiker.

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